Mittwoch, 8. Oktober 2008

Das Ende des Copyright




Wer erinnert sich nicht an die goldenen Zeiten, als das Vermarktungs-Monopol der Musik-Labels massiv angegriffen wurde: CD-Brenner wurden billig, und Napster hatte alles, was man wollte. Meine Güte, nie habe ich in kurzer Zeit so viele neue Musik kennen gelernt. Leider illegal, und seitdem lässt die Musikindustrie nichts unversucht, um Leute, die Musik aus dem Internet laden wollen, zu bevormunden und zu kriminalisieren.
Okay, liebe Labels, hört zu: Ihr habt fertig! Die Firma Tobit - bislang eher bekannt für teure Multichannel-Kommunikationssoftware - hat schon vor einer ganzen Weile eine kostenlose Software namens ClipInc auf den Markt gebracht, die per Mashup ein paar hundert Webradios nach hörbarer Musik abscannt - und diese im Hintergrund mitschneidet. Ich habe ClipInc auf meinen Rechner gepackt, ein paar Radiostationen ausgewählt, die meine Musikrichtung spielen - und einfach mal zwei Tage laufen lassen. Das Resultat waren rund 750 Songs auf meiner Festplatte, alle komplett ID3-getaggt, in DRM-freien MP3-Format, bereit zu meiner persönlichen Verfügung. Man muss sich das so vorstellen, dass ich etwa ein Lied von The Pussicat Dolls hören möchte (mein momentaner Ohrwurm: "When I Grow Up") und mir das Lied einfach aus einer Liste der momentanen "Heavy Rotation" heraussuche. Ein Klick, und das Lied läuft los. Mehr noch: Wenn ich möchte, kann ich mir den Text dazu ansehen, das CD-Cover (sogar in so einem schicken Blättermodus wie beim iPod), oder das Video, oder ich kann die passende CD kaufen.
Ist das legal? Tobit sagt: ja. Man dürfe sich zu seinem persönlichen Bedarf Musik aus dem Radio aufnehmen, und ClipInc tut nichts anderes. Natürlich hat die Lösung noch Macken: Die Tonqualität ist in der Regel schlechter als von CD, außerdem schafft es das System oft nicht, zwischen Musik und Moderation sauber zu unterscheiden, so dass man statt stundenlanger kostenloser, top-aktueller Musik gelegentlich noch etwas Gerede von irgendeinem Moderator oder gar eine Werbungseinblendung mitbekommt. Dennoch, ClipInc versorgt einen ganz einfach mit endloser Musik - ohne DRM, ohne schamlose Wucherpreise, ohne Ärger, ohne Stress.
Das letzte Mal, als ich bei einer Anwendung aus dem Internet wirklich "wow" gesagt habe, war bei einer Präsentation von Microsoft's fulminanter Virtual Earth, der Online-Suchmaschine, die einen in Vogelperspektive aus verschiedenen Richtungen auf Städte blicken lässt. Jetzt habe ich mit ClipInc wieder so ein "Wow"-Erlebnis. Nicht verschwiegen sei an dieser Stelle, dass die Free-Version der Software arg verstümmelt daherkommt (sie kann nur drei Stationen gleichzeitig auswerten). Die Pro-Version kostet 20 Euro, und das ist gut angelegtes Geld - im Gegensatz zum schick aussehenden, aber mau klingenden hauseigenen MP3-Player "Playmate".

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