Montag, 28. Dezember 2009

Neues vom Marketing Cook

Das Studium beendet, das Diplom in Empfang genommen, darüber kräftig gebloggt - jetzt zündet die Fachwirtin Onlinemarketing BVDW Bärbel Edel die nächste Stufe: Ihr Buch "Die Rolle der Landing Page im Suchmaschinenmarketing" ist soeben als E-Book veröffentlicht worden. Eine gedruckte Ausgabe folgt in Kürze.

Das Buch kostet als E-Book 19,99 Euro und hat 56 Seiten - gedruckt wird es vermutlich teurer. Ist es sein Geld wert? Für Marketing-Profis, die sich schnell und ohne langes Geschwurbel einen Überblick über die Möglichkeiten der Konversionsratensteigerung mittels Landing-Page-Optimierung verschaffen wollen, auf jeden Fall.

Update: Wer lieber was gedrucktes in der Hand hält, kann das Buch jetzt auch bei Amazon kaufen


Mittwoch, 23. Dezember 2009

In weihnachtlicher Mission

Was soll ich große Worte machen, dieses Video sagt alles, worauf es ankommt:



Sound ist zwingend erforderlich!

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten allerseits.

Sonntag, 20. Dezember 2009

Schweinekalt!


Das Thermometer zeigt -12,3°C an. Seit Tagen haben wir hier Dauerfrost, so kalt war es selten vor Weihnachten in München. Soviel also aus der bayerischen Landeshauptstadt zum Thema "Global Warming". Wem die ganze Klimahysterie der letzten Tage etwas auf den Geist geht, dem empfehle ich die Lektüre des Thrillers "State of Fear" von Michael Crichton aus dem Jahr 2004. Danach klingen die Greenpace-Statements aus Kopenhagen irgendwie seltsam...

Dienstag, 15. Dezember 2009

Das Warten hat ein Ende: Der iPhone-Killer ist da

Ich wusste es: Das Apfel-Telefon kann nicht der Weisheit letzter Schluss in Sachen Smartphone gewesen sein. Das ist mir schon länger klar. Das Google-Teil ist es irgendwie auch nicht, das Windows-Phone ebenfalls. Naja, und über das Palm Pre schweigt der Gentleman ohnehin lieber, wenn er ein Gentleman ist. 

Doch jetzt sieht es so aus, als wenn die Erfinder des Telefons der asiatischen Konkurrenz mal wirklich zeigen was sie draufhaben und wo der Hammer hängt. Das Xphone ist da: Es unterstützt alle Schnittstellen, hat endlich mal eine Kamera, die den Namen "Kamera" verdient und eine Stromversorgung, die mehr als einen Arbeitstag durchhält. Über das Betriebssystem gibt es noch keine genauen Aussagen, aber nach meinen Informationen ist es frei wählbar.

Das Teil ist made in Germany, extrem robust und hochgradig innovativ. Auf gut deutsch: Da steht mein Name drauf.



Nachteile? Vermutlich sauteuer. Und kommt nicht mehr vor Weihnachten in den Handel. Aber irgendwas ist ja immer.

Sonntag, 22. November 2009

Schikane im Namen der "Sicherheit"

Gerade hat ein Mitarbeiter der Hamburger Flughafen-Security Gefahr vom Flugverkehr der Bundesrepublik abgewendet - indem er meine Frau zwang, eine viertelvolle Dose Nivea Creme Soft in den Mülleimer zu werfen. Eine inhaltliche Erklärung für sein Verhalten konnte der Mann nicht liefern. Auf die Frage, wie es eigentlich sein könne, dass dieselbe Dose tags zuvor in München problemlos die Sicherheitskontrolle passieren konnte - natürlich verpackt in den vorgeschriebenen Klarsichtbeutel und von einem Security-Menschen handkontrolliert - wusste der Mann in Hamburg keine Antwort. "Daran kann man nichts ämdern", war seine lakonis he Aussage. "Doch, man kann." meine Antwort darauf. Sein Rat: Beschweren Sie sich doch in Brüssel!"

Das sollte man in der Tat tun. Vielleicht bekäme man dann auch Antwort auf die Frage, wieso in Hamburg dicke Abfallcontainer stehen, in die Flugreisende die Dinge einwerfen müssen, die die Security für gefährlich erklärt hat - in München sind mir diese Container noch nie aufgefallen. Noch interessanter dürfte die Antwort auf die Frage sein, wieso es möglich ist, sich für diese hoheitliche Prozedur gegen Aufpreis eine bevorzugte Behandlung (Fast Lane) zu erkaufen.

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Dienstag, 17. November 2009

Bella Italia

Ist es eine gute Idee, im November mit dem Motorrad nach Italien zu fahren? Grundsätzlich schon, wenn das Wetter es zulässt, wenn Resturlaub zu vernichten ist und wenn die beste Ehefrau von allen nichts dagegen hat (An Details wie diesen erkennt man die allerbesten Ehefrauen). Also, drauf aufs Krad und ab in den Süden. Der Kessekberg bei Kochel ist an einem Dienstagmorgen ein einsames Vergnügen, Innsbruck strahlt im Licht der Herbstsonne, die Brenner-Bundesstraße ist eine Pracht. Dann, am Brennerpass, eine erstaunliche Wetterkapriole: Auf einen Schlag ist es total bewölkt - und wird empfindlich kalt. Aber es bleibt trocken, und gegen kalte Finger hilft die Griffheizung. Vom Brenner bis nach Bozen sind es noch knapp hundert Kilometer, eine gute Stunde, wenn man Valentino Rossi imitieren will und keine Angst vor den Carabinieri hat. Ich lasse es locker angehen, wechsle erst einmal mein getöntes gegen das klare Helmvisier und halte mich brav an die Limits. Mehrere LKW reizen dazu, doch etwas Kampfnie zu fahren und sie zu vollstrecken, doch dann biegen sie ab, bevor es spannend wird. Als ich in Bozen ankomme, ist es halb drei Uhr nachmittags. Rund 260 Kilometer bin ich gefahren - eine schöne Etappe.Mein Lieblingshotel in der Via Brennero hat noch ein Zimmer für mich. Den Rest des Nachmittags verbringe ich mit einem Spaziergang durch die Innenstadt. Ich mag Bozen, es hat viel von seiner einstigen Tümelei abgelegt. Danach noch ein Telefonat mit der Daheimgebliebenen, etwas Lümmeln im Hotel und dann auf in die Stadt, essen gehen.
Morgen geht's zurück. Schade, ich könnte immer weiter fahren.

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Sonntag, 8. November 2009

Was ist los, Amazon?


Kann sich jemand an den Werbespot für diese Versicherung erinnern, in dem die Frau auf dem Wochenmarkt am Obstverkäufer verzweifelt, der wie ein Sprachcomputer redet und immer alles missversteht? Genau so geht es mir im Moment mit den Leuten, die angeblich den modernen E-Commerce erfunden haben: Amazon.

Worum geht es? Ich kaufe ganz gern bei Amazon meine Musik, und zwar als MP3-Download. An sich eine Super-Geschichte: Gewünschtes Album aussuchen, auf 1-Klick-Kaufen klicken, bestätigen, und schon wird die Musik auf meinen Computer runtergeladen. Prima-Qualität, gute Preise, toll. Dazu hat Amazon von mir eine Rechnungsanschrift (zuhause), eine Lieferanschrift (im Büro), eine Kreditkartennummer und sogar meine Bankverbindung. Zudem bin ich seit Jahren Amazon-Kunde. Seit einiger Zeit funktioniert das aber nicht mehr. Amazon behauptet, es gäbe ein Problem mit meiner Liefer-Anschrift. Und welches Problem soll das bitteschön sein? Ich wohne hier seit über zehn Jahren, und wenn ich MP3s kaufe, muss überhaupt nichts geliefert werden, ich lade es mir dann doch einfach auf meinen Computer runter. Als das das erste Mal passiert ist, habe ich noch versucht, zu Amazon Kontakt aufzunehmen und um Hilfe zu bitten. Alles was ich bekam, war ein völlig kryptisches Formular, welches völlig an meinem Problem vorbei ging. Hallo, Amazon, vielleicht liest das hier mal jemand? Ich möchte gern bei Euch ganz viel Geld für Musik ausgeben, also bitte lasst mich das doch tun! Und wenn jemand von Euch die definitive E-Mail-Adresse hat, unter der man bei Amazon einen Menschen erreicht, mit dem man normal kommunizieren kann, dann wäre ich für einen dezenten Hinweis dankbar.
UPDATE: Einen Tag später kam vom Amazon Customer Service eine Mail, in der von einem technischen problem die Rede war, an dessen Lösung man mit Hochdruck arbeite. Einen Tag später ging wieder alles wie gewohnt.

Samstag, 24. Oktober 2009

Ist das das Ende vom Buch?


Kindle ist da. Seit ein paar Wochen bietet Amazon sein revolutionäres E-Book-Lesegerät auch in Deutschland an. Genauer gesagt: Amazon lässt zu, dass auch Kunden von außerhalb der USA das Gerät bei Amazon USA bestellen und sich nach hause liefern lassen. Von den beiden Kindle-Modellen im Amazon-Programm - Kindle und das größere Kindle DX - ist nur das hier abgebildete kleinere Modell (intern Kindle 2 - für 2. Generation - genannt) lieferbar. Es unterscheidet sich in nichts von den US-Modellen: Bedienungsanleitung und Benutzerführung sind englisch. die Tastatur ebenfalls. Sogar der beigefügte USB-Steckerlader ist ein Modell für US-Steckdosen und funktioniert vermutlich nur bei 110 Volt. Kindle verfügt über ein eingebautes Mobilfunk-Modul, über das es drahtlos Daten empfangen kann. So kann man mit seinem Kindle im Amazon-Bookstore E-Books kaufen und diese direkt per Funk auf sein Lesegerät übertragen. In den USA kooperiert Amazon mit AT&T. Eine bereits im 1. Halbjahr 2009 geplante Markteinführung in Deutschland scheiterte daran, dass Amazon keine Einigung mit einem in Deutschland operierenden Mobilfunkprovider über günstige Übertragungstarife erzielen konnte. Jetzt hat AT&T mir einer Reihe von Providern weltweit Roaming-Verträge geschlossen - jetzt funktioniert Kindle auch außerhalb der USA.

Kindle kostet bei Amazon USA 279 US$, das entspricht rund 170 Euro. Dazu kommen allerdings noch Fracht und Zoll, so dass man in Deutschland etwa 250 Euro bezahlen muss, um ein solches Gerät zu bekommen. Ich habe "mein" Kindle über Amazon UK bekommen, dort sitzt die Pressestelle, die an Journalisten in Europas Kindles zum Testen verleiht. In zwei Wochen muss ich es wieder zurückschicken. Dazu gab es 30 US$ als Guthaben zum "Spielen". danke, Amazon, sehr nett.

Auspacken

Kindle kommt in einem schlichten Karton, der Lieferumfang ist übersichtlich: Lesegerät, USB-Kabel, der erwähnte Steckerlader in US-Norm, eine Kurzanleitung, eine Anleitung zum Erklären der Verwaltung des Online-Accounts (die war nur für die Journalisten, glaube ich), das war's - nicht ganz: Wem ein solches E-Book zu wenig "Buch" ist, der kann sein Kindle auch in eine beiliegende, maßgeschneiderte Hülle aus Kunstleder einklinken. Damit sieht das Gerät von außen aus wie ein Buch.

Kindle ist etwas kleiner als DIN-A5, genauer: 203 x 135 mm, es ist knapp einen Zentimeter dick und wiegt knapp 300 Gramm. Der Bildschirm hat eine Diagonale von 6 Zoll, damit bietet er etwa die vierfache Fläche eines Smartphones vom Schlage eines iPhone. 

Registrieren und los

Um Kindle sinnvoll nutzen zu können, benötigt man einen Kundenaccount bei Amazon. Auf einer speziellen Website kann man sein Gerät registrieren und Optionen eingeben, wie man Inhalte bezahlen möchte, die man mit seinem Kindle kauft. Außerdem kann man seinem Kindle eine E-Mail-Adresse geben und Adressen festlegen, von denen aus man Inhalte an sein Kindle schicken kann. Inhalte für das Kindle kann man entweder über das Gerät selbst kaufen oder über den Amazon-Kindle-Store. Egal wo man kauft, die Inhalte werden drahtlos auf das Gerät übertragen. Hat man keinen Mobilfunkempfang, kann man gekaufte Inhalte auch via USB-Kabel vom Computer auf das Gerät übertragen.

Hardware - die ersten Gehversuche

Nach dem Einschalten braucht Kindle nur wenige Sekunden zum Booten. Das Gerät arbeitet komplett geräuschlos. Obwohl es Lautsprecher hat, ist das Knacken der Tastaturkontakte das einzige Geräusch, das Kindle normalerweise macht. Auf den ersten Blick am erstaunlichsten wirkt der Monitor. Er basiert auf der E-Ink-Technik und arbeitet rein passiv, das bedeutet: Er leuchtet nicht selbst und ist - wie Papier - am besten abzulesen, wenn die Umgebungsbeleuchtung schön hell ist. Das Ziel der Kindle-Entwickler war ein Bildschirm, der Text und Grafik so anzeigt, als seien sie auf Papier gedruckt. Dieses Ziel erreicht Kindle knapp: Der Bildschirmhintergrund ist nicht weiß, sondern grau wie Öko-Papier. Die E-Ink-Technik bewirkt zwei Dinge: Erstens ist das angezeigte Bild absolut ruhig und flimmerfrei, eben wie gedruckt. Zweitens benötigt ein E-Ink-Display nur dann Strom, wenn sich der Bildschirminhalt ändert. Ohne Strom bleibt einfach das letzte angezeigte Bild stehen. Das nutzt Kindle für nette Screensaver: Im ausgeschalteten Zustand ziert ein zeitgenössisches Portrait eines berühmten Schriftstellers oder irgendein historischer Stich das Display. 

Zu den Nachteilen der E-Ink-Technik gehört das Unvermögen des Monitors, bewegte Bilder wiederzugeben. So wird Text nicht wie auf einem normalen Flachschirm-Monitor gescrollt, sondern Seite für Seite gewechselt. Der Seitenwechsel geht angenehm schnell: Umblättern dauert nicht länger als ein Augenzwinkern. Eine weitere Einschränkung: Das Display des Kindle kann nur schwarzweiß mit Graustufen. 

Auf der Oberseite befinden sich mehrere Tasten für Blättern vor und zurück sowie für weitere Menüfunktionen. Außerdem ein kleiner Mini-Joystick und schließlich eine QWERTY-Tastatur mit sehr kleinen Tasten und hartem Druckpunkt. Damit kann man problemlos kurze Texte in eine Suchmaske eingeben, für das Verfassen längerer Texte ist diese Tastatur erkennbar nicht gedacht. Insgesamt ist die Verarbeitung recht ordentlich, die Tasten sind allerdings etwas knarzig. Am rechten Rand sitzt eine Lautstärkenwippe, oben gibt es den Hauptschalter und einen Anschluss für einen 3,5-mm-Kopfhörerstecker. Wozu das? Nun, der Kindle kann nicht nur MP3-Musik und Hörbücher im Audible-Format wiedergeben, er kann auch automatisch vorlesen, doch dazu später.

Nach dem ersten Einschalten führt einen das Gerät durch seine Grundfunktionen - auf englisch, eine andere Sprache ist nicht verfügbar. Serienmäßig an Bord ist das Oxford Advanced Learner's Dictionary, ein Wörterbuch der englischen Sprache, das die Bedeutung englischer Worte erklärt - auf englisch. Damit kann man in beliebigen E-Books einzelne Worte nachschlagen - sehr praktisch für Nicht-Englisch-Muttersprachler.

"Jedes Buch in weniger als einer Minute auf Ihrem Kindle" verspricht Amazon, und "mein" Kindle kann dieses Versprechen erst einmal nicht einlösen: Das Mobilfunkteil kann keine Verbindung aufbauen. Derweil befasse ich mich mit dem Setup des Gerätes, vergebe eine E-Mail-Adresse und richte meine Zahlungsinformationen ein. Danach klappt es auch mit dem Online-Zugang. Vielleicht habe Daten gefehlt.

Der Zugang zum Content-Repertoire läuft über den Amazon Bookstore - wenn man eine Mobilfunkverbindung hat. 35.000 Titel hat der Store im Programm, das hört sich viel an, ist es aber nicht. Ich tippe als Suchwort "Yamaha" ein und erwarte Fachliteratur zu meinem Motorrad - Fehlanzeige! Dann gebe ich "Motorbike" ein und stoße auf ein grottenschlechtes Werk namens "SportBike Buying made Easy" von einer gewissen Miss Cindy. ich kaufe das Buch für 3,95 Dollar, es erweist sich als ziemlicher Müll. Okay, also am besten einfach ein gutes, englischsprachiges Buch kaufen. Im vergangenen Sommer bekam ich im Urlaub "World's End" von T. C. Boyle in die Finger, las es zu 80 Prozent durch und ließ es dann bei der Abreise im Hotel liegen. Das könnte ich jetzt nachholen, also "Boyle" eingegeben: Es gibt mehrere Bücher von T.C. Boyle im Angebot, "World's End" ist nicht darunter.

Irgendwie sieht das im Moment nicht so aus, als wenn Kindle und ich Freunde werden...

Deutschsprachiger Content auf dem Kindle ist derzeit Mangelware, immerhin gibt es eine Kindle-Ausgabe der FAZ und des Handelsblattes. Man kann die jeweils aktuelle Ausgabe kaufen oder ein Abo abschließen, wobei die Preise geringfügig über denen der Print-Ausgabe liegen. Ich gönne mir ein 14-tägiges Probeabo der FAZ: Seit vergangenem Freitag landet jeden Tag die aktuelle FAZ-Ausgabe auf "meinem" Kindle. Wenn ich nicht auf "keep" drücke, verschwindet die Zeitung vom gestern von dem Gerät, sobald die Zeitung von heute herausgekommen ist. 

Die Kindle-FAZ kommt ohne Bilder und ohne Werbung, dafür mit einer Navigationsebene, die nach Ressorts suchen lässt. Runde 150 Texte, von der Kurzmeldung bis zum Leitartikel, enthält so eine FAZ jeden Tag. Allerdings fällt die Orientierung auf dem Kindle längst nicht so leicht wie auf Papier. Es fehlen Differenzierungsmerkmale im Layout und der Typografie. Immerhin: In einem Flugzeug ist der Kindle einfacher zu handhaben als eine FAZ-Wochenausgabe. Bei der auf deutsch geschriebenen FAZ versagt übrigens der elektronische Vorleser, er erkennt nur US-amerikanische Texte halbwegs anhörbar. Auch Oxford's Advanced scheitert am deutschen Vokabular. Dafür gibt es wenigstens keine Probleme mit den Umlauten. Allerdings setzt Kindle alle Texte grundsätzlich in Blocksatz ab, was von allem bei den Titelzeilen oft unschön aussieht.

Doch eigentlich ist Kindle zum Bücherlesen da. Also bestelle ich mir "State of Fear" von Michael Crichton, einen Thriller, der im Umfeld von Umweld-Aktivisten spielt. Das Buch kostet elektronisch etwa genausoviel wie im Handel, dafür kann ich hier eine Minute nach dem Kauf mit dem Lesen anfangen. Und das geht gar nicht schlecht: Die Standby-Zeit des Geräteakkus ist groß genug, dass man sich darüber keine Gedanken machen muss. 

Fazit

Nach einigen hundert Seiten in Crichtons's Thriller zeigt sich, dass das Lesen von Büchern ohne großen Grafikanteil erkennbar die Stärke des Kindle ist. Schnell ist eine Darstellungsart gefunden, bei der einem die Schriftgröße und der Zeilenabstand gut gefallen, und dann geht Lesen auf dem elektronischen Gerät wirklich mindestens genauso einfach wie in einem Buch.

Allerdings: Das Kindle bleibt ein elektronisches Gerät. Man möchte es ungern hinfallen lassen. Die Bücher, die ich zum Schmökern in den Urlaub mitnehme, packe ich immer in die Außentaschen meines Koffers, schließlich können die einige Schläge vertragen - der Kindle müsste ins Handgepäck. Und im Urlaub lasse ich gern mal ein Buch auf der Liege am Pool liegen, wenn ich zum Essen gehe - mit dem Kindle würde ich das nicht machen. Und was das "kindle-gerechte" Aufbereiten von Tageszeitungs-Content angeht, so kann das Gebotene einfach noch nicht mit dem mithalten, was mir eine Zeitung aus Papier bietet. Dazu kommt: Auch auf dem Kindle enthält die Zeitung von heute die Nachrichten von gestern. Da gehe ich lieber mit meinem Handy direkt ins Netz - und lese die aktuellen News.

Würde ich mir ein Kindle kaufen? Vermutlich nicht. Dafür ist es zu teuer, bietet zu wenig Auswahl an Literatur und schränkt mich zu sehr in seinen Möglichkeiten ein. Die Geschichte würde sich mit einem Schlag ändern, wenn man Bücher und Dokumente aus allen möglichen Quellen problemlos per USB-Schnittstelle übertragen könnte. Aber ein erster Test zeigt: Sowohl Word- als auch PDF-Dokumente verlieren gewaltig an Form, wenn man sie (kostenpflichtig) via Mail und Mobilfunkstrecke auf das Gerät mogelt.

Aber das Display ist toll. Dafür fallen mir ein Dutzend Anwendungsmöglicheiten ein, von denen Kindle die meisten leider nicht beherrscht.

Samstag, 10. Oktober 2009

Manchmal ist Größe eben doch entscheidend

"You can tell the age of the boys by the size of their toys" sagt der Angelsachse und hat damit wie so oft nicht ganz unrecht. Wer mit drei in der Sandkiste einen Big-Traktor mit Schaufellader am Start hat, ist den Wettbewerbern mit ihren schwindeligen Bobby-Cars ganz klar überlegen.

Viele Jungs neigen dazu, dieses Spielchen auch in späteren Jahren auf der Straße fortzuführen, doch wer einmal einen 8x8-Kiesbomber mit 430 PS, 1.700 Newtonmetern, Sechzehnganggetriebe und natürlich mit 15 Tonnen Kies im Nacken durch das Dachauer Land getrieben hat, findet danach sogar Porsche Cayennes eher mickerig.

Wie kann man sowas noch toppen?

Mit einem Claas Lexion 530 zum Beispiel.

Der hat zwar nur 313 PS, dafür ist er sechs Meter breit, vier Meter hoch, verfügt über genügend Elektronik um einen mittleren Serverschrank zu füllen und wird mit einem Joystick gefahren, der Assoziationen an den EuroFighter weckt. Die Rede ist von einem Mähdrescher.

Einen Mähdrescher wollte ich schon immer mal fahren. Einen Kettenpanzer vielleicht auch, aber der ist mir zu eng und zu militaristisch. Aber ein Mähdrescher - ultracool.

Glücklicherweise stellt die Firma Claas in Gütersloh nicht nur Mähdrescher her, sie verfügt auch über eine recht interessante Online-Strategie zur Unterstützung ihrer Händlerschaft und den Wunsch, die Welt dies erfahren zu lassen. Genügend Gründe also für einen Geschäftsbesuch. An dessen Ende stand dann eine Testfahrt mit einem nagelneuen, auf Hochglanz gewienerten Claas Lexion 530. Herr Lohmann, seines Zeichens Landwirt, stand mir dabei helfend zur Seite, denn ohne Herrn Lohmann hätte ich beim Lexion noch nicht einmal den Zündschlüssel gefunden, geschweige denn, das Monstrum vom Fleck bewegt.

Vor der Fahrt steht erst einmal eine Kletterpartie, die Führerkanzel befindet sich in luftiger Höhe. Darin geht es vergleichsweise komfortabel zu: Klimaanlage, Radio, Kühlfach, verstell- und klappbare Lenksäule, Bordmonitor. Auf dem lassen sich über die verschiedenen Menüs alle möglichen und unmöglichen Daten abrufen, zum Beispiel über die Qualität des gerade gemähten Getreides, über die aktuellen Betriebsdaten des Fahrzeugs oder über Wartungsarbeiten, die gerade anstehen. Im vor Schaltern überquellenden Armaturenbrett ist unter anderem auch ein kleiner Drucker eingebaut, der besagte Wartungsliste auf Wunsch auch ausdruckt, damit sie der Fahrer beim Gang rund um das enorme Fahrzeug mitnehmen kann.

Gelenkt wird der Lexion 530 über ein kleines Lenkrad mit Knauf, welches sich spielerisch leicht drehen lässt. Die rechte Hand ist derweil am bereits erwänten Joystick: Schiebt man ihn vor, fährt der Mähdrescher los. Lässt man den Joystick los, bleibt der Lexion stehen, zieht man ihn zurück, geht es retour.

So fahren wir also los, der Lexion, Herr Lohmann und ich. Vorsichtig, man will ja mit dem sechs Meter breiten Mähwerk niemanden schächten, dann auf eine Berg- und Talbahn - auf der ich bei der steilen Bergabfahrt kurzfristig fürchte, vorwärts durch die Windschutzscheibe zu fallen - und schließlich auf eine Piste mit wechselnden Seitenneigungen, wo mir Herr Lohmann ganz stolz vorführt, wie das Mähwerk automatisch dem Gelände folgt. Very impressive, indeed.

Danach noch eine Runde mit etwas mehr Schmackes, bei der mir Herr Lohmann auch nicht mehr so oft helfend ins Lenkrad greifen muss.

Dann ist die Fahrt zu Ende. Motor aus, runterklettern, danke Herr Lohmann. Das Action Item "Mähdrescher fahren" kann ich jetzt als erledigt betrachten. Möchte ich sowas jeden Tag machen - während der Erntezeit drei Wochen lang nahezu ohne Pause? Eher nicht.

Aber in der Münchner Altstadt wäre man mit einem solchen Teil definitv der Chef.

Freitag, 2. Oktober 2009

Mittwoch, 30. September 2009

Ausnahmezustand

Trotz massivem Aufgebot an Sicherheitskräften heile auf der Wiesn angekommen. Bis jetzt keine Taliban gesehen. Würden sich hier wohl auch nicht wohlfühlen mit der ganzen Gerstenkaltschale...

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Sonntag, 27. September 2009

Warum Franz Müntefering jetzt (endlich) zurücktreten muss

Die SPD hat mal wieder ihr schlechtestes Wahlergebnis seit '49 eingefahren. In ersten Reaktionen vertrat SPD-Parteichef Franz Müntefering die Ansicht, das Programm der SPD bedürfe keineswegs einer grundsätzlicher Überarbeitung. Tja, Herr Müntefering, wieso sind dann mehr als zwei Millionen ehemalige SPD-Wähler heute nicht zur Wahl gegangen? Wieso hat die SPD seit 1998 (dem Amtsantritt der Regierung Schröder) mehr als die Hälfte ihrer Wählerstimmen eingebüßt? So sieht keine Krise aus - das ist eine kontinuierliche Abwärtsbewegung über ein Jahrzehnt! 

Es war in den Monaten (wenn nicht: Jahren) vor der heutigen Bundestagswahl nahezu körperlich spürbar: Die SPD ist einfach out. Und Leute wie Sie tragen daran die persönliche Schuld. Sie haben Undinge wie die Rente mit 67 mitbeschlossen, ohne dafür zu sorgen, dass Leute über 40 auch noch eine reelle Chance auf einen neuen Job haben. Ihre Partei hat mitgeholfen die Mehrwertsteuer auf 19 Prozent anzuheben - mehr als Sie selbst zuvor gefordert hatten. Ihre Partei hat mitgeholfen, dass die Bundeswehr in Afghanistan steht (was wollen wir dort?). Schließlich: Wir sind ja hier im Internet: Ihre Partei hat eine dermaßen lausige Internet-Politik gemacht, das tat schon weh. 

Dennoch: Ich habe heute SPD gewählt. Ein Fehler, ich weiß. Wird nicht wieder vorkommen, zumindest nicht so lange, wie Sie im Amt sind. Deshalb meine Forderung: Treten Sie zurück.

Heute noch. 

Freitag, 18. September 2009

Die Notruf-Lüge

Vor wenigen Tagen ist in München ein 50-jähriger S-Bahn-Passagier bei dem Versuch, eine Auseinandersetzung zwischen gewalttätigen Jugendlichen zu schlichten, zu Tode geprügelt worden.

Jetzt überschlagen sich die üblichen Verdächtigen mit ihren Ratschlägen: Mehr Videokameras müssen her! Es muss mehr Zivilcourage her!

Leider ist das alles dummes Zeug, denn die Stadt München bringt es noch nicht einmal fertig, dass ihre Notrufsäulen ihre Funktion erfüllen.

Vor einiger Zeit war ich selbst Opfer eines tätlichen Übergriffs in der U-Bahn. Seitdem weiß ich: In einer solchen Situation hilft einem niemand - nicht die anderen Fahrgäste und schon gar nicht die U-Bahn-Wache, die sich in München sonst gern so martialisch gebärdet.

Was ist damals bei mir geschehen? Ich war in der U-Bahnlinie 5 vom Hauptbahnhof in Richtung München-Laim. Es war gegen 19 Uhr, die U-Bahn war zu etwa 60% besetzt und ich saß auf meinem Sitz und hörte über Kopfhörer Musik. Plötzlich hörte ich – trotz Kopfhörer – einen Mann im Waggon herumbrüllen. Ich nahm die Kopfhörer ab und hörte, wie ein ungefähr 60-jähriger, bayerisch sprechender Mann mehrere junge Mädchen (mit Migrationshintergrund) im Alter zwischen ca. 15 und 20 aufs Unflätigste beschimpfte. Die Frauen hatten dem Mann offensichtlich nichts getan, aber er brüllte sie unablässig an. Schließlich stand eine von den Frauen auf und erwiderte, dass sie sich so was nicht gefallen lassen müsse, was den Mann erst recht in Rage brachte. Es fielen Worte wie „Schlampe“, „fette Sau“ und „Hartz-4-Empfängerin“.

Ich stand auf und ging zu der Bank, auf der der Mann saß, und sagte ihm klar und deutlich, dass er sich mäßigen und mit den Beleidigungen aufhören solle. Daraufhin wendeten sich die Aggressionen des Mannes gegen mich. Er schrie mich an, ich solle mich nicht einmischen, und fing dabei an, immer wieder nach mir zu schlagen. Auch ich wurde als „fette Sau“ bezeichnet. Als der Mann immer aggressiver wurde, warnte ich ihn, wenn er damit nicht aufhören würde, würde ich ihn bei der Polizei anzeigen – was seine Aggression immer weiter steigerte. Die Situation war skurril: Ich bin zwei Meter groß und wiege rund 140 kg. Der Mann war etwa 1,60 Meter groß und rund 20 Jahre älter als ich. Ich an seiner Stelle hätte jetzt mal nachgegeben, aber er fing an, immer härter zu schlagen und mir solche Dinge zu sagen wie „Na, dann zeig’ mich doch an, Du Sau mit deinem Scheiß-Handy“.

Damals funktionierten Handys noch nicht in der Münchner U-Bahn, erst seit wenigen Wochen hat man zwischen Oktoberfest und Hauptbahnhof Empfang. Ich konnte also nicht die Polizei rufen, die Attacken des Mannes wurden immer aggressiver und wanderten immer mehr in Richtung meines Gesichtes – ich bin übrigens Brillenträger. Daraufhin beschloss ich, mich zur Wehr zu setzen: Ich drängte den Mann gegen die Wand des U-Bahnwaggons und wollte ihn mit meinem Gewicht daran hindern, weiterhin nach mir zu schlagen. Er schlug wie verrückt um sich, riss an meinem Hemd, das daraufhin einen Knopf verlor, und brüllte ohne Unterlass Beleidigungen und Drohungen, zum Beispiel: „Dich Sau kenn ich, ich warte auf Dich, Dich mache ich fertig.“

Als offensichtlich war, dass ich mit dem Mann in eine Rangelei verwickelt war, da kam tatsächlich Leben in die anderen Fahrgäste. Sie kamen zu uns und sagten zu mir: „Lassen Sie doch den alten Mann in Ruhe, der ist doch besoffen“ Es fielen auch Bemerkungen wie „Mischen Sie sich nicht ein“, und der Gerechtigkeit halber muss ich sagen, dass ein Fahrgast auch den Mann aufgefordert hat, endlich aufzuhören. Hilfe von den anderen Fahrgästen? Keine Spur.

Auf dem Bahnsteig am Laimer Platz, wo alle Fahrgäste ausstiegen, ging es dann weiter: Beleidigungen, Beschimpfungen, Schläge in meine Richtung. Ich sagte dem Mann weiterhin, er solle damit aufhören – ohne Erfolg. Also suchte ich den Bahnsteig nach dem Kasten mit dem Notrufknopf ab und sagte dem Mann, wenn er jetzt nicht aufhören würde, würde ich den Notruf auslösen. Seine Reaktion: „Mach doch, Du fette Sau, ich warte draußen auf Dich, ich mach Dich fertig.“

Dann habe ich den Notrufknopf betätigt.

Etwa 30 Sekunden lang passierte gar nichts (Freizeichen), dann meldete sich ein Mann. Ich habe ihm gesagt was los war, er hat mir daraufhin langatmig erklärt, dass alle Bahnhöfe videoüberwacht seien und dass ich jetzt zur Polizei gehen könnte und dort die Aufnahmen einsehen könnte. Das war jetzt nicht die Art von Hilfe, die ich erwartet hatte, und das sagte ich dem Mann auch. Er fragte mich, was ich mir denn vorgestellt habe. Ich antwortete: „Dass jemand kommt und mir hilft.“ Daraufhin rechnete er mir vor, wie viel Personal man bräuchte um so was zu gewährleisten (er kam glaube ich auf 176 Leute). Ich antwortete, dass ich das angesichts der Steuern die ich zahle, nicht übertrieben fände und beendete das Gespräch.

Wenn ich diese Situation, die ich erlebt habe, analysiere, drängen sich mir ausgesprochen unerfreuliche Schlussfolgerungen auf:

  1. Wenn man in der Münchner U-Bahn tätlich angegriffen wird, hilft einem niemand.
  2. Wenn man jemandem zur Hilfe kommt, der attackiert wird, dann sollte man das lieber lassen, denn das bringt nur Ärger.
  3. Wenn man jung und Ausländer ist, dann sollte man mit der U-Bahn auf alles gefasst sein.
  4. Wenn man dagegen Deutscher und Rentner ist, am besten noch betrunken, dann kann man machen was man will, es wird keine Konsequenzen haben.
  5. Wenn man einen solchen randalierenden Rentner zur Raison bringen will, dann wendet man am besten konsequent präventive Gewalt an. Denn schließlich greift bei Gewalttaten ohnehin niemand ein.
  6. Wenn man weder Ausländer noch Rentner und auch nicht gewalttätig ist, dann vermeidet man am besten eine Fahrt in der Münchner U-Bahn. Und wenn es sich nicht vermeiden lässt: Am besten wegschauen, bloß nicht einmischen, gibt nur Ärger.
  7. Die Kästen mit dem Notrufknopf hängen offenbar nur als Design-Elemente auf den Bahnhöfen. Eine Funktion haben sie nicht. 

Übrigens, wie ich jetzt gehört habe, hatten auch die Notruf-Kästen am S-Bahnhof Solln, wo der Passagier erschlagen wurde, keine Funktion. Sie wurden angeblich von der Privatbahn BOB aufgestellt und wegen eines Kompetenzgerangels mit der Deutschen Bahn nicht in Betrieb genommen. Dort draußen gibt es zwar Handy-Empfang, aber wozu? 

Es kommt ja doch niemand, wenn man Hilfe braucht.


Montag, 14. September 2009

Man muss ja am 27. September nicht die Piraten wählen...

... aber man sollte sich vielleicht doch mal dieses Video anschauen, bevor man sein Kreuz bei der CDU/CSU macht



(Sound dringend erforderlich)

Dienstag, 8. September 2009

Kreisen um sich selbst


Jetzt ist es raus. Das Internet-Manifest, in dem 15 überwiegend selbst ernannte Alpha-Blogger dem Rest der Welt erklären, wie Journalismus in Zukunft funktioniert. Darunter natürlich die üblichen Verdächtigen: Lobo, Sixtus, Niggemeier. Gibt's jetzt auch auf englisch. Ohmygod! Komisch, das Don Alphonso nicht dabei war, das wär' doch seine Kragenweite gewesen.

Den meisten Journalisten ist eine gewisse Eitelkeit eigen, ich kenn' mich da aus, schließlich bin ich selbst einer. Aber die Art und Weise, wie sich die "Deutsche Internet-Mafia" (Zitat aus einem Kommentar zum "Internet-Manifest") da selbst wichtig nimmt, das hat schon eine eigene Klasse. Wer sich selbst - so wie zum Beispiel ich - den ganzen Tag mit dem Internet beschäftigt, der verliert leicht den Blick dafür, dass es a) noch eine andere Realität gibt als die des Internet und dass b) die News-Vermittlung im Internet beileibe noch nicht das Niveau erreicht hat, dass sie wirklich fundiert irgendeines der klassischen Medien ersetzen könnte. Man sieht es einfach sehr deutlich daran, dass das Agenda-Setting der wirklich wichtigen Themen nach wie vor von klassischen Medien betrieben wird, also von Print-Redaktionen und (seltener) von TV-Stationen. Eine schnelle Google-Suche fördert oft eine Flut von bis auf den letzten Buchstaben gleichen Textversionen einer und derselben Meldung zutage. Also, echter Journalismus geht anders.

Der wortgewaltige Ex-RTL-Chef Helmuth Thoma hat mal den unsterblichen Satz gesagt: "Das einzige, womit der Fernsehzuschauer interagieren will, das ist sein Kühlschrank." Diese Weisheit gilt nach wie vor - auch für die überragende Mehrheit der Internet-Nutzer. Die meisten sind einfach zu schüchtern, zu bequem und zu ängstlich, um sich selbst im Internet zu exponieren. Sie sind die klassischen Rezipienten von Nachrichten, nicht aber die Sender. Das ist auch gut so, schließlich haben die meisten Menschen Besseres zu tun, als den ganzen Tag über Messages an die Crowd zu brüten. Ihr Leben leben zum Beispiel.

Wir leben in Zeiten des Hypes, und mir macht dieser Hype ein wenig Angst, weil ich mich sehr gut daran erinnern kann, wie die DotCom-Blase geplatzt ist, damals vor knapp acht Jahren. Heute sind wir wieder so weit. Wir behandeln den Microblogging-Dienst Twitter wie eine Naturgewalt, nur weil das Teil Zuwachsraten hat wie im Fieber. Vielleicht habe ich ja nicht die richtigen Follower (rund 200 sind es, die jeden meiner Tweets auf ihren Schirm bekommen), aber in den Tweets, die ich so verfolge, geht es in 30 Prozent aller Fälle um Twitter und neue Twitter-Tools, und mindestens weitere 30 Prozent dienen der eigenen Profilierung in der Community: Schaut mal, was ich Tolles gemacht habe. Als ich neulich meine Follower mal um ihre Meinung über eine Zusammenarbeit zwischen Yahoo und Microsoft gebeten habe, kam exakt null Reaktion, nada. Interaktion? Fehlanzeige.

Also, die Herren SelbstdarstellerAlpha-Blogger haben jetzt erklärt, warum der Journalismus in Zukunft ganz anders laufen muss. Als Kontrapunkt setze ich mal den sehr intelligenten Aufsatz meines Freundes und Kollegen Jens Arne Männig: er erklärt, warum er kaum noch in Social Communities unterwegs ist.

   

Montag, 7. September 2009

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15 Tage noch, sagt die Website. dann geht sie los, die dmexco. dmexco, das steht nicht etwa für eine mexikanische Airline, die im Auftrag der CIA Drogen transportiert, sondern für Digital Marketing Exposition and Conference, die Leitmesse für Online-Marketing, die in diesem Jahr in Köln Premiere feiert. Zuerst hieß das gute Stück Dmex, dann wurde das "co" noch drangehängt, offiziell um das feine Kongressprogramm zu betonen. Böse Zungen behaupten: Der Männersender Dmax hatte was dagegen.

Die Website zur Dmexco macht mächtig Eindruck, coole Grafik, viele Mouse-Over-Effekte, tolles Online-Ticketing (Jedes Ticket trägt einen QR-Code, Schäuble hätte seine Freude dran).

Allerdings, der Teufel steckt im Detail: Zwar bietet die Seite die Möglichkeit, sich einen Messeplaner zusammenzustellen, um aus den 270 Ausstellern diejenigen herauszusuchen, die man besuchen will. Und es gibt auch ein Modul namens Matchmaking, das haben die Dmexco-Macher von der OMD 2009 geklaut übernommen. Un diese Funktionen zu nutzen muss man sich jedoch vorher einloggen.

Die Frage stellt sich bloß: Wo?

Ich habe keinen Login gefunden, meine Frau auch nicht. Wenn Ihr einen findet, lasst es mich wissen. Andererseits: Kann ja nicht so schwer sein, so einen Login-Button da irgendwo reinzufrickeln, und noch sind ja zwei Wochen Zeit;-)

Ach, übrigens: Das hier war der einhundertste Beitrag in diesem Blog. Ich danke für die Aufmerksamkeit

Freitag, 28. August 2009

Fahrt im Smart - diesmal hybrid und offen

Neulich habe ich hier ja schon einmal von meinen Erfahrungen mit dem Smart berichtet, den ich zwei Tage lang als Leihwagen durch die Gegend gescheucht habe. Heute ergab sich die Gelegenheit, einmal eine kleine Stadtrunde mit dem neusten Smart zu drehen, und zwar mit dem Smart Passion mhd Cabrio.

Was ist anders? Nun, erstens war das heute ein Cabrio, und zweitens hatte das Auto einen so genannten Micro Hybrid Drive. Alles andere ist eigentlich unverändert geblieben, wer meinen Fahrbericht vom Dezember 2008 nachlesen möchte, der klicke bitte hier.

Das Cabrio
Das Faltdach des Smart ist eine Mischung aus einem klassischen Faltschiebedach, wie man es zum Beispiel von alten Käfern kennt und einem richtigen Klappdach. Es wird elektrisch betätigt, und das geht auch während der Fahrt. Zunächst faltet sich das Dach auf Höhe der B-Säule zusammen, so dass man im Grunde den Effekt eines großen Schiebedachs hat. Drückt man den entsprechenden Knopf länger, klappt das Dach mitsamt der Heckscheibe um und faltet sich über dem Ablagefach Kofferraum zusammen. Zurück bleiben die Dachholme, die A- und B-Säule miteinander verbinden. Wer die auch loswerden möchte, muss anhalten. Dann lassen sich beide Dachholme mit wenigen Handgriffen herausnehmen und in einem maßgeschneiderten Fach in der Heckklappe verstauen, das dauert keine zwei Minuten. Diese Lösung ist erheblich besser als zum Beispiel beim Citroen C3 Pluriel, der ebenfalls abnehmbare Dachholme hat - aber keine Möglichkeit, diese im Auto zu verstauen. Wenn man die dann zuhause in der Garage lässt, dann darf unterwegs kein Gewitter kommen...

Verglichen mit einem richtigen Cabrio ist der Cabrio-Effekt allerdings eingeschränkt: Während man etwa in einem BMW 3er oder einem Mazda MX5 wirklich mit dem Kopf im Freien sitzt, ist einem beim Smart immer präsent, dass die hinteren Seitenscheiben, die B-Säule und natürlich das Dach selbst hinter einem hoch aufragen. Weiterer Nachteil des Smart Cabrio: Sowohl offen als auch geschlossen ist das Auto nach hinten ziemlich unübersichtlich. Immerhin: Beim Generationswechsel 2008 verpasste Smart dem Cabrio eine Heckscheibe aus beheizbarem Glas, vorher war sie aus Plastikfolie.

Während andere Cabrios oft offen besonders viel Stauraum bieten, ist es beim Smart umgekehrt: Das gefaltete Verdeck verhindert, dass man im Kofferraum Gepäck hoch stapeln kann. Aber zwei Kisten Bier passen immer rein - wer mit einem MX5 leben kann, kommt auch mit dem Platz im Smart klar. Keine Nachteile sind mir in Sachen Stabilität aufgefallen: Wie auch der Festdach-Smart macht das Cabrio einen soliden, gut verarbeiteten Eindruck. Klappt man das Verdeck zu, ist der Unterschied im Fahrgefühl zum Normal-Smart gering - nur das Glasdach fehlt dann natürlich.

Der "Hybridantrieb"
"Mein" Smart war mit einem 0,9-Liter-Dreizylinder-Benzinmotor mit 61 PS ausgestattet. Dazu kommt der Micro Hybrid Drive, abgekürzt mhd. "Hybridantrieb" ist dafür eigentlich eine irreführende Bezeichnung, der Motor verfügt über einen riemengetriebenen Generator, der gleichzeitig als Anlasser fungiert. Anders als andere Hybridautos kann der Smart mhd nicht elektrisch anfahren oder gar komplett elektrisch rollen. Dafür schaltet eine Elektronik den Benzinmotor aus, wenn er nicht gebraucht wird. Im Prospekt steht etwas von Geschwindigkeiten unter 8 km/h, das konnte ich in der Probefahrt nicht nachvollziehen. In der Praxis geht der Smart-Motor aus, sobald man zum Stillstand kommt, und zwar innerhalb von ein, zwei Sekunden. Nimmt man dann den Fuß von der Bremse, läuft der Motor wieder an, und zwar dank der mhd-Technik ganz sanft und ohne das ansonsten übliche Anlasserwimmern.

An die Start-Stopp-Automatik gewöhnt man sich schnell: Da die Automatik der meisten Autos im Stand normalerweise leicht "kriecht", steht der Automatik-Fahrer an Ampeln und an Einmündungen ohnehin immer auf der Bremse - dann ist beim Smart der Motor aus. Sobald man den Fuß von der Bremse hebt, ist der Motor wieder da, man steigt aufs Gas und fährt los. Die Verzögerung gegenüber einem bereits laufenden Motor beträgt vielleicht eine Sekunde, wenn es hoch kommt. Will man das nicht, kann man die Start-Stopp-Automatik auch abschalten. Apropos abschalten: Die mhd-Mimik arbeitet nur, wenn man auf der Bremse steht und die Schaltung im Automatikmodus ist. Wer zum Beispiel an einem Bahnübergang warten will, kommt nicht umhin, die Zündung auszuschalten, denn auch im Leerlauf springt der Motor sonst an, wenn man den Fuß von der Bremse nimmt - die Handbremse ändert daran auch nichts. Vielleicht ist die Batterie schuld an diesem Verhalten, denn alle elektrischen Verbraucher einschließlich Klimaanlage und Servolenkung bleiben komplett funktionstüchtig, wenn mhd den Motor zum Schweigen gebracht hat.

Smart verspricht im Stadtverkehr eine Spritersparnis von 20 Prozent - ob das in der Praxis auch hinhaut, konnte ich nicht überprüfen. Aber etwasd sparen tut mhd bestimmt, und ein Auto, das im Stillstand leise ist, ist auch was Feines. Davon abgesehen wirkte der 61-PS-Motor auf meiner Probefahrt nicht übermäßig spritzig, sondern eher etwas träge. Der Vorteil dieser Auslegung: Die verhältnismäßig sanften Schaltrucke und das angenehme Motorengeräusch täuchen darüber hinweg, dass hier eine vergleichsweise winzige Blechbüchse unterwegs ist. Wenn man allerdings Leistung braucht und das Gaspedal voll durchtritt, dauert es gefühlt recht lange, bis sich das Getriebe um einen niedrigeren Gang bemüht hat. Wer einmal ein Auto mit stufenlosem CVT-Getriebe gefahren hat (zum Beispiel den Fiat Punto Speedgear), fragt sich, warum Smart nicht endlich einmal ein solches Getriebe in seine Autos baut.

Der Preis
Der Smart Passion Cabrio mhd mit CD-Radio kostet rund 16.500 Euro. Das ist zwar ein Haufen Geld, aber dafür ist er eines der wenigen Autos in dieser Größe, in denen auch größere Menschen halbwegs sitzen können und das serienmäßig mit Automatikgetriebe geliefert wird. Andererseits: Für das Geld bekommt man zum Beispiel auch ein BMW 320i Cabrio mit Automatik, als Gebrauchtwagen von 2002, mit 25.000 km auf der Uhr...

Donnerstag, 27. August 2009

Nokia ist schuld

Heute bekam ich zweimal Anrufe von Simyo - offenbar hat der Telefonprovider nicht vor, die Sache mit dem nicht funktionierenden Internet-Zugang im Münchner Westen auf sich sitzen zu lassen (löblich). Der erste Anrufer erwischte mich im Büro und fragte nochmal ab, wo denn die Störungen genau aufgetreten seien. Er notierte sich meine Postleitzahl, erklärte mir, man habe meine Probleme mit "hoher Priorität" an E-Plus weitergeleitet, habe aber noch kein Feedback erhalten und werde mich sofort in Kenntnis setzen, wenn etwas vorliege.

Okay, das war jetzt - sagen wir mal so: Sehr nett, aber nicht unbedingt zielführend.

Nachmittags erreichte mich ein weiterer Anruf, dem ich leider nur begrenzt folgen konnte: Erstens erwischte mich der Mann in der Parkgarage eines Supermarktes, die zwar nicht unterirdisch lag, aber dennoch so viel Stahlbeton enthielt, dass die Funkverbindung nicht die beste war. Zweitens sprach der Mann ein ziemlich heftiges Bayerisch (die maue Sprachverbindung hat es nicht einfacher gemacht). Und drittens scheint der Mann auf einem Funkmast zu leben, seinen Kindern als Gutenachtgeschichten Fehlerprotokolle vorzulesen und mit seiner Frau nur in Cobol zu sprechen. Mit anderen Worten: Er hatte so richtig superschwer Ahnung von Mobilfunk-Netzinfrastruktur - und hat meine Ahnung da wohl ein bisschen überschätzt. Dumm, dass ich nicht mitgeschnitten habe, denn was der Funkwellen-Guru da erzählte, war hochinteressant.

Also, ich versuche mal eine Zusammenfassung (und bitte um Verzeihung, wenn einige Details nicht ganz akkurat sind):

Zunächst einmal war es wohl effektiv so, dass Simyo im Juli und August massive technische Probleme im Internet-Zugang hatte, offenbar lokal auf meine Gegend beschränkt. es mussten wohl Sendeanlagen gewartet werden, es gab Softwareprobleme, und dann dachte man, es sei jetzt alles wieder in Ordnung. Das Problem, wenn ich den Mann richtig verstanden habe: Die Funkzelle geht manchmal in eine Art Schlafmodus, dann kann man sie zwar erreichen, aber Signale werden nicht weitergeleitet. Das ist in der Praxis ziemlich blöd, denn das Handy zeigt vollen Empfang, dennoch passiert nichts. Solche "Sleeping Cell"-Probleme können offenbar auch dafür sorgen, dass Handys keine Anrufe empfangen, obwohl sie aufgeladen, eingeschaltet und empfangsbereit sind. Das, so meinte der Mann, dürfte nur ganz selten einmal vorkommen, eigentlich gar nicht, aber die Software von Nokia (offenbar sind die Sendeanlagen von Nokia) hätte halt so ihre Bugs. Dauernd kämen Updates, dann dächte man, es sei in Ordnung, naja.

Sehr interessant auch die Aussagen des Fachmanns zum Nebeneinander von UMTS und GPRS (also GSM) in einem Netzwerk. UMTS würde nur funktionieren, wenn die Signalqualität im Netz hoch genug sein - wohl gemerkt: Die Signalqualität, nicht die Signalstärke. Wenn das Handy über UMTS eine Verbindung aufbauen will und feststellt, dass die Signalqualität für UMTS nicht ausreicht, dann wird automatisch auf GPRS (oder häufig auf den GPRS-Standard Edge) umgeschaltet. Das Problem dabei: Dieses "Handover" dauert rund 20 Sekunden, innerhalb derer keine Datenübertragung möglich ist. "Hatten Sie schon mal Verbindungsabbrüche nach dem Wählen?" Ja, ich kann mich dran erinnern.

Wie geht es weiter? Der Simyo-Mann hat mir geraten, ich sollte mein Handy mal auf GPRS-Empfang umschalten, dann müsste es eigentlich ohne Probleme gehen. Und Edge sei für Handys eigentlich ja auch nicht schlecht. In einer Woche will er wieder anrufen, ich soll mal sehen, wie sich das in der Zeit entwickelt.

Und toll wäre es natürlich, wenn Nokia die Software für ihre Mobilfunk-Sendeanlagen mal auf die Reihe kriegen könnte. Mal sehen, ob ich das noch erlebe.

UPDATE: Gerade rief ein netter Mensch vom Simyo-Kundensupport an und sagte mir, sie hätten das Feedback von der technik bekommen, dass jetzt alle Probleme behoben seien. Ich solle bitte mein Handy einmal aus- und wieder anschalten, dann müsste wieder alles klappen. Na, das mache ich doch gerne!

Montag, 24. August 2009

Rein oder nicht rein?

Ja, es geht immer noch um mein Verhältnis zu Simyo. Nein, es ist immer noch nicht in Ordnung. Ich habe mir gerade die - durchaus interessanten - Aktivitäten angesehen, die Simyo im Web 2.0 am Laufen hat. Es gibt eine Gruppe in Facebook, Simyo unterhält offenbar mindestens zwei Blogs, und wenn man in seinem eigenen Blog was zu Simyo schreibt, dann wird das offenbar durchaus registriert. Toll, toll.
Nicht so toll ist, dass mein Handy mit meiner Simyo-Karte hier in München-Laim schon wieder nicht ins Internet geht. Eine Woche hat es jetzt funktioniert - und jetzt funktioniert es schon wieder nicht, obwohl mein Handy vollen Empfang und ein 3G-Netz signalisiert. Das parallel benutzte Handy mit einer Ja!Mobil-Karte (D1-Netz) kommt übrigens am selben Fleck, nämlich auf dem Balkon meiner Wohnung, ganz problemlos ins Netz. Warum dann nicht bei Ja!Mobil bleiben? Nun, erstens ist Ja!Mobil - vor allem in Sachen Internet - deutlich teurer als Simyo, man berechnet mir 39 ct. statt 24 ct. pro Megabyte. Dreist fand ich auch, dass man diese 39 ct. erst berechnet, wenn ich zuvor im Internet einen bestimmten Tarif angewählt haben, der keinerlei Nachteile gegenüber dem Normaltarif hat, nur dass er billiger ist. Warum wird dann ein solcher Tarif nicht von vorn herein eingestellt? Was mich bei Ja!Mobil außerdem stört, das ist die unflexible Art der Bezahlung. Bei Simyo kann ich (fast) bezahlen wie ich will: Prepaid, Postpaid, Abbuchung, Kreditkarte, automatische Aufladung, wenn mein Guthaben unter ein gewisses Niveau sinkt etc. Bei Ja!Mobil muss ich mir Bons zum Aufladen kaufen, und die gibt es nur bei bestimmten Supermärkten. Dazu kommt eine merkwürdige Sache: Die Sprachqualität mit Ja!Mobil erscheint mir deutlich schlechter als mit Simyo.
Außerdem will ich nicht dauernd allen möglichen Leuten eine neue Telefonnummer geben müssen.
Also habe ich meine Simyo-Karte wieder in mein Handy geschoben, alle Einstellungen wieder auf Simyo umgebogen - und ein paar Tage hat es auch gut funktioniert (hier bei mir zuhause. Woanders hat es eigentlich immer gut funktioniert). Jetzt funktioniert es nicht mehr - ich bin genervt.
Falls jemand von E-Plus das liest: Ihr habt im Münchner Westen ein Netz-Problem. Neulich war ich in Nymphenburg (in Sichtweite vom Schloss), und da hatte ich auch kaum Empfang.

27. 08. 2009: UPDATE 1: Vor einer halben Stunde rief ein netter Mensch vom Simyo-Service an, um mir mitzuteilen, dass Simyo mein Problem mit hoher Priorität an E-Plus weitergeleitet habe. Er notierte sich auch noch mal meine Postleitzahl, weil ich nach wie vor glaube, dass es sich um ein lokales Problem handelt. Wir haben ein bisschen über die Symptome geplaudert und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir beide nicht wissen, woran es denn genau liegt. Der Mann äußerte allerdings die Vermutung, die Störungen könnten auch damit zusammenhängen, dass E-Plus derzeit massiv seine Netz-Infrastruktur in Richtung höhere Datenraten ausbaue - vielleicht sei deshalb "mein" Einwahlknoten manchmal einfach überlastet - und dann gelte "Sprache vor Daten". Er versprach, mir ein Feedback zu geben, sobald er selbst eins habe.

27. 08. 2009: UPDATE 2: Seit gestern funktioniert das Internet via Simyo übrigens wieder. Mal schauen, ob das jetzt mal hält.

Stay tuned!

Mittwoch, 12. August 2009

Über das Erkalten einer Freundschaft

Ich schreibe diese Zeilen auf meinem Handy und werde sie gleich per UMTS ins Netz schicken. Noch vor ein paar Wochen hätte ich dafür meine Simyo-SIM benutzt, aber seit rund drei Wochen bekommme ich damit keinen vernünftigen Internet-Zugang hin. Simyo weiß von der Sache, aber es passiert nichts. Also habe ich mir gestern abend eine jamobil-Card gekauft und die Simyo-Karte ins Zweit-Handy gesteckt. Internet mit Jamobil ist zwar teurer als Simyo, aber funktoniert problemlos. Schade, ich wäre gern bei Simyo geblieben, aber ohne Internet am Handy bringt es das auch nicht. Wer mich kennt, weiß, wie er an meine neue Handynummer kommt.

Posted via email from frank kemper's posterous

Montag, 10. August 2009

Schutz vor Schmuddelfilmen

Aufgemerkt! Dieser freundliche junge Mann erklärt Euch, wie Ihr vermeidet, Euch auf Youtube Videos anschauen zu müssen, die Euch nicht gefallen.



(Der Sportskamerad spricht englisch, aber das macht die Sache nur noch schöner)

Samstag, 8. August 2009

Nieten an den entscheidenden Stellen

Am Mittwoch hatte ich eine Premiere, auf die ich gern verzichtet hätte: Ich hatte meinen ersten richtigen Motorradunfall. Am Ende einer Autobahnabfahrt (Wer die Ecke kennt: A96 in Richtung Lindau, Abfahrt Gräfelfing) macht die Straße einen weiten Bogen, um dann auf eine Hauptstraße zu treffen, an der es etwas unübersichtlich zugeht. Ich komme also dort angefahren, muss gleichzeitig in drei Richtungen schauen, sehe vor mir diese Frau in ihrem Golf Kombi, die nach rechts abbiegen will, denke noch, dass sie jetzt gleich abbiegt, und als ich das nächste Mal hinschaue, steht sie da immer noch. Also kräftig in die Bremse gegriffen - zu kräftig: Das Vorderrad rutscht weg, das Motorrad legt sich auf die Seite, ich falle rechts daneben. Das Motorrad rutscht ohne mich noch einen Meter und kracht mit der Verkleidung gegen den Stoßfänger des Golf.

Ich rapple mich sofort auf, bin ganz erstaunt, dass eigentlich nix wirklich weh tut. Die Frau steigt aus ihrem Auto, das Motorrad liegt mit laufendem Motor da, Flüssigkeiten laufen raus. So können wir das nicht lassen. Ich bringe mit dem Killschalter den Motor zum Stehen, ein anderer Motorradfahrer hilft mir, die Yamaha (230 kg) aufzurichten.

(An dieser Stelle kommen ein paar undruckbare Flüche).

Zufällig ist ein Krankenwagen der Johanniter vor Ort. Sie fragen mich, ob mir was fehlt: Mein rechtes Knie tut mir weh, aber nicht in der Qualität "Meniskus zerschmettert" oder "Sehne gerissen", sondern eher oberflächlich, als wäre ich ganz leicht mit dem nackten Knie gegen Beton gehauen. Ich muss also mit dem Knie auf die Straße geschlagen haben. Mit dem Ellenbogen auch, daran kann ich mich noch erinnern, obwohl der Sturz unglaublich schnell ging: Bremsen, zapp - Motorrad liegt und ich daneben. Ich schaue am rechten Ärmel meiner nagelneuen Motorrad-Lederjacke herunter: Nichts, allenfalls ein bisschen Staub. Und meine Hose? Ich habe eine spezielle Motorrad-Jeans an, die an den entscheidenden Stellen mit Kevlarfasern verstärkt ist und an den Knien und an der Hüfte Einsteck-Protektoren besitzt. Dennoch sieht sie wie eine normale, etwas legere Jeans aus, die man problemlos auch den ganzen Tag im Büro tragen kann, wenn man nicht gerade in einer Bank arbeitet. Ist sie in Fetzen? Keineswegs, sieht ganz manierlich aus.

Nochmal Glück gehabt. Die Johanniter wollen aber ihren Job machen, fragen, ob sie mich untersuchen dürfen. Ich sage, mir fehlt nix, aber wenigstens Blutdruck (hoch) und Puls (da) lasse ich messen. Nein, danke, ins Krankenhaus möchte ich nicht gefahren werden.

Danach das ganze Programm: Die Sanitäter haben die Polizei gerufen, die kommt und nimmt den Unfall auf ("Müssten wir eigentlich nicht machen, gab ja keinen Personenschaden"). Die Unfallgegnerin bleibt bei all dem sehr gelassen und ist wie ich froh darüber, dass die Flüssigkeiten auf der Straße von meinem Motorrad stammen und nicht von mir. Ein Bekannter von ihr kommt vorbei und nimmt ihren Sohn mit, der auf dem Rücksitz saß. Papierkram, die Polizei will Führerschein und Kfz-Schein sehen, die Unfallgegnerin hat ihren nicht dabei, egal. Schließlich kommt der ADAC-Abschleppwagen und lädt mein Motorrad auf. Ob es noch fährt, weiß ich nicht - und will es jetzt auch nicht gleich ausprobieren. Gemeinsam mit dem ADAC-Mann fahre ich in die wenig entfernt gelegene Werkstätte für 2-Radmechanik und stelle denen mein lädiertes Krad vor die Füße. Auftrag: Schauen, ob was Gröberes kaputt ist (Woher kamen die Flüssigkeiten?). Kosmetisch hat meine TDM leider ganz schön was abgekriegt. Vor allem die Verkleidung hat's erwischt. Auf der rechten Seite sieht man deutlich die Ecke, die vom Asphalt abgeschmirgelt wurde, auch einen Blinker hat's erwischt. Zum Glück hatte ich Koffer montiert - jetzt hat zwar der rechte Koffer noch ein paar Kratzer mehr, dafür konnte die Maschine nicht auf meinen Fuß fallen. Auf der linken Seite ist die Verkleidung mehrfach tief gebrochen - hier hat sie offenbar die Golf-Stoßstange geküsst.

Die neuralgischen Teile sehen dagegen noch sehr gut aus: Motor scheint unberührt, Spiegel sind dran, Griffe und Hebel auch - und jetzt, wo das Motorrad steht, läuft auch nichts mehr raus. Herr Klaaßen von der Werkstatt verspricht, sich um die Essentials zu kümmern, die Kosmetik kann ich später selbst machen. Einen Tag später kommt der erlösende Anruf: "Ihre Maschine ist fertig, da fehlt sich an sich nix." Die Gabel sei etwas verspannt gewesen, berichtet Herr Klaaßen, aber das sei nicht tragisch und bereits behoben. Ich könne sie jetzt abholen. "Wie fühlen Sie sich denn heute?" fragt der Meister zum Abschluss noch am Telefon, "Oft kommen die Beschwerden erst am Tag danach." In der Tat fühle ich mich, als hätte ich einen Tag auf dem Bau geschuftet oder es beim Gewichtheben übertrieben, vor allem meine Oberarme schmerzen. Offenbar habe ich mich beim Sturz instinktiv total verkrampft.

Am Freitag fahre ich nach der Arbeit mit dem Bus nach Pasing und hole meine TDM ab. Sie steht vor dem Tor der Werkstatt, wo ich sie am Morgen selbst abgestellt habe, denn natürlich hat die Werkstatt jetzt schon zu. Ich trage dieselbe Kleidung, die ich beim Unfall auch anhatte: Meine Protektoren-Lederjacke, die verstärkte Jeans, Motorrad-Sneaker mit verstärktem Knöchel- und Fußschutz, meinen Helm von Shoei und meine Handschuhe von Held, aus Känguruh-Leder mit Nieten am Handballen. Als ich die Handschuhe anziehen will, fallen mir die Nieten auf: Sie sind mit frischen, tiefen Kratzern übersät, eine Niete ist fast ganz rausgerissen. Offenbar bin ich mit ziemlicher Wucht mit meinen Händen auf der Straße gelandet und auf den Handballen über den Asphalt gerutscht. Habe ich Schmerzen in den Händen? Nix. Nada.

An dieser Stelle eine Bitte an alle Leser: Wenn Ihr Zweirad fahrt, egal ob Fahrrad, Mofa, Roller oder Motorrad: Zieht Euch Leder-Handschuhe an, die an den Handballen gepolstert sind. Wenn Ihr stürzt, werdet Ihr Euch garantiert instinktiv mit Euren Händen abstützten - und mit Euren Handballen auf der Straße landen. Und das tut weh, wenn man keinen Schutz hat. Ich glaube, dass ordentliche Handschuhe für die eigene Sicherheit fast noch wichtiger sind als ein Helm. Mein Integralhelm hat den ganzen Sturz übrigens komplett unbeschadet überstanden, er hatte zu keinem Zeitpunkt Bodenkontakt. Aber meine Held-Handschuhe (69 Euro), die haben dafür gesorgt, dass ich jetzt locker diesen Text tippen kann. Gerade jetzt im Sommer sehe ich viele Leute, die zum Beispiel auf dem Motorroller durch die Stadt flitzen und außer einem Helm so gut wie nichts anhaben. Leute, macht das nicht. Ein Paar Handschuhe kann man am Ziel immer noch problemlos in den Helm stecken. Die stören nicht, man schwitzt auch nicht besonders darin (wenn man die richtigen hat) - und zwei funktionierende Hände sind was Feines.

In Memoriam Willy Deville

Am 6. August 2009 starb in einem Krankenhaus in New York der Rock- und Bluesmusiker Willy Deville - im Alter von nur 55 Jahren. Einen Abriss über das Leben und Werk findet Ihr auf Wikipedia



Willy, wir werden Dich vermissen.

Dienstag, 4. August 2009

Simyo: Kein Internet im Münchner Westen...

…immer noch nichtL

Posted via email from frank kemper's posterous

Der aktuelle Stand der Simyo-Nicht-Performance

Was bisher geschah: Seit einiger Zeit (gefühlt: eine Woche) komme ich mit meinem Smartphone an meinem Wohnort im Münchner Westen nicht mehr ins Internet. Das Handy hat eine SIM-Karte von Simyo, ich bekomme einen sehr guten Empfang sowie eine 3G-Abdeckung (also UMTS) angezeigt. Interessanterweise funktioniert das Handy an anderen Plätzen (in der Münchner City, auf dem Land, sonstwo) perfekt wie es soll, nur in meiner Wohnung und der Umgebung funktioniert es nicht. Ich habe deshalb bereits zweimal per Web-Formular den Simyo-Support kontaktiert. Vergangenen Samstag fiel mir auf, dass ich auch keine SMS mehr verschicken kann, das Telefonieren funktionierte auch nicht mehr (weder anrufen noch angerufen werden). Ich habe daraufhin den Simyo-Support (0180 545 44 55, 14 ct. pro Minute) angerufen und ihnen das Problem mitgeteilt. Mir wurde ein Rückruf zugesagt, der nicht kam. Am Samstagnachmittag habe ich dann über Posterous einen Statusbericht abgesetzt, der gleichzeitig auf Facebook und Twitter erschien. Ich werde ab sofort die weitere Entwicklung auch hier dokumentieren. Schließlich soll man es ja irgendwann auch mal finden, wenn man Google benutzt.

Gestern hat mich Simyo angepingt und um Kontaktaufnahme gebeten. Geschehen. Nachmittags rief ein Mensch von Simyo bei mir an und eröffnete mir, dass "Simyo im Moment bundesweit
UMTS-Performanceprobleme hat" Er bat mich um Geduld und sagte mir eine Kulanz-Gutschrift über 5 Euro zu. Meinen dringenden Einwand, dass die Performanceprobleme keineswegs bundesweit seien, sondern sich ganz konkret rund um meinen Wohnort manifestierten, nahm er zur Kenntnis mit dem Hinweis, es könne durchaus sein, dass bundesweite Probleme
nicht überall gleichmäßig zu spüren seien. Mag sein - ich bin kein Mobilfunk-Elektroniker.

Gestern abend fuhr ich mit dem Auto von München Innenstadt nach München-Laim. Dabei rief ich mit dem Handy Google Maps auf und ließ die Fahrt mittracken. Auf Höhe der Friedenheimer Brücke riss der Internet-Kontakt ab. An der Laimer Unterführung war er dann wieder kurzfristig da. Länger habe ich es nicht ausprobiert. Abends kam dann die E-Mail, mir seien 5 Euro gutgeschrieben worden - ohne Anerkenntnis einer Rechtspflicht.

Heute morgen habe ich in meiner Wohnung mein Handy gesucht und nicht gefunden. Also vom Festnetz aus das Handy angerufen in der Hoffnung, dass es klingelt und ich so hören kann, wo es liegt. Handy klingelte aber nicht - die Mailbox ist sofort rangegangen. Kurz danach fand ich
das Handy in einer Jacke, angeschaltet, empfangsbereit, Feldstärke 3 Balken. Der Test-Anruf war nicht unter "Entgangene Anrufe" verzeichnet.

Auf gut deutsch: Heute morgen funktionierte in München Laim der Simyo-Telefonempfang nicht (SMS und Internet habe ich nicht ausprobiert). Später am Münchner Hauptbahnhof funktionierte wieder alles normal.

Ich habe soeben mein 1-GB-Internetpaket bei Simyo gekündigt. Solange die ihre Probleme an meinem Wohnort nicht in den Griff bekommen, will ich nicht dafür zahlen.

Stay Tuned!

Posted via email from frank kemper's posterous

Montag, 3. August 2009

Noch'n Blog?


Posterous.com gehört zu den neuen Web2.0-Anwendungen, bei denen man erst einmal ein Weilchen braucht, um zu begreifen, wofür das eigentlich gut sein soll. Also, fangen wir mal an: Posterous.com ist - wie Blogger.com, auf dem das Zonenblog basiert - eine Weblog-Software, die jedem Surfer ermöglicht, seine Texte, Bilder, Videos und Musikstücke ins Netz zu stellen, und zwar kostenlos. Und wenn Blooger.com schon einfach in der Bedienung ist - sogar ich habe es begriffen -, ist Posterous.com richtig einfach. Alles, was man braucht, ist eine E-Mail-Adresse von der aus man Mails verschicken kann.

Dann geht's los: Einfach eine E-Mail an post@posterous.com schicken, und schon wird ein neues Blog ezeugt, in dem der Text als Beitrag erscheint, komplett mit Kommentarfunktion, Abrufzähler und Buttons für die Übernahme in Facebook & Co. Doch Posterous kann mehr: Angehängte Bilder werden in einem Bildbetrachter angeordnet, mitgeschickte Videos automatisch in einen passenden Videoplayer eingefügt, für Word-Dokumente gibt es ein Leseprogramm. Hat man die Mail losgeschickt, kommt nach wenigen Sekunden die Antwort von Posterous: Eine E-Mail zeigt einen Link auf das neue Blog, man kann gepostete Beiräge editieren und löschen.

Bis hierhin noch alles klar? Dann weiter.

Wer sein Blog noch etwas besser machen will, der kann sich bei Posterous anmelden, seinem Blog einen gewünschten Titel und eine Unterzeile mit auf den Weg geben, ein eigenes Profil mit Bild anlegen etc. p.p. Das ist extrem einfach und fordert keinerlei HTML-Kenntnisse - die einzige Hürde könnte für manche Leute allenfalls sein, dass Posterous komplett auf englisch daherkommt.

Wer die Nachrichten auf Posterous schreiben und lesen darf, bestimmt derjenige, der sich einen Account zulegt. Er kann mehrere E-Mail-Adressen eintagen, so dass von all diesen Adressen Posterous-Posts geschickt weden. Und er kann das Blog durch ein Passwort schützen.

Oder er kann den Internet-Lautspecher einschalten.

Als echte Web2.0-Applikation ist Posterous natürlich bestens vernetzt mit allen möglichen anderen hippen Web2.0-Applikationen: Egal ob Facebook, ob Twitter, Digg oder Flickr, wenn man die entsprechenden Optionen wählt, dann wird jede Mail, die bei Posterous eingeht, gleich an die entsprechenden Plattformen weitergeleitet -etwa als kurze Schlgzeile mit Link auf Twitter und auf der Facebook-Pinnwand, die Bilder landen bei Flickr, die gesamte Mail hübsch aufbereitet im eigenen Blog. Mit einer einzigen E-Mail, etwa geschickt von einem Fotohandy aus, lässt sich also auf einen Schlag eine ganze Menge Alarm machen. Ich weiß noch nicht, ob ich das gut finde - zumindest nicht immer.

Und das Geschäftsmodell von Posterous? Im Moment gibt es noch keins. Irgendwann wollen die Posterous-Gründer kostenpflichtige Premium Services anbieten. Mal sehen, ob das reicht.

Übrigens:Meinen Posterous-Blog findet man hier.

Was will Microsoft mit Yahoo?

Aufgepasst! Steve Ballmer erklärt es Euch.

(Geht besser mit Kopfhörern als über den PC-Lautsprecher;-)

Mittwoch, 29. Juli 2009

Geh' nicht hin

Okay, jetzt bitte einmal Fremdschämen, bitte. "Was der Spielberg kann, das können wir auch", dachte sich die TV-Produktionsfirma Probono, an der der - eigentlich recht clevere - Friedrich Küppersbusch beteiligt ist. Sie tat sich mit der Polit-Website www.politik-digital.de zusammen - und klaute eine Idee, und zwar die der "don't-vote"-Spots, mit denen während des US-Wahlkampfes 2008 Nichtwähler aktiviert werden sollten. Während das US-Vorbild cool ist, ging der deutsche Abklatsch so richtig in die Hose:

(Ihr müsst jetzt ganz tapfer sein, ist wirklich nicht schön)



Wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass Detlef Buck nicht Steven Spielberg ist und Sarah Kuttner nicht Halle Berry - hier ist er. Aber das Problem ist größer: Im Gegensatz zum US-Vorbild, bei dem sich die Schauspielerelite des Landes im Studio traf, spielte hier auch der offizielle Nationalsprecher Jan Hofer mit - und sagte ohne jeden Anflug von Ironie: "Sie werden es nicht glauben, aber ich gehe nicht wählen."

Tja, Ironie kann halt nicht jeder. Und mit den Medien im Sommerloch ist nicht zu spaßen. Bei der Tagesschau ist man schon für geringere Vergehen gerüffelt worden als für einen vergeigten Polit-Spot. Deshalb musste jetzt eilig ein Sequel her, das irgendwie noch peinlicher geworden ist als der Erstling:



Hier mal die beiden US-Vorbilder, directed by Steven Spielberg, damit klar ist, wie man sowas machen kann - wenn man's kann.

1. Spot, der Nichtwähler dazu bringen soll, sich ins Wählerregister einzutragen

2. Spot, der die Leute dazu bringen sollte, auch wählen zu gehen

Wie konnte die deutsche Nummer bei dem Vorbild so dermaßen in die Hose gehen? Ich glaube, es liegt daran, dass die Situation in Deutschland nicht vergleichbar ist mit der in den USA. In den USA gibt es zwei große politische Blöcke, und der eine war bis 2008 an der Macht. Um die Republikaner abzulösen, wollte Hollywood gezielt Nichtwähler ansprechen, die eher demokratisch wählen würden.

In Deutschland ist die Situation ganz anders: Es gibt keine zwei nahezu gleich großen Lager, sondern eine ganze Reihe von Parteien. Die Große Koalition at die Menschen politikverdrossen gemacht - es fehlen echte Alternativen (nein, die SEDLinke ist keine Alternative). Wer kann mir schlüssig sagen, was sich in unserer Republik zum Besseren wenden würde, wenn der nächste Außenminister nicht mehr Steinmeier, sondern Westerwelle hieße oder - auch wenn das jetzt arg unwahrscheinlich klingen mag - wenn der nächste Kanzler Steinmeier und sein Außenminister Trittin hieße? Weshalb wählen, wenn einem keine der gebotenen Alternativen schmeckt?

Die Wahlbeteiligung in Deutschland ist stetig rückläufig. Welche Konsequenzen ziehen die Politiker daraus? Beleidigt man mit Videos wie den oben gezeigten nicht eigentlich die Intelligenz des Wahlvolkes?

Ich weiß noch nicht, ob ich wählen gehe. Denn ich wüsste im Moment wirklich nicht, wen man wählen könnte.

Dienstag, 14. Juli 2009

Update 2: Mobitel rettet den Tag

Es geht immer noch um das Thema "Mobil surfen im Ausland, ohne dabei zu verarmen". Zur Erinnerung: Ich sitze hier in Ost-Slowenien und habe mir für mein Notebook auf der Herfahrt in Österreich ein Yesss-Starterpaket gekauft, bestehend aus einem USB-UMTS-Modem von ZTT und einer SIM-Karte. Die hat zwar ein fettes Daten-Volumen drauf (2 GB), funktioniert aber nur in Felix Austria. Also musste eine slowenische SIM-Kart her, und zwar Prepaid, also ohne Vertrag. Nachdem ich mir mit der SIM-Karte von SiMobil ein böses Ei gelegt hatte (meine 15 Euro Gesprächsguthaben waren nach einer halben Stunde online flöten, weil die Wahnsinnigen über 5 Euro pro Megabyte berechnen), gelang mir jetzt der Erwerb einer Mobitel-SIM-Karte mit Prepaid-Abrechnung. Die Karte mit 5 Euro Gesprächsguthaben drauf kostet 17 Euro, weitere Guthabenbons gibt es in Tranchen zu 5 Euro. Nachdem ich die Karte in Ljubljana gekauft hatte, musste ich sie erst einmal ans Laufen bekommen - leichter gesagt als getan. Die gesamte Dokumentation der Karte ist auf slowenisch. Es gibt zwar auf Wunsch eine englische Broschüre, aber die enthält nur die AGB.
Nachdem ich den Chip in mein Handy geschoben und die PIN eingegeben hatte, der erste freudige Moment: Das Handy meldet ein HSDPA-Netz, also echtes DSL-Tempo. Danach der Dämpfer: Ich kann nicht telefonieren, keine SMS verschicken und mit dem Notebook surfen schon gar nicht. Den Trick verrät mir dann die freunldiche slowenische Empfangsdame im Hotel: Nach dem Einsetrzen des Chips ins Handy muss ich erst einmal die Nummer *123# wählen und anrufen, dann ist die Karte scharf, eine SMS kommt und bestätigt das Gesprächsguthaben von 5 Euro.
Danach gilt es, den Internet-Zugriff freizuschalten. Das geht, indem man eine SMS mit dem Text pp an den Empfänger 1918 schickt. Jetzt nur noch das UMTS-Modem für Mobitel einstellen (APN: internet Benutzer: mobitel Passwort: internet), dann kann man mit der Kombination am Pool surfen, und zwar mit bis zu 7,2 mbit/s im Download, also echt flott. Die Kosten für das Surfen halten sich auch noch im Rahmen: 54 ct. pro MB, also ein Zehntel des Wuchertarifs, den SiMobil aufruft. Umd: Im Gegensatz zu SiMobil bietet Mobitel ganz selbstverständlich HSDPA, Videotelefonie und andere Schmankerln, und das in erstaunlich guter Flächenabdeckung
Nachteile: Wenn man die Mobitel-Karte in einem UMTS-Modem betreibt, dann kann man das restliche Gesprächsguthaben nicht abrufen, dazu muss man die Karte immer in ein Telefon einsetzen und die *123# anrufen. Außerdem sollte man mit dem Aufladen des Gebührenkontos sparsam sein: Egal wieviel man auflädt (es gehen bis zu 500 Euro): Das Guthaben verfällt nach 90 Tagen. Zum Aufladen benötigt man ebenfalls ein Handy oder eine Internetverbindung - dann kann man mit gekauften Guthaben-Vouchers sogar fremde Karten aufladen. Und wer nicht so häufig in Slowenien ist, sollte sich bei jedem neuen Besuch nicht nur neue Guthaben-Vouchers kaufen, sondern auch gleich eine neue SIM-Karte, denn die wird 270 Tage nach dem letzten Aufladevorgang ungültig, die Nummer verfällt.
Ach, übrigens: Mobitel verkauft diese Karten nur in den firmeneigenen Mobicenters. Viele Läden, die Mobitel-Logos an der Tür haben, verkaufen wohl nur die Coupons zum Aufladen.

Sonntag, 12. Juli 2009

Update: Finger weg von SiMobil

Ooops, da habe ich mich vertan. Zwar kann man, wie hier beschrieben, mit einer SiMobil-Prepaidkarte in Slowenien wunderbar im Internet surfen. Aber es ist viel, viel zu teuer: Das Megabyte kostet nämlich über 5 Euro - und so waren meine 15 Euro Gesprächsguthaben bereits am zweiten Abend weg. Jetzt werde ich wohl doch noch versuchen, eine Mobitel-SIM-Karte zu bekommen - oder auf das mobile Surfen in Slowenien ganz verzichten.

Mittwoch, 8. Juli 2009

Online unterwegs - so geht's

Als ich vor sechs, sieben Jahren das erste Mal mit einem GPRS-tauglichen Smartphone herumspielte, nahm ich dafür meine private Vodafone-SIM-Karte - und bezahlte teuer dafür. Insgesamt etwas mehr als ein Megabyte an Daten übertrug ich bei den Versuchen, meine Mails drahtlos abzurufen und ein, zwei Websites mobil anzusurfen. Als im Monat drauf meine Vodafone-Rechnung kam, traf mich fast der Schlag: Über 30 Euro hatte mich der Spaß gekostet.
Seitdem ist viel passiert: Heute kostet zum Beispiel bei Simyo ein Megabyte 24 Cent, für 10 Euro im Monat gibt es gar ein ganzes Gigabyte. Andere Anbieter wie zum Beispiel Fonic machen ähnlich günstige Angebote, für die 30 Euro von einst würde ich heute einen Monat UMTS-Flatrate bekommen.

Die Lage ändert sich, wenn man außerhalb der deutschen Grenzen mobil surfen will. Wer etwa ein Smartphone mit Simyo-Karte hat, der tut gut daran, bei Fahrten ins europäische Ausland Traffic-Fallen wie etwa die automatische Aktualisierung des Wetterberichtes oder die selbsttätige Suche nach neuen Nachrichten in der E-Mailbox abzuschalten, denn auch bei einem Billiganbieter wie Simyo geht sowas mächtig ins Geld. Fast zwei Euro berechnet der E-Plus-Ableger für ein Megabyte, das im EU-Ausland übertragen wird. Surft man mit der Simyo-Karte im restlichen Ausland, also zum Beispiel in der Schweiz oder in Kroatien, zahlt man fast fünf Euro pro Megabyte. Die Wettbewerber sind in dieser Beziehung kaum günstiger.

Wer hin und wieder einmal im Ausland unterwegs ist und dort drahtlos online gehen will, sollte beizeiten vorbeugen.

Gerade noch bezahlbar: Vodafone Web Sessions

Besitzer einer Vodafone-Telefonkarte (ob Prepaid oder Vertrag) können sich eine Flatrate für ein paar Stunden oder einen Tag buchen. Im Inland kostet eine Web-Session für 24 Stunden (max. 1 GB) 4,95 Euro. Das ist optimal für Menschen, die normalerweise nie einen mobilen Webzugang brauchen, außer dann doch mal für die eine Messe... Bucht man eine Web Session im Ausland, dann kostet sie innerhalb der EU stolze 14,95 Euro pro Tag - und wird nach maximal 50 MB Datenvolumen wieder gekappt. Auch das kann sich lohnen, wenn es zum Beispiel darum geht, ein paar wichtige Bilder von eeinem wichtigen Termin im Ausland schnell in die Heimat zu senden. Aber für eine regelmäßige Anwendung ist das viel zu teuer.

Die Lösung: Lokale Prepaid-Karte

In vielen Ländern kann man inzwischen Prepaid-SIM-Karten kaufen, die das Surfen ins Netz entweder ermöglichen oder gleich nur speziell dafür ausgelegt sind. Allerdings - so sind meine Erfahrungen - sollte man schon vor seiner Reise in ein Land recht genau wissen, welche Anbieter und welche Tarifmodelle es gibt. Die Verkäufer vor Ort sind nämlich meistens weder willens noch in der Lage, spezielle Fragen zum Einsatz einer SIM-Karte zum Surfen zu beantworten. Ich habe das gerade in zwei Ländern ausprobiert, hier meine Erfahrungen:

Österreich: Billig surfen mit Yesss.

In den Filialen der Supermarktkette Hofer werden Internet-Starter-Kits des Anbieters Yesss auf Prepaid-Basis verkauft. Das einfachste Starter-Kit enthält eine SIM-Karte, die dazu passenden Geheimzahlen und ein Datenvolumen-Guthaben von 512 MB - das ist sehr ordentlich. Die Karte allein kostet 10 Euro, das Datenguthaben gilt ein Jahr ab Kauf. Jedes weitere Gigabyte kostet 20 Euro. Alternativ bietet Hofer das Internet-Starterpaket auch für 55 Euro im Bundle mit einem USB-Modem von ZTE an, in diesem Fall sind 2 GB Datenvolumen enthalten. Geht man davon aus, dass allein das zusätzliche Datenvolumen einen Wert von 15 Euro hat, kostet das Modem gerade noch schlanke 30 Euro - ein Knallerpreis.

Wer vorhat, mit seinem Notebook im Ausland mobil zu surfen, sollte deshalb in Österreich unbedingt beim Hofer vorbeischauen und ein solches Starter-Kit mit Modem abgreifen, denn das ZTE-Modem erfüllt zwei Vorauusetzungen für den internationalen Einsatz: Es ist nicht SIM-locked (es funktioniert also auch mit SIM-Karten anderer Anbieter) und die darauf enthaltene Software lässt sich leicht für andere Netze einstellen. Das Angebot richtet sich ausdrücklich an Österreicher, deshalb liefert Hofer die Sets auch nicht ins Ausland - außerdem funktioniert die Yesss-Karte nur in Österreich. Das ist in der Praxis kein Nachteil, denn die Roaming-Tarife anderer Anbieter sind so extrem hoch, dass das Guthaben der Prepaid-Karte schnell verpufft. Und weil man mit der Karte nur in Österreich surfen kann, ist es auch kein Problem, dort die Vouchers zum Wiederaufladen des Guthabens zu kaufen. Vorteil des Ganzen: Man bleibt komplett anonym, niemand erfasst die persönlichen Daten.

Slowenien: Ein Reinfall und ein Treffer

Für Österreichs Nachbarland habe ich keine solch günstigen Angebote gefunden, doch auch hier gibt es Prepaid-Karten für Handys. Marktführer Mobitel erklärt auf seiner Website, dass man eine Prepaid-Karte auch zum Surfen verwenden kann - der Mann im Mobitel-Laden von Celje bestreitet dies: Internet geht nur mit Vertrag. Seine Kollegin im Mobitel-Laden in Maribor will mir gar keine SIM-Karte verkaufen. Mehr Glück habe ich bei Mobitel-Konkurrent SiMobil, einer Vodafone-Beteiligung. Die normale SIM-Karte mit 5 Euro Guthaben kostet 11 Euro, zusätzliche Gesprächsguthaben-Pakete sind für 5, 10 und 20 Euro erhältlich. Das übertragene Datenvolumen wird in 10-kb-Schritten abgerechnet und kostet etwa 50 ct. pro Megabyte. Nicht billig, aber noch akzeptabel.

Interessanterweise verweigert die englischsprachige SiMobil-Website Informationen für den Einsatz als Internet-Surfkarte, die Zugangsdaten für das Modem muss ich mir im Netz zusammensuchen. Wenig komfortabel auch die Möglichkeit, das Guthaben aufzuladen. Man muss bei einer - immerhin gebührenfreien - Rufnummer anrufen und dort die Freischaltnummer des Guthaben-Vouchers eingeben. Erstes Problem: Das Modem kann nicht telefonieren, also Karte raus und in ein Handy stecken. Zweites Problem: Die Ansage kommt auf slowenisch. Deshalb der wichtige Tipp: Nach der Ansage die 2 für "englisch" drücken, dann versteht man es besser.

Im Gegensatz zur Yesss-Karte funktioniert die SiMobil-Karte auch im Ausland, doch das mag man sich nicht geben: Jedes Megabyte kostet 9,50 Euro! In Slowenien sind bislang nur die Ballungsräume um die großesn Städte mit UMTS abgedeckt, der Rest der Republik muss mit GPRS/EDGE leben. Immerhin, besser als nix.

Oft schwer zu finden: Die Anmeldedaten

Um mit einem Handy oder einem UMTS-Modem online gehen zu können, müssen zuvor die Anmeldeparameter eingestellt werden. Diese sind merkwürdigerweise oft nicht einfach herauszukriegen. Deshalb hier eine kleine Sammlung der Daten, die ich habe:


Einstellungsdaten für verschiedene SIM-Karten für das UMTS-Modem

Yess (Österreich):
APN: web.yesss.at
Authentifizierungsmodus: PAP
Alle weiteren Einstellungen können leer bleiben.


Simyo (Deutschland)

APN: internet.eplus.de
Startseite: http://mobil.simyo.de
IP-Adresse: dynamisch
Primärer DNS: 212.23.97.2Sekundärer DNS: 212.23.97.3
Benutzername: simyo
Passwort: simyo
Authentifizierungstyp: PAP

Simobil (Slowenien)
APN: internet.simobil.si
User: simobil
Passwort: internet
Authentifizierungstyp: PAP

Als Anwahlnummer benutzen alle UMTS-Modems dieselbe Nummer: *99#

Wer eigene Erfahrungen mit Prepaid-Karten im Ausland gemacht hat, der ist höflich aufgefordert, diesen Artikel entsprechend zu kommentieren.

Donnerstag, 2. Juli 2009

Jay Leno fährt elektrisch

Freunde alternativer Antriebe kennen es ja bereits: Das Zero-S, ein straßenzugelassenes Motorrad mit Elektroantrieb. In seiner Fernsehreihe "Jay Leno's Garage" stellt der US-Talkmaster und bekennende PS-Freak Jay Leno das Elektromopped im Detail vor, zusammen mit Neal Seiki, CTO von Zero.



Übrigens: Wer mehr über die Maschinen in Jay Leno's Garage erfahren will, sollte sich die Website zur Serie nicht entgehen lassen. Das Angebot reicht von europäischen Klassikern, zum Beispiel NSU Wankel Spider, Citroen SM oder Vincent Black Knight bis hin zu amerikanischen Muscle-Machines - zum Beispiel Boss Hoss oder Dodge Challenger R/T. Sehr empfehlenswert.

Zensursula wird Popstar

Das rockt! Der erste Smash-Hit über Zensursula, produziert von Oliver Kels und Rob Vegas, gesungen von Diana Leder. Sollte man mal auf dem nächsten CDU-Parteitag spielen, vielleicht klatschen sie mit.



(Sound zwingend erforderlich)

Sonntag, 28. Juni 2009

Do You Poken?

RFID-Chips (Radio Frequency Identification) haben - vor allem in Deutschland - ein Imageproblem: Sie erlauben den gläsernen Menschen/Kunden/Konsumenten. Dass man diese Technik auch sehr spaßig-kreativ einsetzen kann, zeigt der Poken. Ein Poken ist eine kleine Pastikfigur mit einer stilisierten, zum Gruß erhobenen Hand. Der Poken ist so klein, dass er problemlos in eine Streichholzschachtel passt - aber dafür ist er nicht gebaut: Man soll ihn gut sichtbar um den Hals tragen, zum Beispiel am Lanyard, jedem breiten Schlüsselband, ohne das man auf keiner Konferenz mehr auskommt, weil daran das Namensschild hängt.

Lernt man auf der Konferenz/der Party/dem Meeting/dem Barcamp jemanden kennen, der ebenfalls einen Poken um den Hals trägt, dann "pokt" man sich - man legt die beiden Poken Handfläche an Handfläche gegeneinander - und überträgt so die eigenen Kontaktdaten auf den Poken des anderen, während der eigene Poken die Daten des anderen empfängt. Das dauert nur ein, zwei Sekunden.
Daheim kann man seinen Poken auslesen - und hat die Kontaktdaten aller Menschen, mit denen man sich an dem Tag "gepokt" hat.

Wie geht das technisch?

Das bunte Teil des Poken ist reiner Schmuck, die Technik steckt im weißen Teil: Ein USB-Memorystick mit einem RFID-Chip. Nach dem Kauf des Poken (kostet etwa 15 Euro) muss man ihn aktivieren: Man zieht eine Sicherungslasche aus dem USB-Stecker und steckt den Poken am Notebook an. Anschließend ruft man die Website des Poken auf, nämlich http://www.doyoupoken.com/.

Dort legt man einen Account mit Passwort an und schreibt die Daten auf den Poken, die man anderen Menschen weitergeben möchte, die Handynummer etwa, die E-Mail-Adresse under die URL zu seinem Blog oder seiner Homepage. Auch ein Bild lässt sich speichern.

Diese Information verknüpft die Poken-Website mit der Seriennummer des RFID-Chips im Poken. Treffen sich nun zwei Poken-Besitzer und machen "give me five" mit ihren Poken, dann tauschen die beiden RFID-Chips ihre Seriennummern aus. 64 Seriennummern anderer Poken kann ein Poken speichern, dann muss man ihn entleeren. Wenn man nach der Party den Poken wieder an sein Notebook steckt, dann liest der Computer den Speicher des Poken aus und ordnet den gefundenen RFID-Seriennummern die passenden Profile zu. Fertig. Im Poken steckt außerdem eine Knopfzelle, die ihn mit Strom versorgt und angeblich sechs Monate hält.

Und, war das alles?

Nicht ganz. Die Poken-Erfinder setzen auf die Macht der Social Communities. Deshalb sind die Informationen, die man mit einem Poken überträgt, relativ spärlich - auf mancher Visitenkarte steht mehr drauf. Doch wer beispielsweise einen Account bei Xing oder bei Facebook hat, kann einen entsprechenden Tag setzen, das eigene, gut ausgefüllte Profil ist dann nur noch einen Mausklick entfernt. Außerdem lassen sich die übermittelten Daten auch als Vcard herunterladen und sind so in kürzester Zeit ins eigene Adressregister eingepflegt. Über Funktion und Fehlfunktion des Poken geben verschiedenfarbige Blinksignale Auskunft. Blinkt die Handfläche nach dem Poken grün, ist alles okay.

Der Ghost-Modus

Wer sich nicht sicher ist, ob er einem Fremden mit einem Poken um den Hals seine Kontaktdaten überlasen will, der kann einen Trick anwenden: Einfach zweimal auf den Knopf in der Handfläche des Poken drücken, und für die nächsten 30 Sekunden ist der Poken im "Ghost-Modus. Das bedeutet: Später am Computer bekommt man zwar die Daten des Fremden angezeigt, der sieht auf seinem Computer aber nur einen leeren Platzhalter. Erst wenn man beschließt, dass der Fremde ein Freund werden soll, und seine Daten freigibt, erscheinen sie auf dem Computer des anderen. Allerdings: Für Klemmis sind Pokens nix. Wer immer nur im Ghost Mode herumpokt, muss sich nicht wundern, wenn andere das auch tun - und dann kann man das mit dem Poken auch gleich sein lassen. Wesentlich praktischer am Ghost Mode finde ich die zweite Variante: Das Verwalten mehrerer Identitäten. Man kann seinen Poken so einstellen, dass man zum Beispiel eine berufliche und eine private Identität hat. Pokt man ohne Klicken, bekommt der Empfänger die beruflichen Kontaktdaten, nach einem Doppelklick auf den Knopf bekommt er die privaten Daten.
Mal ehrlich: Braucht man das?

Ganz ehrlich: Nein. Aber was braucht man schon wirklich, wenn wir ehrlich sind?
Ich hoffe jedenfalls, dass sich die Dinger durchsetzen und die lästigen Visitenkarten überflüssig machen.