Montag, 14. Juni 2010

Warum ist eigentlich immer alles so scheiße? (Part one)


Wenn man (wie ich) ein Kraftrad sein Eigen nennt, das inzwischen stolze 18 Jahre alt ist, dann ist es im Sinne einer soliden Haushaltsführung höchst angebracht, anstehende Reparaturen und Wartungsarbeiten möglichst selbst zu machen und nicht wegen jedem Killefitt gleich zur Werkstatt zu rennen. Man kann dazu ja die Zeiten nutzen, wenn das Wetter schlecht ist, und außerdem macht es ja auch Spaß.

Das ist natürlich Bullshit. Denn ich habe keine Werkstatt oder Garage, in der ich schrauben kann, ich schraube an meinem Motorrad unter freiem Himmel. Und wenn es zu sehr regnet, um Motorrad zu fahren, dann ist es auch höchst unangenehm, im Regen auf dem Bürgersteig am glitschigen Mopped herumzuschrauben. Und: Mir macht Schrauben auch keinen besonderen Spaß. Ich muss mich dabei immer sehr anstrengen, schwitze wie verrückt - und der Erfolg meiner Aktivitäten ist keineswegs gewiss.

Manchmal muss es aber irgendwie sein. So hat mein altes Schätzchen mehr oder weniger seit dem Kauf vor fast vier Jahren eine ziemlich gammelige Auspuffanlage (das Bild oben, entstanden im Frühling 2009, soll einen Eindruck vermitteln). Sie tut zwar noch ihren Dienst, ist aber mittlerweile arg rostig. Ich hatte mir von einem netten Menschen im TDM-Forum schon vor Monaten eine neuere, verchromte Auspuffanlage gekauft, die lag im Keller und wartete auf ihren Einsatz. Neulich hatte ich meine Maschine in der Inspektion (Öl wechseln, Bremsleitung vorn tauschen, Bremsflüssigkeit wechseln - nichts für einen glitschigen Bürgersteig), danach klang sie irgendwie anders. Ich fuhr damit rund 70 km zum TDM-Stammtisch - und kam auf dem Rückweg in einen Regen. Danach fing sie das Fehlzünden an, und zwar immer im Schiebebetrieb. Es knallte ganz allerliebst, so als wenn mir der Hobel jederzeit um die Ohren fliegen könnte. Wohlmeinende Menschen im TDM-Forum mutmaßten, der Auspuff könne undicht sein. 

Gute Gelegenheit, dachte ich mir: Du wolltest doch ohnehin den neuen Auspuff dranschrauben. Die Auspuffanlage meiner Yamaha besteht, grob gesagt, aus zwei Abschnitten. Vorne an den Zylindern beginnt der zweiflutige Auspuffkrümmer, er geht unter dem Motor in einen Vorschalldämpfer über, den so genannten Sammler, und von dem gehen dann die zwei Endschalldämpfer ab, die links und rechts am Hinterrad sitzen. Um an den Auspuff heranzukommen, musste ich erst einmal den Hauptständer abschrauben, was recht schnell geht, wenn man daran gedacht hat, sich vorher ein Zugwerkzeug zu besorgen, mit dem man die unter berserkerhaftem Zug stehenden Rückholfedern abheben kann. Ich erinnerte mich noch an die blutigen Schwielen, die ich mir bei der Montage des Ständers ohne dieses Teil geholt hatte - und besorgte mir eins. Nach fünf Minuten lag der Hauptständer neben dem Motorrad.

Nach weiteren zehn Minuten waren alle Schrauben der Auspuffanlage ab - und sie bewegte sich immer noch keinen Millimeter. An der neuen Anlage, die neben dem Motorrad lag, sah ich dann die Halteschraube, die ich vergessen hatte. Allerdings schraubte ich statt ihrer eine ganz ähnliche Schaube ab, die jedoch den hinteren Motor im Rahmen halten sollte. Nachdem ich dann noch die Ritzelabdeckung an der Kette abgeschraubt hatte, kam ich an die richtige Aupuffschraube ran - und schon ließ sich der mit rund acht Kilogramm ziemlich schwere Auspuff vom Motorrad entfernen. Die Verbindung zwischen Sammler und Krümmer machte keine Probleme, denn es fehlte hier ohnehin schon eine Schelle, die Dichtung war komplett zerbröselt und die ganze Anlage an dieser Stelle arg rostig.

Nicht nur die Auspuffanlage, auch der Krümmer. Der hatte nämlich ein ordentliches Loch - kein Wunder, dass die Maschine komisch klang und knallte. 

Nun ist das Entfernen eines Krümmers vom Motor nur theoretisch einfach. Theoretisch kommen aus dem Motorgehäude pro Zylinder zwei Gewindebolzen heraus, auf denen zwei Schrauben sitzen, die je eine Muffe festhalten. Diese Muffe wiederum drückt den Auspuffkrümmer so gegen eine Kupferdichtung, dass Krümmer und Zylinder hermetisch miteinander abschließen.

In der Praxis ist das eine unheimlich heiße Stelle, 600 Grad sind da leicht mal drin. Außerdem sitzt sie voll im Fahrtwind und bekommt Dreck, Streusalz und Schmodder mit. An meiner 18 Jahre alten Maschine dürften die entsprechenden Schrauben das letzte Mal vor etwa 18 Jahren bewegt worden sein.

Wie kriegt man so was auf? Und zwar so, dass nicht die Gewindebolzen beschädigt werden, denn dann kann man den Motor gleich zum Instandsetzer bringen. Also habe ich die ganze Geschichte erst einmal zwei Tage lang mit WD40 Kriechöl eingeweicht und mir währenddessen von einem Kollegen aus dem TDM-Forum einen neuen (gebrauchten) Krümmer gekauft. Ein anderer Kollege war gar so nett und steckte mir die zwei Originaldichtungen dazu in einen Briefumschlag. Wirklich toll.

Am vergangenen Freitag habe ich dann meinen guten Ratschenkasten genommen, die passende Inbus-Nuss auf die große Ratsche gesetzt und die vier vom WD40 eingeweichten Schrauben abgeschraubt. Und - was soll ich sagen: Sie gingen sauber ab.

Danach ging nichts mehr ab.

Der Krümmer sitzt auch ohne Schrauben bomebenfest wie einbetoniert am Motor. Hauen mit dem Hammer, abhebeln etc. haben nichts gebracht. Man könne den Motor warm laufen lassen, riet ein Forumskollege, das könne vielleicht etwas lockern. Aber ohne Auspuff ist mein Motorrad etwa so laut wie die Trompeten von Jericho, es klingt allerdings nicht so lieblich. 

Heute früh habe ich aufgegeben. Am Mittwoch kommt jemand, lädt das Motorrad auf und bringt es in eine Werkstatt. Sollen die doch den Krümmer ab- und den neuen Krümmer wieder drauf tun.

Das hätte ich auch ohne Gewürge haben können. 

Update: Heute habe ich die Maschine von der Werkstatt zurückbekommen. Sie haben VIER Stunden gebraucht, um den Krümmer vom Motor zu bekommen, und alles wieder schön säuberlich zu montieren. Ich rechne jetzt mal eine halbe Stunde für das Ranschrauben der Teile und eine weitere halbe Stunde, weil sie sich wirklich Mühe gegeben und alle möglichen Teile entrostet und abgeschmiert haben. Bleiben DREI Stunden, um den Scheiß-Krümmer abzubekommen. Ich hatte ihnen ausdrücklich gesagt, dass der Krümmer ohnehin Schrott ist und dass der die Aktion nicht überleben muss. Hat er auch nicht. Ich habe mir die Trümmer angesehen - muss ein furchtbares Gemetzel gewesen sein.

Der Krümmer hat verloren. Aber er hat sein kleines, mieses Leben teuer verkauft. 

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