Sonntag, 20. Juni 2010

Freitag, 18. Juni 2010

Zwar kein Sommer, aber immerhin Sommer-Musik

Okay, das Wetter hat derzeit, gelinde gesagt, nicht Weltniveau. Am Montag ist Sonnenwende, danach werden die Tage wieder kürzer. Wenn es der Sommer in diesem Jahr noch herausreißen soll, dann wird es aber Zeit.

Immerhin, einen Vorschlag für die definitive, ultimative Sommer-Musik hätte ich schon: La Brass Banda. Sehr genial.



Sound ist natürlich dringend erforderlich.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Wer ist eigentlich dieser Joachim Gauck?

Ich kann mich an keinen Bundespräsidenten seit Karl Carstens erinnern, der bei seiner Wahl im Volk so umstritten war wie Christian Wulff. Bei Carstens lagen die Gründe auf der Hand: Er war Mitglied in der NSDAP gewesen, außerdem bei der SA - es erschien damals für Viele in Deutschland undenkbar, einem Menschen mit einer solchen Nazi-Karriere das höchste Staatsamt zu geben. Allerdings erfüllte Carstens mehrere Voraussetzungen, die Wulff nicht erfüllt: Carstens war am Ende seiner (partei-) politischen Karriere angekommen, außerdem hatte er als Bundestagspräsident seine Eignung für das Ausfüllen überparteilicher politischer Ämter bewiesen. 

Als Carstens schließlich im Amt war, erfüllte er die in ihn gesetzten Erwartungen im besten Sinne - indem er im Wesentlichen gar nichts tat. Er ist nicht für seine aufrüttelnden Reden bekannt geworden, wie etwa ein Richard von Weizsäcker oder ein Roman Herzog. Er ist in Erinnerung geblieben, weil er die Republik durchwandert hatte. Kein schlimmer Fauxpas ist bekannt geworden - aber auch kein politischer Impuls ist hängen geblieben. 

Auch von Wulff werden wir wahrscheinlich im besten Falle erwarten können, dass er keinen Ärger macht. Aber erwartet ernsthaft jemand, dass Wulff als Bundespräsident dieses Land nach vorne bringt? Er ist ja schon als Ministerpräsident kaum durch herausragende politische Ideen aufgefallen. Er hat einfach so lange kandidiert, bis sich die Niedersachsen an ihn gewöhnt hatten und die SPD schließlich keinen echten Widersacher mehr im Köcher hatte - dann ist er Ministerpräsident geworden. Mit gerade einmal 50 Jahren ist Wulff auch nicht am Ende seiner politischen Karriere. Selbst wenn - was die politischen Begleitumstände verhindern mögen - Wulff zwei Amtszeiten als Bundespräsident hinter sich bringt, ist er immer noch erst 60 Jahre alt, zu jung, um von der politischen Bühne abzutreten. Dazu ist Wulff ein aktiver Landespolitiker und CDU-Präsidiumsmitglied - Überparteilichkeit ist da kaum zu erwarten. Es keimt der unangenehme Verdacht auf, dass Angela Merkel ihrer Partei mit der Kandidatur Wulffs eine Machtbasis sichern will, solange sie noch die Macht dazu hat. So, Frau Merkel, ist dieses Amt aber eigentlich nicht gemeint.   

Das Volk hat sich eine klare Meinung zu Christian Wulff gebildet: Das Magazin "Stern" zitierte eine Meinungsumfrage des Forsa-Institutes, wonach 32 Prozent der Bundesbürger Christian Wulff zum Bundespräsidenten wählen würden - das ist etwa soviel, wie die CDU im Moment bei Wahlen erreichen kann. Joachim Gauck, der Kandidat, den SPD und Grüne ins Spiel gebracht haben, erfüllt alle Kriterien, die ein guter, ein richtungsweisender Bundespräsident erfüllen muss. Er ist (obwohl der CDU zugetan) überparteilich und muss sich politisch niemandem mehr beweisen. Er ist für jeden aufrechten Demokraten ohne Probleme wählbar - und dass die Linke ihn nicht unterstützt, fällt eher auf die Linke zurück als auf Gauck.

Angela Merkel muss sich ernsthaft fragen, was sie eigentlich geritten hat, einen Parteisoldaten für das Amt vorzuschlagen, wenn sie doch gestandene Persönlichkeiten wie Gauck hätte fragen können.

Ich würde mich freuen, wenn Joachim Gauck unser nächster Bundespräsident würde. Auch Tschechien hatte die Größe, einen Dissidenten zum Staatspräsidenten zu machen.

Um zu sehen, wie dieser Joachim Gauck tickt, hier eine Rede, die er aus Anlass des 20. Jahrestages des Mauerfalls gehalten hat. Die Rede ist leider über eine Stunde lang, und die Synchronisation ist etwas aus dem Tritt. Dennoch: Man stelle sich mal vor, was Christian Wulff zu diesem Thema gesagt hätte. 


Montag, 14. Juni 2010

Warum ist eigentlich immer alles so scheiße? (Part two)

Wenn ich mich nicht gerade mit 18-jährigem Edelschrott rumplage, dann fahre ich gelegentlich auch mal ein Auto, das schon im 21. Jahrhundert gebaut wurde: Unseren kleinen Fiat Punto, Baujahr 2001. Das Auto hat meines Wissens vor ein paar Jahren in der ADAC-Pannenstatistik den letzten Platz gemacht, und meine Gefühle diesem Auto gegenüber sind höchst ambivalent. Wenn er läuft, dann ist der Kleine prima: Fährt sich leicht, hat genug Platz, ist schön wendig, braucht wenig Sprit. Wenn er mich allerdings im Stich lässt, dann fallen mir halt wieder die beiden Formulierungen ein, für die FIAT wirklich steht, nämlich "Fix It Again, Tony" und "Fehler in allen Teilen" Zum Glück bleibt er ja nicht so oft liegen.

Wobei - "nicht so oft" ist relativ. Wir haben den Wagen jetzt seit zwei Jahren, und in der Zeit war einmal die Batterie hin, einmal ist der Auspuff abgefallen (auf dem Mittleren Ring am Luise-Kisselbach-Platz, ganz linke Spur, Rush Hour, sehr geil), im Urlaub ging die Klimaanlage nicht, weil sie den Beifahrerfußraum mit Kondenswasser flutete - und jetzt  hat das Auto vorn links auf einmal übel das Poltern angefangen. Wer südeuropäische Autos fährt, der lernt, Klappern zu ignorieren, bis man es nicht mehr ignorieren kann, also ab zum Schrauber mit dem Ofen.

Der war ganz entspannt und meinte, da sei vermutlich die Koppelstange hin, oder eine Feder gebrochen, beides keine großen Sachen, das würde schon mal passieren. Hinten links war die Schlussleuchte durchgebrannt, ich bat ihn, die auch noch zu wechseln. Klar, macht er.

Heute abend haben wir den Wagen abgeholt, es war die Feder.

Die Schlussleuchte hatte er vergessen, also habe ich mir in der Tanke selbst eine Birne gekauft, kann ja nicht so schwer sein.

Ist aber doch schwer. Der Fiat Punto hatte als einer der ersten Kleinwagen Heckleuchten, die über die gesamte Wagenhöhe gehen, also bis in die Dachholme. Diese Lampeneinheiten sind innen mit vier Schrauben verschraubt und mit zwei Schrauben am Auto befestigt. Um an diese Schrauben heranzukommen, muss man zwei Öffnungen in der Innenverkleidung öffen und mit einem Spezialwerkzeug (eine Knarre mit einer 17er Nuss tut's auch) die entsprechenden Muttern abschrauben. Dabei bloß nix falsch machen, sonst verschwinden die Muttern auf Nimnmerwiedersehen im Heck des Autos und bringen einen für den Rest aller Tage durch intensives Geklapper um den letzten Nerv.

Das wäre jetzt alles nicht so schwierig, wenn nicht die Erstbesitzerin dieses Wagens die gute Idee gehabt hätte, ab Werk das Soundpaket inklusive Subwoofer zu bestellen. Und dieser Subwoofer sitzt - genau, im Kofferraum, und zwar auf der Seite. Und er verdeckt das Loch in der Verkleidung, durc das man muss, wenn man die Heckleuchte abschrauben will, weil eine Glühbirne durchgebrannt ist.  Das wäre jetzt noch nicht wirklich ein Drama, denn schließlich kann man doch auch den Subwoofer abschrauben. Nicht wirklich: Eine Befestigungsschraube ist zu sehen, die zweite nicht. Immerhin lässt sich der Subwoofer nach Entfernen der einen, sichtbaren Schraube soweit zu Seite drücken, dass man an die Mutter für die Heckleuchte herankommt. Also, zumindest, wenn man Luigi heißt, Geigenbauer ist und entsprechende Fingerchen hat. Wenn man Frank heißt und etwas solider gebaut ist, wird es unwürdiges Gefrickel. Immerhin, nach rund 45 Minuten war die Birne gewechselt und wieder alles an seinem Platz. Und ich hatte gar keine blutigen Finger. Die hole ich mir nämlich immer nur, wenn vorne eine Lampe durchbrennt.

Wer konstruiert solchen Scheiß?

UPDATE: Der Fiat hat eine Warnlampe, die aufleuchtet, wenn eine Glühbirne der Beleuchtung durchgebrannt ist. Löblich, sollte jeder haben. Aber: Obwohl ich die kaputte Schlussleuchte jetzt ausgewechselt habe, geht die Warnlampe immer noch an. Hmpf.

   

Warum ist eigentlich immer alles so scheiße? (Part one)


Wenn man (wie ich) ein Kraftrad sein Eigen nennt, das inzwischen stolze 18 Jahre alt ist, dann ist es im Sinne einer soliden Haushaltsführung höchst angebracht, anstehende Reparaturen und Wartungsarbeiten möglichst selbst zu machen und nicht wegen jedem Killefitt gleich zur Werkstatt zu rennen. Man kann dazu ja die Zeiten nutzen, wenn das Wetter schlecht ist, und außerdem macht es ja auch Spaß.

Das ist natürlich Bullshit. Denn ich habe keine Werkstatt oder Garage, in der ich schrauben kann, ich schraube an meinem Motorrad unter freiem Himmel. Und wenn es zu sehr regnet, um Motorrad zu fahren, dann ist es auch höchst unangenehm, im Regen auf dem Bürgersteig am glitschigen Mopped herumzuschrauben. Und: Mir macht Schrauben auch keinen besonderen Spaß. Ich muss mich dabei immer sehr anstrengen, schwitze wie verrückt - und der Erfolg meiner Aktivitäten ist keineswegs gewiss.

Manchmal muss es aber irgendwie sein. So hat mein altes Schätzchen mehr oder weniger seit dem Kauf vor fast vier Jahren eine ziemlich gammelige Auspuffanlage (das Bild oben, entstanden im Frühling 2009, soll einen Eindruck vermitteln). Sie tut zwar noch ihren Dienst, ist aber mittlerweile arg rostig. Ich hatte mir von einem netten Menschen im TDM-Forum schon vor Monaten eine neuere, verchromte Auspuffanlage gekauft, die lag im Keller und wartete auf ihren Einsatz. Neulich hatte ich meine Maschine in der Inspektion (Öl wechseln, Bremsleitung vorn tauschen, Bremsflüssigkeit wechseln - nichts für einen glitschigen Bürgersteig), danach klang sie irgendwie anders. Ich fuhr damit rund 70 km zum TDM-Stammtisch - und kam auf dem Rückweg in einen Regen. Danach fing sie das Fehlzünden an, und zwar immer im Schiebebetrieb. Es knallte ganz allerliebst, so als wenn mir der Hobel jederzeit um die Ohren fliegen könnte. Wohlmeinende Menschen im TDM-Forum mutmaßten, der Auspuff könne undicht sein. 

Gute Gelegenheit, dachte ich mir: Du wolltest doch ohnehin den neuen Auspuff dranschrauben. Die Auspuffanlage meiner Yamaha besteht, grob gesagt, aus zwei Abschnitten. Vorne an den Zylindern beginnt der zweiflutige Auspuffkrümmer, er geht unter dem Motor in einen Vorschalldämpfer über, den so genannten Sammler, und von dem gehen dann die zwei Endschalldämpfer ab, die links und rechts am Hinterrad sitzen. Um an den Auspuff heranzukommen, musste ich erst einmal den Hauptständer abschrauben, was recht schnell geht, wenn man daran gedacht hat, sich vorher ein Zugwerkzeug zu besorgen, mit dem man die unter berserkerhaftem Zug stehenden Rückholfedern abheben kann. Ich erinnerte mich noch an die blutigen Schwielen, die ich mir bei der Montage des Ständers ohne dieses Teil geholt hatte - und besorgte mir eins. Nach fünf Minuten lag der Hauptständer neben dem Motorrad.

Nach weiteren zehn Minuten waren alle Schrauben der Auspuffanlage ab - und sie bewegte sich immer noch keinen Millimeter. An der neuen Anlage, die neben dem Motorrad lag, sah ich dann die Halteschraube, die ich vergessen hatte. Allerdings schraubte ich statt ihrer eine ganz ähnliche Schaube ab, die jedoch den hinteren Motor im Rahmen halten sollte. Nachdem ich dann noch die Ritzelabdeckung an der Kette abgeschraubt hatte, kam ich an die richtige Aupuffschraube ran - und schon ließ sich der mit rund acht Kilogramm ziemlich schwere Auspuff vom Motorrad entfernen. Die Verbindung zwischen Sammler und Krümmer machte keine Probleme, denn es fehlte hier ohnehin schon eine Schelle, die Dichtung war komplett zerbröselt und die ganze Anlage an dieser Stelle arg rostig.

Nicht nur die Auspuffanlage, auch der Krümmer. Der hatte nämlich ein ordentliches Loch - kein Wunder, dass die Maschine komisch klang und knallte. 

Nun ist das Entfernen eines Krümmers vom Motor nur theoretisch einfach. Theoretisch kommen aus dem Motorgehäude pro Zylinder zwei Gewindebolzen heraus, auf denen zwei Schrauben sitzen, die je eine Muffe festhalten. Diese Muffe wiederum drückt den Auspuffkrümmer so gegen eine Kupferdichtung, dass Krümmer und Zylinder hermetisch miteinander abschließen.

In der Praxis ist das eine unheimlich heiße Stelle, 600 Grad sind da leicht mal drin. Außerdem sitzt sie voll im Fahrtwind und bekommt Dreck, Streusalz und Schmodder mit. An meiner 18 Jahre alten Maschine dürften die entsprechenden Schrauben das letzte Mal vor etwa 18 Jahren bewegt worden sein.

Wie kriegt man so was auf? Und zwar so, dass nicht die Gewindebolzen beschädigt werden, denn dann kann man den Motor gleich zum Instandsetzer bringen. Also habe ich die ganze Geschichte erst einmal zwei Tage lang mit WD40 Kriechöl eingeweicht und mir währenddessen von einem Kollegen aus dem TDM-Forum einen neuen (gebrauchten) Krümmer gekauft. Ein anderer Kollege war gar so nett und steckte mir die zwei Originaldichtungen dazu in einen Briefumschlag. Wirklich toll.

Am vergangenen Freitag habe ich dann meinen guten Ratschenkasten genommen, die passende Inbus-Nuss auf die große Ratsche gesetzt und die vier vom WD40 eingeweichten Schrauben abgeschraubt. Und - was soll ich sagen: Sie gingen sauber ab.

Danach ging nichts mehr ab.

Der Krümmer sitzt auch ohne Schrauben bomebenfest wie einbetoniert am Motor. Hauen mit dem Hammer, abhebeln etc. haben nichts gebracht. Man könne den Motor warm laufen lassen, riet ein Forumskollege, das könne vielleicht etwas lockern. Aber ohne Auspuff ist mein Motorrad etwa so laut wie die Trompeten von Jericho, es klingt allerdings nicht so lieblich. 

Heute früh habe ich aufgegeben. Am Mittwoch kommt jemand, lädt das Motorrad auf und bringt es in eine Werkstatt. Sollen die doch den Krümmer ab- und den neuen Krümmer wieder drauf tun.

Das hätte ich auch ohne Gewürge haben können. 

Update: Heute habe ich die Maschine von der Werkstatt zurückbekommen. Sie haben VIER Stunden gebraucht, um den Krümmer vom Motor zu bekommen, und alles wieder schön säuberlich zu montieren. Ich rechne jetzt mal eine halbe Stunde für das Ranschrauben der Teile und eine weitere halbe Stunde, weil sie sich wirklich Mühe gegeben und alle möglichen Teile entrostet und abgeschmiert haben. Bleiben DREI Stunden, um den Scheiß-Krümmer abzubekommen. Ich hatte ihnen ausdrücklich gesagt, dass der Krümmer ohnehin Schrott ist und dass der die Aktion nicht überleben muss. Hat er auch nicht. Ich habe mir die Trümmer angesehen - muss ein furchtbares Gemetzel gewesen sein.

Der Krümmer hat verloren. Aber er hat sein kleines, mieses Leben teuer verkauft. 

Mittwoch, 2. Juni 2010

Braucht man ein iPad?

Matthias Döpfner sagt bisweilen merkwürdige Dinge. Neulich sagte der Vorstands-vorsitzende der Axel Springer AG in einer US-Talkshow, dass sich jeder Verleger zweimal am Tag hinsetzen und Steve Jobs aus vollem Herzen dafür danken solle, "dass er die Verlagsbranche gerettet hat".

Gerettet hat der Chef von Apple - so sieht es zumindest Döpfner - dadurch, dass er der Welt das iPad brachte, einen etwa DIN A4 großen Tablettcomputer. Auf dem, so stellt sich das Döpfner zumindest vor, sollen die Menschen in Zukunft etwas tun, was sie bislang zum Beispiel auf dem Amazon Kindle nicht in nennenswertem Ausmaß tun: Zeitungen lesen. Deutsche Zeitungen. Die sie zuvor gegen Geld aus dem Internet heruntergeladen haben.

Damit will Döpfner einen großen Teil der Einnahmen wieder holen, die den Zeitungen in den letzten Jahren durch Auflagen- und Anzeigenschwund verloren gegangen sind. Nun muss vermutlich schon mehr passieren, als dass eine Computerfirma aus Kalifornien einen neuen Kleincomputer auf den Markt bringt, bevor ich anfange, für Geld die "Bild"-Zeitung auf einem Computer zu lesen, zumal das Core Asset einer jeden Bild-Zeitung, nämlich das barbusige Mädchen auf dem Titel, auf Apple Geräten nur mit weggeblitzten Brustwarzen erscheinen muss, aber dazu später.

Ich arbeite ja in einem Verlag, der nicht nur Neue Mediengesellschaft heißt, sondern sich seit 30 Jahren um Neue Medien kümmert. Deshalb ist es für Redakteure dieses Verlages sozusagen erste Bürgerpflicht, bei neuen Medien immer ganz vorn mit dabei zu sein. Dabei setzt der Verlag - das ist nicht nur üblich, sondern auch sinnvoll - durchaus auf die Eigeninitiative seiner Mitarbeiter. Mein erstes GPRS-Smartphone hatte ich 2001 in der Tasche, geliehen von einem Hersteller, um herauszufinden, was das so kann. Wir probieren viel aus in dem Haus - und machen dann nicht alles weiter, weil nicht alles einen Sinn ergibt.

Jetzt gab es aber ein Dilemma: Viele Medien-Auguren sind sich ganz sicher, dass das iPad von Apple unsere Medienwelt verändern wird. Also sollten wir von der Neuen Mediengesellschaft möglichst bald bescheid wissen, was es kann. Anders als andere Hersteller leiht Apple aber keine Testgeräte her, zumindest nicht an Hinz, Kunz und Fachjournalist mit einem Popularitätsgrad unterhalb von Michael Arrington. Deshalb beschritt mein schwäbisches Verlagshaus einen ungewöhnlichen Weg, es schickte einen Mitarbeiter los, um sechs iPads zu kaufen, die dann im Verlag an die Abteilungen verteilt wurden. Und auch beim Kauf sparte das Haus nicht am falschen Ende: Es wurden Geräte mit UMTS-Schnittstelle und 64 GB Speicherplatz bestellt.

Gestern habe ich eins davon mal mit nach Hause genommen.

Auspacken

Das iPad wird mit einem USB-Kabel und einem USB-Ladegerät geliefert. Sonst ist kein Zubehör dabei. Das Auspacken geht deshalb schnell. In "meinem" iPad steckte bereits eine UMTS-SIM-Karte (wobei iPad und das neueste iPhone spezielle, kleinere Karten benutzen. Sie sind aber technisch baugleich mit den alten SIMs), die Karte war aber noch nicht freigeschaltet - vornehmlich aus Kostengründen, hörte ich.

Einschalten

Das iPad hat - wie auch das iPhone - nur ganz wenige Tasten: Einen Wippschalter für die Lautstärke, einen Hauptschalter, einen Knopf am Rand des Displays und noch einen Schalter, um die anderen Schalter zu sperren. Ein Druck auf den Hauptschalter erweckt das Gerät zum Leben, dann muss es noch durch einen Wisch über das Display entsperrt werden. Ein iPad ist also - anders als zum Beispiel ein Laptop - spätestens drei Sekunden nach dem Einschalten einsatzbereit. Es muss nicht hochgefahren werden. Es wird an- und ausgeschaltet wie ein Taschenrechner. Fein.

Ansehen

Auf dem Startbildschirm sieht man Symbole für verschiedene Anwendungen, so genannte Apps. Es gibt eine App für den Kalender, eine für das Fotoalbum, eine für Youtube, eine für Musik, für E-Mails, für den Webbrowser, für die iPad-Version des "Spiegel" oder der "Welt". Von diesen Apps gibt es mittlerweile über 300.000, hörte ich, bei Auslieferung des Gerätes wird das wichtigste Dutzend mitgeliefert. Ein Fingertipp auf eins dieser Bildschirmsymbole startet die App, ein Druck auf die Mehrzwecktaste am Bildschirmrand führt wieder zurück zum Startbildschirm. Die Bedienung ist wirklich sehr einfach - das macht auch einen großen Teil des Charmes dieses Gerätes aus.

Anfassen

Wenn es erforderlich ist, blendet das iPad eine Tastatur ein, man tippt dann Text und Zahlen auf dem Bildschirm ein. Wenn man Komfort und Treffsicherheit dieser Tastatur auf einer Skala zwischen einer T9-Handytastatur und einem DIN-Keyboard eines PCs bewerten will, dann liegt sie so irgendwo in der Mitte. Das Tippen größerer Textmengen - womöglich auch noch blind und im 10-Finger-System - ist damit ziemlich ätzend, aber um einen Suchbegriff einzugeben oder mal eine kurze E-Mail oder einen Twitter-Tweet zu schreiben, geht sie ganz manierlich. Dummerweise zeigt die Tastatur nicht - wie viele andere Bildschirmtastaturen - an, ob gerade ein großer oder kleiner Buchstabe geschrieben wird. Shift-Lock gibt es nicht, das Schreiben eines Wortes wie BMW wird also erstaunlich mühsam. Will man einen Umlaut schreiben, dann muss man einfach den Finger einen Moment auf der Taste des Grundbuchstabens lassen und bekommt dann Optionen angezeigt. Wer breits ein iPhone oder ein vergleichbares Smartphone (zum Beispiel HTC Touch Pro oder Google Nexus 1) hat, der kennt viele der Tricks dieser Soft-Tastaturen schon und freut sich über die großen Tastenflächen des iPad. Allerdings: In der Regel schreibt man dann einfach mit einem Finger.

Das iPad ist mit über 300 Gramm überraschend schwer, dafür, dass es so flach ist. Es fühlt sich solide und wertig an, wozu auch die Display-Oberfläche beiträgt, die aus Glas gefertigt ist und nicht auf Druck, sondern auf Berührung reagiert. Das iPad hat einen Lagesensor eingebaut, es reagiert darauf, ob man es hochkant oder quer hält - und dreht den Bildschirm entsprechend. Alles läuft schnell und flüssig ab. Das iPod ist ein richtiges kleines Schmuckstück.

Nach den ersten paar Minuten ist es allerdings ein versautes Schmuckstück, denn die Finger hinterlassen auf dem hochauflösenden Display Schmierflecken. Ja, auch dann, wenn man sich die Finger gewaschen hat.

Surfen

Eine der Tätigkeiten, für die das iPad prädestiniert ist, ist das Surfen im Internet. Dafür ist der Safari-Browser an Bord, allerdings in einer abgespeckten Version für iPads. Außerdem verfügen alle iPads über eine eingebaute WLAN-Schnittstelle. Wer die Zugangsdaten seines WLAN kennt und eingibt, ist nach einer Minute online. Surfen mit dem iPad hat Charme: Alles geht sehr leicht, wenn man in irgendein Feld Text eingeben muss, blendet automatisch die Tastatur ein, die Webseiten werden so angezeigt, wie sie erscheinen sollen. Allerdings vermissen engagierte Websurfer schnell viele Techniken, wie sie bei anderen Internet-Computert heute Standard sind. So unterstützt das iPad kein Flash, deshalb laufen viele Animationen oder Videos nicht. Auch bei dem Versuch, auf Last.fm oder b5aktuell.de Webradio zu hören, bin ich gescheitert. Es ist auch höchst ungewöhnlich, dass der Safari-Browser weder eine Startseite, noch Tabbed Browsing oder Bookmarks kennt. Wer ein Bookmark anlegen will, bekommt statt dessen für jede angelegte Seite einen weiteren Button auf den Startbildschirm. Das kann dann bald sehr voll und unübersichtlich werden.

Gemessen an dem Funktionsumfang, den ein Browser auf einem Netbook der 250-Euro-Klasse bietet, ist der Safari auf dem iPad lausig - aber Apple möchte ja auch, dass wir Apps nutzen statt des universellen Browsers.

Doch je länger man mit dem iPad arbeitet, desto häufiger fallen einem Funktionsbeschränkungen auf, die man von anderen Computern gar nicht mehr gewöhnt ist. Das Markieren und Kopieren eines Textes ist zum Beispiel zwischen Applikationen häufig nicht möglich - bei Windows ist das bereits seit 15 Jahren Standard. Man kann auch nicht mehrere Anwendungen gleichzeitig laufen lassen. Wer etwa auf einer Website eine Adresse gefunden hat und sie auf Google Maps nachschlagen möchte, der muss erst den Browser verlassen und dann im Kartenprogramm die gemerkte Adresse eintippen. Was dem unerfahrenen Computerbenutzer hilft, das nervt den, der sich bereits an Hilfestellungen wie Multitasking, Copy & Paste oder Drag & Drop gewöhnt hat.

Bilder und Musik

Wer keinen PC oder Apple-Computer und keinen iTunes-Account hat, der bekommt so ohne weiteres weder seine Fotos noch seine Musik auf das iPad. Wer also seiner alten Mutter ein iPad kaufen will, weil sie keinen PC hat, der sollte das wissen.

Zeitung lesen - auf dem Balkon

Das iPad läuft mit einer Akkuladung angeblich bis zu zehn Stunden. Nach meinen ersten Eindrücken könnte das hinkommen. Insofern eignet sich das Gerät tatsächlich ganz gut, um darauf in aller Ruhe zu lesen, auch wenn es auf die Dauer zu schwer ist, um es die ganze Zeit in der Hand zu halten. Durch einfaches Auseinanderziehen des Bildes mit zwei Fingern lässt sich die Größe ändern. Viele Zeitungs-Apps bieten auch unterschiedliche Buchstabengrößen an. Dennoch: Eine Zeitung ist insgesamt praktischer als ein iPad. Und sobald man seine Wohnung verlässt, hat das iPad sowieso verloren. In der Sonne spiegelt das Display wie ein Rasierspiegel, und es ist auf die Dauer zu dunkel. Außerdem ist ein iPad natürlich weder wasserfest, noch sollte man es hinfallen lassen - und zum Reservieren einer Liege am Hotelpool taugt eine Zeitung auch besser. Herr Döpfner mag zwar mehr von Zeitungen verstehen als ich, aber ob das iPad wirklich die gesamte Medienlandschaft verändern wird, das werden wir dann noch sehen. Ich glaube noch nicht so recht daran.

Zu den Kosten

Apple bietet das iPad mit drei Speichergrößen und als Version mit und ohne UMTS an. Die billigste Version hat 16 GB Speicherplatz und kein UMTS, sie kostet 499 Euro. Die teuerste Version hat 64 GB Speicherplatz und UMTS, sie kommt auf fast das Doppelte, nämlich 899 Euro. Dazu kommen dann noch Kosten für den UMTS-Datenvertrag, sie rangieren zwischen 15 und 35 Euro im Monat, je nachdem, wieviele Daten man per UMTS überträgt. Dazu kommen noch die Kosten für kostenpflichtige Apps, ein Spiel hier, eine Fachzeitschrift da, ein Gadget dort. Wenn man die Möglichkeiten des Gerätes ausloten will, aber kein allzu großer Freak ist, sollte man sich vielleicht mal 100 Euro für die erste Sturm- und Drang-Zeit einkalkulieren.

Damit folgt das iPad der Apple-Tradition, innerhalb des Wettbewerbsumfeldes doch ziemlich teuer zu sein. Also, 500 bis 900 Euro knalle ich nicht einfach mal so für einen Computer raus, der nicht Fisch und nicht Fleisch ist. Andererseits: Wer auf einer schönen Designer-Couch sitzt und in einen sündenteuren Flachschirm-Fernseher von Loewe blickt, der sucht vielleicht nach einem kleinen Handschmeichler, mit dem er zwischendurch mal eben etwas im Internet nachsehen oder seine Mails checken will. Und dafür ist das iPad wirklich keine schlechte Lösung. Ob es dafür das große UMTS-Modell sein muss? Ich weiß nicht, die meisten von uns haben doch ohnehin WLAN im Haus.