Mittwoch, 4. Februar 2015

Rasierklingen aus dem Cyberspace



Das hier ist ein Prototyp. Er stammt vom Rasiererhersteller Gillette und heißt schlicht "Gillette Box". Besonders an dem Teil ist nicht der Rasierer, das ist ein handelsüblicher Nassrasierer der Fusion-Proglide-Serie mit nicht weniger als fünf Klingen und einem Gleitmittelstreifen im Scherkopf. Das Besondere an der Box ist die Box selbst, denn sie hilft dem Nassrasierer bei einem unmittelbaren Problem: Was tun, wenn die Klingen alle sind?
Dafür hat die Box einen Knopf. Drückt man ihn, löst das eine Bestellung beim Onlineshop "The Perfect Shave" aus, und schon 24 Stunden später liegt eine neue Packung Klingen im Briefkasten. 
Die Technik dafür hat Gillette gemeinsam mit der Telekom entwickelt, sie nennt sich Auralink und basiert auf dem Mobilfunkstandard GSM. Um im Internet eine Bestellung abzusetzen, benötigt die Box also kein WLAN, der Haushalt muss keinen Internet-Anschluss besitzen, die Box muss nur D-Netz empfangen. Für den Strom sorgen drei Trockenbatterien der Größe AAA. Wie lange sie halten und ob die Box Empfang hat, das muss der Benutzer selbst rausfinden. Anzeigeelemente hat die Box nicht.
Theoretisch ist die Bedienung einfach: Will man neue Klingen, drückt man ein paar Sekunden auf den Knopf, bis der Ring um den Knopf blau zu leuchten beginnt - fertig.
Ganz so einfach ist es in der Praxis dann doch nicht: Vor der ersten Bestellung muss man die die Box beim Online-Shop registrieren. Dazu hat sie eine ID-Nummer. Der Registrierungsprozess dauert normalerweise nur ein paar Minuten - in meinem Fall ging er schief. Die Onscreen-Tastatur meines iPads hatte die Eingabemaske verdeckt, ich musste einige Sachen blind eingeben und vertippte mich. Resultat: Die versprochene Bestätigungsmail kam nicht an. Tipp an Mit-Tester, die die Box auch gerade ausprobieren: Tablet hochkant halten, dann geht es besser. Der Support half mir weiter - die Eingabemaske will man noch überarbeiten.
Und was ist, wenn die Katze des Hauses mit der Box spielt und dabei an den Knopf kommt? Das ist kaum möglich, denn man muss ihn mehrere Sekunden fest drücken. Aber ein Kind könnte problemlos Klingen bestellen. Deshalb löst der Knopf die Bestellung nicht sogleich aus, der Onlineshop schickt noch eine E-Mail, die man bestätigen muss, bevor die Ware in die Post geht. Billig ist der Spaß nicht: 16,99 Euro verlangt The Perfect Shave für vier Klingen. Andererseits: Woanders ist es auch nicht billiger, fünf Klingen pro Scherkopf lässt sich Gillette halt stolz bezahlen. Was die Box kosten wird, steht noch nicht fest. Wie gesagt - es ist ein Prototyp.
Abschließend stellt sich die Frage nach dem Sinn einer Box, die drahtlos im Netz bestellen kann - aber nur ein Produkt. Für Städter, die auf dem Weg vom Büro im Drogeriemarkt vorbeischauen können, ist die Box kaum mehr als eine Spielerei.
Die Technik dahinter ist sicherlich nicht nur für Rasierer interessant. Drucker könnten selbst messen, wenn sie neue Patronen oder Tonerkartuschen brauchen - und automatisch Nachschub ordern. Und ich könnte mir sogar eine Waschmaschine vorstellen, die einen eingebauten Tank für Waschmittelkonzentrat hat. Einmal aufgefüllt, nimmt sich die Maschine so viel Waschmittel wie sie braucht, und wenn der Vorrat zur Neige geht, kommt Nachschub per Post.
Ein letzter Satz zum Rasierer: Fünf Klingen mögen overdone erscheinen - aber das Ding rasiert wirklich astrein.


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