Montag, 22. November 2010

Die Kunst des stilvollen Scheiterns (extended version)


Ein Suchbildrätsel: Was fehlt auf untenstehendem Foto?

Richtig: Es fehlt die Tachonadel. Zumindest große Teile von ihr. Die Tachonadel meines japanischen Präzisionskrades verabschiedete sich am Samstagmorgen gegen halb zehn, als ich mit Tempo 120 auf der schnurgeraden A92 in Richtung Landshut unterwegs war. Ich habe es zunächst gar nicht bemerkt, denn ich war viel zu sehr damit beschäftigt, bei Temperaturen von 1 bis 2 Grad Celsius nicht zu erfrieren, während ich versuchte, im von Sprühregen durchsetzen Nebel rund um den Flughafen Erding wenigstens rudimentäre Sicht auf die Straße zu behalten. Warum um alles in der Welt fährt einer, der noch alle seine Sinne beieinander hat, bei der Schweinekälte mit dem Motorrad nach Landshut, wo er doch auch das Auto nehmen könnte – oder einfach zuhause im Bett bleiben?

Nun, wir – mein japanisches Präzisionskrad und ich - hatten einen Termin bei Erich, dem Schraubergott. Erich schraubt seit Jahren an Yamaha TDM, er kennt jedes Teil davon beim Vornamen, und nach der Leistung, für die ich meiner Fachwerkstatt neulich über 200 Euro in den Rachen geworfen überwiesen habe, bin ich geneigt zu sagen: Erich kann das besser.

Mein japanisches Präzisisonskrad heißt Yamaha TDM 850, Freunde dürfen sie einfach TDM nennen. Die alte Dame wird im Februar 19, da hat man schon mal das eine oder andere Wehwehchen. Im Oktober war TÜV fällig, keine große Sache, dachte ich und wollte die Maschine zur Werkstätte für Zweiradmechanik e.V. bringen. Die kümmern sich normalerweise recht aufopferungsvoll um die TDM, und es ist auch eine gute Sache dahinter: Bei der WfZ bekommen sozial benachteiligte Jugendliche eine Lehrstelle und lernen was Gescheites. Im Moment lernen sie jedoch nix, weil die WfZ Winterpause macht bis Ende Januar. Also einen Yamahahändler im Münchner Westen kontaktiert und ihn um einen TÜV-Termin ersucht. Termin gemacht, Maschine gebracht, „Ist soweit alles in Ordnung?“ „Ich denke schon?“ „Okay, am Donnerstag ist sie fertig."

Am Freitag holte ich meine TDM ab, der Werkstattmensch eröffnete mir, dass sie neue Bremsbeläge vorn bekommen habe und dass die vorderen Bremskolben „etwas schwergängig“ seien, man könne aber so damit fahren. Im TÜV-Bericht steht explizit vermerkt, dass die Bremsen verkehrssicher seien und dass bei der Probefahrt die Straße nass gewesen sei (habt ihr so was schon einmal in einem TÜV-Bericht gelesen?). Auf dem Nachhausweg fiel mir dreierlei auf: Erstens hatte die Vorderradbremse keinen vernünftigen Druckpunkt mehr, zweitens betrug der Leerweg am Hebel mindestens doppelt so viel wiedrei Tage zuvor, als ich sie zum TÜV gebracht hatte und drittens wurde die Bremse nach mehrmaligem Pumpen härter – ein untrügliches Zeichen für Luft im Bremssystem.

Sie gleich wieder zurückbringen, das wäre natürlich eine Methode gewesen. Nur leider hat eine Fachwerkstatt immer die Möglichkeit, für unendlich viel Geld Neuteile zu verbauen, wenn sie mit den 19 Jahre alten Originalen nicht klar kommen. Also erst einmal heim, immerhin hat sie ja jetzt eine frische TÜV-Plakette und vielleicht gibt sich das mit der Luft in der Bremse ja auch noch ein bisschen.

Es gab sich nicht. Es wurde auch nicht schlimmer, aber Spaß machte es nicht. Also machte ich einen Termin mit Erich aus, schwang mich am Samstag auf die TDM und rauschte ab nach Landshut, knapp 100 Kilometer eine Strecke. Ich fror, vermisste das Wischergummi am linken Zeigefinger meines Motorradsommerhandschuhs, mit dem ich bei Regen das Visier meines Helmes freihalten kann (und das merkwürdigerweise am Winterhandschuh desselben Herstellers fehlt) – und meine TDM warf ihre Tachonadel ab, Gott weiß warum.

Beim Erich angekommen, gingen wir gleich ans Werk. Das Entlüften der Vorderradbremse einer Yamaha TDM 850 ist eine Aufgabe für einen, der Vater und Mutter erschlagen hat, so viel ist sicher. Das gesamte Bremsleitungssystem vom Bremsgriff bis zu den beiden Bremssätteln (Die TDM hat zwei davon am Vorderrad) muss komplett luftleer sein, schon eine Luftblase von der Größe eines Stecknadelkopfes reicht aus, um den Druckpunkt weich wie Gummi zu machen. Dummerweise befinden sich die Schrauben zum Entlüften unten an den Bremssätteln. Luft hat aber die unangenehme Eigenschaft, nach oben zu steigen. Dazu kommt noch, dass die Bremsleitungen von beiden Bremssätteln über einen so genannten Konnektor laufen, also eine Verbindung, die aus zwei Leitungen eine macht. So können also Luftblasen wunderbar von einem Bremssattel zum anderen wandern, während man oben Bremsflüssigkeit einfüllt und unten drauf wartet, dass am Entlüftungsnippel Luftblasen rauskommen. Bei der Gelegenheit bemerkte Erich übrigens eine schwer gehende Entlüftungsschraube – so schwer gehend, dass Zweifel erlaubt sein dürfenob diese Schraube beim letzten Werkstattbesuch überhaupt benutzt wurde.

Es gibt eine recht pfiffige Methode, Bremsen zu entlüften: Man drückt die Bremsflüssigkeit von unten nach oben durch die Leitungen. Eventuell eingeschlossene Luft wird nach oben gedrückt und tritt am Bremsflüssigkeitsbehälter am Lenker wieder aus. Dafür braucht man eine große Injektionsspritze und einen flexiblen Silikonschlauch. An der Spritze gebrach es uns aber, und Kaufen war auch schwierig, am Samstag nach Mittag. So bastelten wir herum bis nachmittags um zwei und der hässliche Geruch des totalen Scheiterns lag in der Luft – die TDM hatte zu diesem Zeitpunkt vorn überhaupt keinen Bremsdruck mehr, der Hebel ließ sich bis zum Anschlag widerstandslos durchziehen. Schließlich trieb Erich doch noch eine Spritze auf, in der Öl für einen Kettenöler schwappte. Nach einer halben Flasche Bremsenreiniger und viel manueller Zuwendung war die Spritze ölfrei und nahezu jungfräulich. Damit gelang uns das Kunststück. Irgendwann blubberte eine Luftblase groß wie ein veritabler Pfurz aus dem Ausgleichsbehälter, gefolgt von einer kontrollierten Fontäne reinster Bremsflüssigkeit. Und der Druckpunkt war da: Klar, transparent, mustergültig.

Was hat das alles mit der Tachonadel zu tun?

Die hätte Erich am liebsten auch gleich repariert, wir hatten aber keine Zeit mehr. Er meinte noch „Die kannst du mit Sekundenkleber kleben“, dann entließ er mich auf den kalten Rückweg nach München – mit einer gut ziehenden Vorderradbremse.

Heute habe ich mich dem Tachoproblem angenommen. Der Tacho sitzt in einem Kombiinstrument, und das ist eigentlich recht schnell ausgebaut: Tachowelle ab, vier Spezialstecker gezogen, zwei 10er Muttern weg, schon hält man das gute Stück in der Hand. Okay, vorher muss man natürlich noch die dreiteilige Verkleidung der Maschine abschrauben, das macht umso mehr Spaß, je kälter es dabei ist. Aber ich war heute gut in Form: Nach einer halben Stunde hielt ich das Kombiinstrument in der Hand, fünf Minuten später lag es auseinandergeschraubt auf unserem Esstisch und ich stapfte durch den Nieselregen zum Drogeriemarkt, um Sekundenkleber zu kaufen.
Die 2,85 Euro, die ich für eine Flasche „UHU Sekundenkleber Blitzschnell“ ausgegeben habe, erwiesen sich leider wenig später als herausgeworfenes Geld, denn obwohl streng nach Vorschrift vorgegangen, klebte das Zeug etwa so gut wie Spucke. Das Bild hier täuscht: Keine zehn Sekunden nach der Aufnahme senkte sich der Zeiger wieder aufs Ziffernblatt. Also alles sauber gemacht und noch etwas Zweikomponentenkleber gefunden. Den angerührt, damit alles verklebt, natürlich nicht ganz so schön glatt und fugenlos wie beim Sekundenkleber, fixiert, halbe Stunde gewartet: fest.

Dann den ganzen Zirkus wieder zusammengeschraubt, Kombiinstrument ans Motorrad, Verkleidung an den Rahmen, dabei den großen Ratschenkasten umgeschmissen, 50 Teile vom Bürgersteig geklaubt und wieder einsortiert, schändlich geflucht, dabei die doofe Nachbarin absichtlich nicht gegrüßt. Zum Schluss noch einmal am Bremsgriff gezogen. Fühlt sich irgendwie weich an.
Offenbar haben wir doch nicht alle Luft erwischt.
Update: Inzwischen scheint sich die Luft verflüchtigt zu haben. Der Druckpunkt ist wieder okay.

Samstag, 13. November 2010

Merry Christmas, Alder!


Kann man für Motorradfahrer, die ja zur Winterzeit in einen komatösen Wartezustand verfallen, coole Weihnachts-Werbung machen?


Yup, geht!

Samstag, 6. November 2010

Die Gadget-Tankstelle


Besitzer aktueller Smartphones wissen wovon ich rede: Die Dinger ziehen Strom wie eine Waschmaschine! Man muss nicht wie eine egomanische Quasselstrippe an seinem iPhone oder Google Nexus one (im Bild) hängen, um den Akku innerhalb eines Arbeitstages restlos platt zu bekommen. iPhone-Besitzer sind in diesem Fall besonders gehandicapt, da Apple die Akkus fest verbaut hat. Benutzer anderer Modelle könnten wenigstens theoretisch einen Ersatzakku einstecken - was aber in der Praxis auch nervt, denn ein Akkuwechsel im Stehen auf einer Messe ist oft kein Spaß, außerdem ist es mühsam, zwei Akkus zu laden, wenn man nur ein Handy und nur ein Ladegerät im Hotel hat. Als rustikale Lösung bieten einige Hersteller bereits so genannte Jackets an, Schutzhüllen mit eingebauten Zusatzakkus, in die man das Smartphone komplett hineinsteckt und die die Laufzeit deutlich verlängern.
Der Energizer Xpal XP 2000 verfolgt einen anderen Ansatz: Dieser Energiespeicher wird per Kabel an das Handy angeschlossen und lädt so dessen Akku auf. Was auf den ersten Blick - gemessen an den maßgeschneiderten Jackets - irgendwie umständlich wirkt, ist in der Praxis extrem praktisch, denn im Gegensatz zu einem für genau ein Handymodell gebauten Jacket lädt der Xpal XP 2000 so ziemlich alles auf, was sich mit 5 Volt Gleichstrom aufladen lässt: MP3-Player, PDAs, Bluetooth-Headsets, E-Book-Reader oder GPS-Logger. Dazu liegt dem Gerät ein Anschlusskabel mit sechs so genannten Tips bei, Adapterstecker für USB, Mini-USB, Micro-USB, Samsung, Nokia und iPhone/iPod. Damit hat man schon mal gefühlte 95 Prozent aller tragbaren Gadgets erschlagen, und beim Rest (zum Beispiel iPod Nano) nimmt man bei Bedarf einfach das USB-Kabel, das mit dem Gerät mitgeliefert wurde, denn das Ladekabel am Xpal steckt in einer handelsüblichen USB-Buchse. Natürlich gibt es auch Gadgets, die ohne USB-Kabel geliefert werden, aber sie sind selten, zum Beispiel das Motorradhelm-Headset Cardo Scala, das bei meinem Navi dabeilag. Dafür müsste man sich gegebenenfalls ein Kabel löten, die Tatsache, dass die Tips mit einem habwegs handelsüblichen Rundstecker am Ladekabel stecken, ist für solche Basteleien äußerst hilfreich.
Was die Ladeleistung angeht, die ist durchaus ordentlich. Das Google Nexus one, das ich testhalber an den Xpal drangehängt habe, hatte seine Batteriekapazität nach einer Stunde von 25 auf 75 Prozent erhöht - während es im Standby vor sich hin lief, Mails abrief und sonstige geheimnisvolle Dinge tat. Hätte ich das Handy zum Laden komplett ausgeschaltet, wäre es schneller gegangen. Die Handhabung ist idiotensicher: Xpal anstöpseln, Startknopf drücken, gut. Sobald das angeschlossene Gerät aufgeladen ist, schaltet der Xpal ab.
Mit seinen 2.000 mAh ist der Akku freilich als Notstromaggregat für eine dreimonatige Amazonas-Expedition zu dünn aufgestellt. Besagtes Google Nexus kommt mit 1.400 mAh Erstausstattung an den Start, die Kapazität eines Xpal reicht in der Praxis aus, um ein Smartphone dieses Kalibers einmal richtig aufzuladen. Das ist jetzt keine Mondlandung, aber für die Praxis eine ordentliche Ansage. Die Batterie des von mir erwähnten GPS-Loggers hat 650 mAh, da sind dann schon drei Ladezyklen drin. Zudem kann man eben mit einer solchen Zusatzstromquelle sein Gadget auch dort laden, wo keine Steckdose zur Verfügung steht - bei der Mittagspause im Biergarten etwa, während des Fluges im Flugzeug oder während der Fahrt auf einem Motorrad. Aufgeladen wird der Xpal XP 2000 selbst übrigens via USB-Kabel, was laut Hersteller vier Stunden dauern soll. 500 Ladezyklen stehen auf der Schactel, ausprobiert habe ich das nicht. Und einmal voll, so verspricht eben dieser Hersteller, hält das Ding seine Ladung bis zu einem Jahr. Bei gerade einmal 70 Gramm Lebendgewicht (Okay, mit Beutel, Kabel und ein, zwei Tips sind es dann vielleicht 100 Gramm) kann man sich das Teil gut als Helfer für den Notfall in seine Aktentasche/Messenger Bag/Prada-Täschchen stecken. A propos Notfall: Energizer verkauft die Dinger vorgeladen.
Was mich wirklich überrascht hat, war der moderate Preis: Je nach Online-Händler liegt man zwischen 25 und 30 Euro, ein Austauschakku für das Nexus one ist teurer, und iPhone-Besitzer... naja, das schrieb ich schon.
Wem die Kapazität des XP 2000 nicht reicht, der kann auch größere Kaliber kaufen: Energizer bietet Notstrom-Akkus an, die auch ganze Notebooks stundenlang am Laufen halten. Nur kosten die dann auch deutlich mehr Geld, und sie sind so groß und schwer, dass man sie nicht mal eben auf Verdacht in seine Tasche steckt.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Spaß mit der Telekom oder: Die drei mit der Mütze


Zu den wenigen Perlen des TV-Journalismus, die der private Rundfunk in seiner mehr als 25-jährigen Geschichte in Deutschland hervorbringen konnte, gehörte die Verbraucher-sendung "Wie bitte?!", die RTL in den Jahren von 1992 bis 1997 gesendet hat. Das Konzept war einfach, aber erfolgreich: Real existierende Ereignisse wurden vom Team der Sendung zu Sketchen verarbeitet, die nicht nur wegen des komödiantischen Talents der Ensemblemitglieder schreiend komisch waren, sondern vor allem deshalb, weil die den Sketchen zugrunde liegenden Fälle so kafkaesk erschienen, dass man es mit nüchternem Normalverstand kaum glauben wollte. Besonders populäres Sujet waren "die drei mit der Mütze", drei Mitarbeiter der Telekom (erkenntlich an albernen Käppis des Telekom-Radrennteams), die einfach so sturzdoof waren, dass sie nicht gleichzeitig geradeaus sehen und einen Teller Suppe löffeln konnten. In der Episode, von der das Bild oben stammt, geht es um einen Fall, in der die Telekom es schaffte, ein- und dieselbe Werbung 38mal an eine Adresse in Oberhausen zu schicken. Das Video kann man nicht auf anderen Seiten einbinden, aber hier ist der Link.

Die Sendung "Wie bitte?!" gibt es - zumindest im Originalkonzept - schon seit zehn Jahren nicht mehr. Aber Fälle, aus denen das Team sofort einen Sketch gedreht hätte, gibt es nach wie vor.

Zum Beispiel meinen Fall:

Am 1. Oktober bekam ich von der Firma Strato eine Werbe-Mail, in der mir der Webhoster ein interessantes Angebot machte: Ich könne meinen Call&Surf-Vertrag bei der Telekom auf VDSL aufrüsten, also statt der jetzt vorhandenen 6 Mbit/s mit 50 Mbit/s surfen. Dazu könnte ich von Strato eine Online-Festplatte bekommen, die dank des superschnellen VDSL-Anschlusses blitzschnell funktionieren würde, fast so schnell wie eine Festplatte im PC. Das ganze wurde mir zu einem attraktiven Preis offeriert und weckte mein Interesse - Bandbeite kann man schließlich nie genug haben.

Also folgte ich dem Link, der in der Mail angegeben war und landete auf einer Landing Page, in der das Angebot näher beschrieben war. Bei VDSL ist jedoch das Problem nicht der Preis, sondern die Frage, ob man es an dem Ort, an dem man seinen Telefonanschluss hat, überhaupt bekommen kann. Dazu war auf der Webseite eine Test-Anfrage integriert: Einfach die Telefonnummer eingeben, und schon sagt einem der Telekom-Rechner, ob's geht oder nicht. Das Resultat: In meinem Anschlussgebiet ist nicht mehr als DSL 6.000 drin. Schade, DSL 6.000 habe ich bereits - wird's also nix mit dem VDSL, okay, kann man nix machen. Also Seite geschlossen und gut.

Am 6. Oktober erreicht mich ein Schreiben der Telekom mit einer Auftragsbestätigung(!). Man bestätigte mir die Bestellung von einem DSL-Anschluss mit 6.000 kbit/s, einem ISDN-Anschluss, einem Tarifpaket Call&Surf Comfort ISDN mit drei Telefonnummern (MSN) sowie fünf zusätzlichen MSN. Meine Verwunderung über dieses Schreiben kannte keine Grenzen, denn erstens war ich mir nicht bewusst, in letzter Zeit irgendwas bei der Telekom bestellt zu haben, und zweitens umfasste die Bestellung exakt die Leistungen, die ich bereits seit Jahren bei der Telekom nutze. Meinen ISDN-Anschluss habe ich, seit ich 1996 in diese Wohnung zog, meinen DSL-Anschluss habe ich seit 2001.

Sollte ich das jetzt alles nochmal bestellen? Und eventuell nochmal bezahlen?

Also rief ich die Telekom-Hotline an, freute mich darüber, dass mein Telefon eine Freisprecheinrichtung hat und der Anruf so lange nichts kostet, wie man in der Warteschleife hängt: Man kann viel entspannter die Spülmaschine aus- und wieder einräumen, wenn man dabei nicht immer das Telefon ans Ohr halten muss.

Nach kaum einer Viertelstunde hatte ich eine Frau aus Fleisch und Blut an der Leitung, der ich in einem überaus kooperativen Gespräch erklärte, dass ich nichts bestellen wolle, was ich schon habe und dass ich an sich mit meinem Telefonanschluss soweit ganz zufrieden sei, das passe schon so. Die Dame konnte sich auch nicht recht erklären, wie es zu der Bestellung gekommen sei, versprach aber, alles zu meiner Zufriedenheit zu regeln.

Am 9. Oktober bekam ich einen Brief der Telekom, unterschrieben von einem gewissen Ralf Hoßbach, Leiter Kundenservice. Er beginnt mit den Worten:

"Sie erwarten völlig zu Recht, dass wir einen Auftrag für Sie nur mit
Ihrer Zustimmung annehmen. Bitte entschuldigen Sie, dass wir dieser Erwartung nicht nachgekommen sind."

Im weiteren Verlauf des Schriebens bestätigt mir Herr Hoßbach die Stornierung sämtlicher Leistungen, die ich bereits seit Jahren nutze. Alles weg: ISDN, DSL, meine Zusatzrufnummern!

"Ja, sind die denn des Wahnsinns fette Beute?" denke ich mir und rufe erneut die Hotline an. Kaum eine Viertelstunde später habe ich wieder eine freundliche Dame am Telefon, die tatsächlich heldenhaften Einsatz zeigt und in den Infight mit dem Computer geht. Ich höre ihr fünf Minuten beim engagierten Tippen auf der Tastatur zu, und schon hat sie das Unmögliche geschafft: Meine acht Telefonnummern (darunter auch die Geschäftsnummern meiner Frau) vor der Abschaltung und Neuvergabe an andere Kunden gerettet!

Puh, das war knapp.

Am 15. Oktober erhielt ich eine Auftragsbestätigung über fünf zusätzliche MSN. Das waren die, die ich bereits seit zehn Jahren habe, aber telefonnummern kann man ja hoffentlich nicht doppelt bestellen.

Heute schließlich erreichte mich eine Auftragsbestätigung, die angeblich zum 16.10. fällig wird, also vor vier Tagen. Darin dankt die Telekom mir für meinen Auftrag zur Aufnahme meiner Eintragsdaten in ihr Kommunikationsverzeichnis.

Was soll das? Ich habe diesen Auftrag nicht erteilt! Ich stehe seit 14 Jahren im Telefonbuch, meine Telefonnummer steht daneben. Und die Faxnummer benutze ich schon seit Jahren nicht mehr.

Hallo? Geht's noch? Wie bitte?!

UPDATE: Heute (21. 10.2010) kam eine Auftragsbestätigung für einen (vorn mir nie erteilten) Auftrag für den Eintrag in das Kommunikationsverzeichnis der Telekom, unterzeichnet von Ralf Hoßbach, Leiter Kundenservice.

Herr Hoßbach, auch noch mal für Sie zum Mitmeißeln: Ich habe bei Ihnen nichts bestellt! Ich will einfach meinen Telefon- und DSL-Anschluss weiter benutzen und nichts daran ändern. Es sei denn, Sie machen mir ein Angebot für VDSL, das bei mir verfügbar ist.
UPDATE 2: Am Freitag (22.10.2010) habe ich auf Anraten von Social Media-Experten auf Facebook Kontakt mit der dortigen Telekom-Anlaufstelle aufgenommen. Das hat mir laut Google Analytics einen Haufen Leser beschert, außerdem wurde ich per E-Mail gebeten, meinen Fall noch einmal zu schildern (mach' ich doch gerne). Heute (25. Oktober) wurde ich von einem Telekom-Mitarbeiter angerufen, der mit mir den fall noch einmal durchging - und Entwarnung gab: Es wird alles gut, und vielleicht bekomme ich bald sogar ein schnellers Internet. Prima, jetzt kann ich nachts wieder besser schlafen...

Dienstag, 12. Oktober 2010

Navis auf dem Motorrad: Versuch macht kluch










Das TomTom Rider war nicht weniger als eine Revolution: Ein Navigationssystem, speziell für Motorradfahrer gebaut. Das bedeutete: Wetterfest, im hellen Sonnenlicht ablesbar, mit Handschuhen bedienbar und mit einer Bluetooth-Schnittstelle für die drahtlose Übertragung der Ansagen in den Helm. Wie das bei Revolutionen meistens so ist, ging auch diese nicht ohne Kollateralschäden ab: Die Software schmierte gelegentlich ab, die Motorradhalterung war eine Fehlkonstruktion - zahlreiche Geräte machten sich bei voller Fahrt selbstständig - und der Einführungspreis von 800 Euro war nur etwas für Hartgesottene.
Die meisten dieser Probleme gehörten mit der Einführung des TomTom Rider 2 im Jahr 2008 der Vergangenheit an: Die Software wurde überarbeitet, die Halterung ebenso - und der Preis sank sukzessive auf weniger als die Hälfte. Zum Schluss wurde der TomTom Rider 2 inklusive Halterung und DACH-Karte für deutlich unter 300 Euro verkauft. Wer wie ich die "Europa"-Version nahm, bekam für 350 Euro das Navi, die große Europakarte mit 43 Ländern, eine RAM-Mount-Halterung und das Bluetooth-Headset Scala Cardo.
Seit Mitte 2010 ist der Rider2 vergriffen, das Nachfolgemodell Urban Rider ist auf dem Markt. Auch hier gibt es die Grundversion für 249 Euro und die Pro-Version mit Headset und großer Karte für einen Hunderter mehr.
Ich hatte jetzt die Gelegenheit, den Urban Rider auszuprobieren - und das sind die Unterschiede:
Die Hardware
Auf den ersten Blick sind die Gehäuse beider Geräte gleich, was für die Abmessungen und das Gewicht auch zutrifft. Das Rider2-Gehäuse ist silbern lackiert, was nicht unbedingt von Vorteil sein muss, denn die Farbe kann abkratzen. Das Urban-Gehäuse ist aus robustem, schwarzem Hartplastik und somit unempfindlicher. Der Rider2 hat einen eingebauten SD-Kartenslot und eine Ladebuchse für ein Steckerladegerät. Beim Urban Rider ist der Kartenspeicher fest eingebaut, geladen wird nur noch über die Mini-USB-Buchse, diese dient beim Rider2 nur zum Datentransfer.
Die beiden Bildschirme sind in der Praxis etwa gleich hell, der Helligkeitsunterschied auf dem Foto täuscht. Intern hat der Urban Rider etwas mehr Arbeitsspeicher bekommen, was bedeutet, dass die Urban-Software auf dem Rider2 nicht läuft. Außerdem wurde der eingebaute Akku etwas vergrößert, so dass der Urban bis zu 8 Stunden mit einer Akkuladung laufen soll. beim Rider2 sind es nur fünf.
Der Lieferumfang
Der erstaunlich niedrige Preis des Urban Rider wird durch einen zum Teil mageren Lieferumfang erkauft. So gibt es für den Rider2 eine praktische Transporttasche aus Neopren, die beim Urban Rider fehlt. Der Haupt-Nachteil ist jedoch die mitgelieferte Motorradhalterung: Beim Rider2 liegt ein so genanntes Active Dock bei, also eine Halterung mit Stromanschluss, an der man den Rider während der Fahrt aufladen kann. Der Urban Rider wird serienmäßig mit einer Passiv-Halterung ausgeliefert, ein Aufladen am Motorrad ist nicht vorgesehen. Dem Vernehmen nach gab es mit der aktiven Halterung Probleme, viele Motorradfahrer waren nicht in der Lage, die Stromversorgung richtig anzuschließen. TomTom konterte mit der Passiv-Halterung und einem größeren Akku. Allerdings kostet das Active Dock als Zubehör stolze 65 Euro, was den Preis des Urban Rider schon über die 300-Euro-Marke drückt. Dafür ist die Softwareausstattung der "kleinen" Version üppiger als beim "kleinen" Rider2: Statt DACH ist ganz Mitteleuropa drauf.
Die Software
Der Hauptunterschied zwischen beiden Geräten offenbart sich, wenn man sie einschaltet: Die Benutzeroberfläche des Urban Rider wurde komplett überarbeitet. Dies ist nicht unbedingt von Vorteil, vor allem die Konfigurationsmenüs schicken einen oft in eine Riesenschleife, aus der man nicht wieder herauskommt. Dafür wurden manche Einstellungsoptionen feinfühliger. Das gilt vor allem für die Option "kurvenreiche Strecke", hier kann man wählen, wie kurvenreich man es haben will. Steht man vor der Entscheidung zwischen beiden Geräten, kann allein diese Option den Ausschlag geben. Wer einfach nur von A nach B fahren und dabei mit seinem Motorrad Spaß haben will, der wählt "kurvenreiche Strecke" und bekommt vom Navi überraschend kreative Vorschläge geliefert. Auch sonst wurde die Software an vielen Ecken verbessert: Es gibt ein Motorrad-Schnellmenü, das einen mit zwei Fingertippsern zur nächsten Tankstelle leitet, außerdem kann man jetzt für die Eingabe neben einer QWERTZ-Tastatur auch eine T9-Tastatur mit extragroßen Tasten wählen, mit der ich allerdings nicht zurecht kam. Neu hinzugekommen sind außerdem eine Tracking-Funktion und ein Fahrspurassistent.
Routenplanung und Fahren
Auch beim Urban Rider verzichtet TomTom wie beim Rider2 darauf, ein vernünftiges Tool für die Routenplanung beizulegen. Hier kann TomTom nicht mit Garmin mithalten, wo die Planungssoftware MapSource zum Lieferumfang gehört. Allerdings kann man sich mit anderen Tools helfen, zum Beispiel dem MOTORRAD Tourenplaner, dem Programm TYRE oder dem Onlinetool von Harzpoint. Zu beachten ist nur, dass eine Route auf dem TomTom maximal 48 Waypoints haben kann. Bei Programmierung, Zieleingabe und Routing bestehen zwischen Rider2 und Urban Rider wenig Differenzen, wenn man einmal von der wirklich gelungenen Option "kurvenreiche Strecke" absieht. Nach wie vor beherrschen beide Navis kein "Text to speech", was bedeutet, dass Straßennamen und Richtungen nicht angesagt werden. Außerdem fehlt beiden die Fähigkeit, einfach mal zu sagen "dem Straßenverlauf folgen". Knickt eine Vorfahrtsstraße nach rechts ab, wird eine Abbiegung nach rechts angesagt - manchmal jedoch auch nicht. Der Fahrspurassistent des Urban Rider ist Geschmackssache: Am unteren Rand der Anzeige werden die Fahrspuren angezeigt, und die , die man benutzen soll, blinkt. Bei Autobahnauffahrten ersetzt sogar eine fast schon fotorealistische Grafik der Straßensituation die normale Kartenansicht. Das ist nicht unangenehm - wirklich nötig ist es aber eigentlich auch nicht.
Der Betrieb im Auto
Da der Rider keinen eingebauten Lautsprecher hat, gibt es - für stolze 80 Euro - eine Auto-Halterung, komplett mit einem eingebauten Lautsprecher und einem Ladestecker für den Zigarettenanzünder. An meinem Rider2 habe ich seit einiger zeit an der Auto-Halterung keinen Sound mehr, ich weiß auch nicht warum. Als ich den Urban Rider in die Halterung steckte, gab es wieder Ton. Das ist sub-optimal.
Fazit
Der Urban Rider ist unter dem Strich ein gelungenes Upgrade des Rider2, wobei allerdings beim Lieferumfang geknausert wurde. Für den, der ein günstiges Navi sucht, ohnehin nicht so lange Touren fährt und eventuell bereits ein Bluetooth-Headset in seinem Helm hat, ist allerdings der Urban Rider in der Standard-Ausstattung ein heißes Angebot zu einem wirklich günstigen Preis. Wer bereits den Rider2 besitzt, muss nicht neidisch auf den Urban Rider schauen: Im Grunde sind beide Geräte nach wie vor sehr ähnlich.

Montag, 20. September 2010

Buugle - das wird noch besser als Street View

Okay, nur weil du Paranoia hast, bedeutet das ja nicht, dass SIE nicht doch hinter dir her sind.



(Sound ist dringend erforderlich. Eine abgeklärte Gemütslage wird empfohlen)

Dienstag, 17. August 2010

Street View: Das wird lustig

Gerade eben hatte ich ein interessantes Gespräch mit A&O, der PR-Agentur von Google über das neue Online-Formular zum Widersprechen gegen eine Abbildung des eigenen Grundstücks auf Street View. Und ich glaube, da werden ein paar lustige juristische Auseinandersetzungen auf die Zunft zukommen.

Das Procedere ist so: Man widerspricht online unter Angabe seiner Postadresse. Man muss keinen "Titel" beifügen, dass man überhaupt zu einem solchen Widerspruch berechtigt ist. Daraufhin schickt Google eine Bestätigung per Post mit einem Bestätigungscode. Damit soll sichergestellt sein, dass derjenige den Widerspruch eingelegt hat, der da auch tatsächlich wohnt.

Sobald der Widerspruch bestätigt wurde, löscht Google die entsprechenden Bilddaten in den Rohdaten. Dieser Vorgang ist nicht rückgängig zu machen, es sei denn, durch erneute Aufnahmen mit einem Google-Auto.

Grundsätzlich gilt die Regel: Provatsphäre geht vor. Das bedeutet, wenn einer aus dem Haus widerspricht, wird das ganze Haus gelöscht, selbst wenn andere gern ihre Wohnung auf StreetView haben würden.

So weit die Fakten.

Jetzt kommen wir zu den Widersprüchlichkeiten: Was ist, wenn ich ein Gebäude besitze, dies nicht auf StreetView haben möchte, dort aber nicht postalisch erreichbar bin, weil ich dort nicht wohne? Was ist, wenn ein Mieter die Wohnung hat löschen lassen, und dann zieht er um? Was ist, wenn eine Wohnung verkauft wird?

Und vermutlich könnte man auch fremde Häuser löschen lassen: Bei der Post online einen Nachsendeantrag stellen, in dem man sich als Bewohner einer bestimmten Adresse ausgibt und sich die Post an eine andere Adresse zustellen lässt. Dann den Bestätigungsbrief abgreifen, Code bestätigen und schon sind die Rohdaten Geschichte. Wenn ich sehe, mit welch krimineller Energie sich zum Beispiel Spammer überall reindrängeln, bin ich mal gespannt, was übelmeinenden Gesellen zu StreetView einfällt. Der Wettbewerber hat ein Ladengeschäft? Raus damit!

So wie ich das verstanden habe, hat sich Google verpflichtet, nach der Löschung der beanstandeten Abbildungen aus den Rohdaten auch die Daten der Einspruchsgeber zu löschen. Wie will Google dann Upgrades fahren? Schließlich verändern sich ja Innenstädte schon einmal.