Freitag, 28. August 2009

Fahrt im Smart - diesmal hybrid und offen

Neulich habe ich hier ja schon einmal von meinen Erfahrungen mit dem Smart berichtet, den ich zwei Tage lang als Leihwagen durch die Gegend gescheucht habe. Heute ergab sich die Gelegenheit, einmal eine kleine Stadtrunde mit dem neusten Smart zu drehen, und zwar mit dem Smart Passion mhd Cabrio.

Was ist anders? Nun, erstens war das heute ein Cabrio, und zweitens hatte das Auto einen so genannten Micro Hybrid Drive. Alles andere ist eigentlich unverändert geblieben, wer meinen Fahrbericht vom Dezember 2008 nachlesen möchte, der klicke bitte hier.

Das Cabrio
Das Faltdach des Smart ist eine Mischung aus einem klassischen Faltschiebedach, wie man es zum Beispiel von alten Käfern kennt und einem richtigen Klappdach. Es wird elektrisch betätigt, und das geht auch während der Fahrt. Zunächst faltet sich das Dach auf Höhe der B-Säule zusammen, so dass man im Grunde den Effekt eines großen Schiebedachs hat. Drückt man den entsprechenden Knopf länger, klappt das Dach mitsamt der Heckscheibe um und faltet sich über dem Ablagefach Kofferraum zusammen. Zurück bleiben die Dachholme, die A- und B-Säule miteinander verbinden. Wer die auch loswerden möchte, muss anhalten. Dann lassen sich beide Dachholme mit wenigen Handgriffen herausnehmen und in einem maßgeschneiderten Fach in der Heckklappe verstauen, das dauert keine zwei Minuten. Diese Lösung ist erheblich besser als zum Beispiel beim Citroen C3 Pluriel, der ebenfalls abnehmbare Dachholme hat - aber keine Möglichkeit, diese im Auto zu verstauen. Wenn man die dann zuhause in der Garage lässt, dann darf unterwegs kein Gewitter kommen...

Verglichen mit einem richtigen Cabrio ist der Cabrio-Effekt allerdings eingeschränkt: Während man etwa in einem BMW 3er oder einem Mazda MX5 wirklich mit dem Kopf im Freien sitzt, ist einem beim Smart immer präsent, dass die hinteren Seitenscheiben, die B-Säule und natürlich das Dach selbst hinter einem hoch aufragen. Weiterer Nachteil des Smart Cabrio: Sowohl offen als auch geschlossen ist das Auto nach hinten ziemlich unübersichtlich. Immerhin: Beim Generationswechsel 2008 verpasste Smart dem Cabrio eine Heckscheibe aus beheizbarem Glas, vorher war sie aus Plastikfolie.

Während andere Cabrios oft offen besonders viel Stauraum bieten, ist es beim Smart umgekehrt: Das gefaltete Verdeck verhindert, dass man im Kofferraum Gepäck hoch stapeln kann. Aber zwei Kisten Bier passen immer rein - wer mit einem MX5 leben kann, kommt auch mit dem Platz im Smart klar. Keine Nachteile sind mir in Sachen Stabilität aufgefallen: Wie auch der Festdach-Smart macht das Cabrio einen soliden, gut verarbeiteten Eindruck. Klappt man das Verdeck zu, ist der Unterschied im Fahrgefühl zum Normal-Smart gering - nur das Glasdach fehlt dann natürlich.

Der "Hybridantrieb"
"Mein" Smart war mit einem 0,9-Liter-Dreizylinder-Benzinmotor mit 61 PS ausgestattet. Dazu kommt der Micro Hybrid Drive, abgekürzt mhd. "Hybridantrieb" ist dafür eigentlich eine irreführende Bezeichnung, der Motor verfügt über einen riemengetriebenen Generator, der gleichzeitig als Anlasser fungiert. Anders als andere Hybridautos kann der Smart mhd nicht elektrisch anfahren oder gar komplett elektrisch rollen. Dafür schaltet eine Elektronik den Benzinmotor aus, wenn er nicht gebraucht wird. Im Prospekt steht etwas von Geschwindigkeiten unter 8 km/h, das konnte ich in der Probefahrt nicht nachvollziehen. In der Praxis geht der Smart-Motor aus, sobald man zum Stillstand kommt, und zwar innerhalb von ein, zwei Sekunden. Nimmt man dann den Fuß von der Bremse, läuft der Motor wieder an, und zwar dank der mhd-Technik ganz sanft und ohne das ansonsten übliche Anlasserwimmern.

An die Start-Stopp-Automatik gewöhnt man sich schnell: Da die Automatik der meisten Autos im Stand normalerweise leicht "kriecht", steht der Automatik-Fahrer an Ampeln und an Einmündungen ohnehin immer auf der Bremse - dann ist beim Smart der Motor aus. Sobald man den Fuß von der Bremse hebt, ist der Motor wieder da, man steigt aufs Gas und fährt los. Die Verzögerung gegenüber einem bereits laufenden Motor beträgt vielleicht eine Sekunde, wenn es hoch kommt. Will man das nicht, kann man die Start-Stopp-Automatik auch abschalten. Apropos abschalten: Die mhd-Mimik arbeitet nur, wenn man auf der Bremse steht und die Schaltung im Automatikmodus ist. Wer zum Beispiel an einem Bahnübergang warten will, kommt nicht umhin, die Zündung auszuschalten, denn auch im Leerlauf springt der Motor sonst an, wenn man den Fuß von der Bremse nimmt - die Handbremse ändert daran auch nichts. Vielleicht ist die Batterie schuld an diesem Verhalten, denn alle elektrischen Verbraucher einschließlich Klimaanlage und Servolenkung bleiben komplett funktionstüchtig, wenn mhd den Motor zum Schweigen gebracht hat.

Smart verspricht im Stadtverkehr eine Spritersparnis von 20 Prozent - ob das in der Praxis auch hinhaut, konnte ich nicht überprüfen. Aber etwasd sparen tut mhd bestimmt, und ein Auto, das im Stillstand leise ist, ist auch was Feines. Davon abgesehen wirkte der 61-PS-Motor auf meiner Probefahrt nicht übermäßig spritzig, sondern eher etwas träge. Der Vorteil dieser Auslegung: Die verhältnismäßig sanften Schaltrucke und das angenehme Motorengeräusch täuchen darüber hinweg, dass hier eine vergleichsweise winzige Blechbüchse unterwegs ist. Wenn man allerdings Leistung braucht und das Gaspedal voll durchtritt, dauert es gefühlt recht lange, bis sich das Getriebe um einen niedrigeren Gang bemüht hat. Wer einmal ein Auto mit stufenlosem CVT-Getriebe gefahren hat (zum Beispiel den Fiat Punto Speedgear), fragt sich, warum Smart nicht endlich einmal ein solches Getriebe in seine Autos baut.

Der Preis
Der Smart Passion Cabrio mhd mit CD-Radio kostet rund 16.500 Euro. Das ist zwar ein Haufen Geld, aber dafür ist er eines der wenigen Autos in dieser Größe, in denen auch größere Menschen halbwegs sitzen können und das serienmäßig mit Automatikgetriebe geliefert wird. Andererseits: Für das Geld bekommt man zum Beispiel auch ein BMW 320i Cabrio mit Automatik, als Gebrauchtwagen von 2002, mit 25.000 km auf der Uhr...

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