Samstag, 20. August 2011

Wie man seine Kunden nervt - Die HP-Methode

Ich verwende Hewlett-Packard-Produkte, seitdem ich mit Computern arbeite. Seit 22 Jahren im Büro, kaum weniger lang zuhause. Die Magisterarbeit meiner Frau wurde auf dem legendären HP Deskjet 500 ausgedruckt, den finalen Feindruck übernahm dann - in atemberaubender Qualität - ein sündhaft teurer HP Laserjet 4 plus. Besonders gut gefallen hat mir immer die perfekte Treiber-Unterstützung. Es dürfte keinen Tintenstrahldrucker (und vermutlich auch keinen Laser) geben, der jemals von Hewlett-Packard gebaut wurde, für den es heute keine Treiber mehr gibt. Daran könnten sich andere Hersteller durchaus ein Beispiel nehmen: Neulich musste ich einen rund sieben Jahre alten Canon-Flachbettscanner wegschmeißen, weil Canon keinen Treiber für Windows 7 64 Bit für das Gerät hat und auch der 32-Bit-Treiber wichtige Funktionen nicht unterstützt.
Das nahm ich zum Anlass, unsere gesamte Home-Office-Hardware auszudünnen und ein Samsung-Thermofax von 1996, einen HP Deskjet 930c von 1999 und einen HP Laserjet 5L von 1995 in den Ruhestand zu schicken - natürlich gibt es für beide Drucker nach wie vor - auch unter Windows 7 (64 Bit) - offizielle Druckertreiber.
Ersetzt wurde der ganze Gerätepark von einem HP Office Jet 4500 G510g-M, das ist ein Multifunktionsdrucker, der alles kann außer Kaffee kochen: Drucken (auch in Fotoqualität, auch randlos), Kopieren (natürlich auch in Farbe), Scannen, Faxen, gern auch 20 Blatt hintereinander. Das Gerät ist netzwerkfähig und steht deshalb über unseren WLAN-Router allen Computern zur Verfügung, die am Netz hängen. Natürlich kann man von jedem Computer aus ein Fax verschicken oder einen Scan starten. Man kann auch am Gerät einen Scan starten und dann angeben, auf welchem der angeschlossenen Computer die gescannte Bilddatei abgelegt werden soll - alles prima.
Dazu muss nur auf jedem der angeschlossenen Computer eine - ziemlich umfangreiche - Software angeschlossen werden, das so genannte HP Solution Center.
Und über diese Software, liebe Freunde von Hewlett Packard, müsst ihr nochmal drüber, die ist nämlich Murks.
So bekomme ich alle paar Wochen auf meinen Win7-Desktop die Meldung eingeblendet, die man oben links im Bild sieht. Ist doch nett, dass die Software einem sagt, dass ein Update zur Verfügung steht, möchte man meinen. Das Problem ist nur: beim Sagen belässt sie es dann auch. Man kann nicht (wie in dem verrutschten Text suggeriert) durch Klicken auf irgendein Element die Installation des Updates anstoßen. Man kann auch nicht das Fenster einfach schließen. Alt+F4 funktioniert nicht, Task beenden über den Taskmananger ebenso wenig. Das Fenster bleibt im Vordergrund - und zwar im Vordergrund eines jeden Programmes, dass man öffnet. Man kann das Fenster immerhin verschieben, das ist es dann aber auch. Will man den HP-Hinweis weg haben, hilft nur ein Neustart - bis es dann nach ein paar Tagen wiederkommt.
Dieses Problem tritt übrigens nur bei dem Computer auf, an dem ich diesen Text gerade schreibe, er läuft unter Win7 Ultimate 32 Bit. Der Rechner meiner Frau hat Win7 Home 64 Bit, da habe ich das Treiberprogramm schon dreimal neu installiert, weil sie plötzlich nicht mehr drucken konnte. So einmal die Woche bekommen wir auch ein Spam-Fax von irgendeinem Aktien-Betrüger. Laut Handbuch hat der Office Jet einen Spam-Filter, mit dem er solche Faxe sperren kann. Im Empfangsprotokoll des Faxgerätes steht auch eine (vermutlich gefälschte) Absenderkennung - aber der Filter filtert nicht. Der Spammer verbrät unsere Druckertinte und irgendwer bei HP lacht sich vermutlich ins Fäustchen darüber, dass wir so oft neue Patronen kaufen. Apropos neue Patronen: Der Office Jet benutzt zum Drucken der schwarzen Farbe die Patrone Nr. 901 XL (es gibt noch eine kleinere, die ist aber noch schneller leer). Dass die Patronen, die bei einem neuen Drucker dabei sind, nicht besonders viel Tinte enthalten, weiß man inzwischen, also kauften wir gleich einen Satz Original-Patronen zum Tauschen. Nach vielleicht 50 Blatt verweigerte der Drucker komplett die Arbeit mit der Meldung, es sei eine "nicht kompatible Patrone eingesetzt", was natürlich nicht stimmte - nur Original-HP-Ware drin, und übrigens nicht billig. Den Drucker überhaupt zum Weiterarbeiten zu bewegen, ging nur auf eine Art. Ich musste die (rund 26 Euro teure) Schwarz-Patrone entfernen, dann ging der Drucker in einen Dreifarbenmodus und druckte schwarzen Text aus den drei anderen Farben. Vermutlich die teuerste Methode, um schwarzen Text zu drucken, aber so was passiert ja immer nur dann, wenn es dringend ist. Habe ich erwähnt, dass im Dreifarbenmodus auf jedem PC im Netzwerk bei jedem Systemstart eine Sicherheitswarnung erscheint, weil dem Drucker eine Farbe fehlt?
Gerade eben hatte ich wieder den - nicht klickbaren - Hinweis auf neue Updates. ich habe jetzt mal alle Update-Funktionen abgeschaltet, mal sehen, ob mich der Drucker jetzt in Frieden lässt. Ehrlich, der Lasejet 5L von '95 war da besser: Der hat gedruckt, wenn er sollte, und ansonsten seine Klappe gehalten.

Kommentare:

  1. Das mit den "fast" ewig verfügbaren Treibern ist auch das einzig Gute an HP. Im Bereich Laserjet ist auch nix zu Meckern. Aber die HP Tintenstruller sind für mich, aufgrund der zu hohen Kosten für die Patronen, ein Nogo. Canon oder Epson, mit Einzelpatronen für jeder Farbe, sind meine Wahl. Multifunktionsgeräte von HP besitzen nicht die Qualität um über einen längeren Zeitraum reibungslos zu funktionieren. Irgendwann gibt es Probleme mit der Mechanik.

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  2. Da hilft nur eines: netzwerkfähigen Farblaser für 120 Euro kaufen, und wenn es für den dann keinen Windows 8-Treiber geben sollte, dann kommt er halt in den Müll... traurig, aber Geräte, die lange Jahre funktionieren, gibt es nicht mehr.
    Wobei ich bei besagtem Laserdrucker auch aufpassen mußte, nicht die rundum-sorglos-Software zu installieren, sondern nur den nackten Treiber.

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  3. Da HP-Drucker eben lange gewollt nicht netzwerkfähig waren - man sollte gefälligst eine Ethernet-Erweiterung kaufen und dann auch noch eine Netzwerkkarte einbauen, und dann ging es trotzdem nicht, wenn der eine PC Win98 hat und der andere WinXP - habe ich mir das Drucken vom Notebook komplett abgewöhnt und komme deshalb nun auch ohne neue Drucker aus. Zum Schreiben der Steuererklärung reicht der Laserjet noch Jahre, solange der Win98-PC nicht schlappmacht und alles andere wird nur noch als PDF abgelegt.

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