Freitag, 20. November 2015
Onliner helfen Flüchtlingen
Donnerstag, 27. Februar 2014
Warum Wulff der falsche Mann am falschen Ort war
Dennoch bin ich froh, dass das unwürdige Schauspiel vor dem Landgericht Hannover jetzt vorbei ist. Es ist berechtigt und für den Rechtsfrieden notwendig, dass sich ein Staatsoberhaupt auch vor Gericht verantworten muss, wenn es im Verdacht steht, Recht gebrochen zu haben. Aber dann muss ein solches Verfahren auch zügig durchgezogen werden. Wulff selbst hätte das Verfahren abkürzen können, wenn er einen Strafbefehl akzeptiert hätte. Dass er das nicht wollte, kann ich verstehen. Dass die Staatsanwaltschaft nicht aufstecken wollte, als sie sah, wohin das Ganze führt, dafür fehlt mir das Verständnis.
Was dieses lange Gerichtsverfahren in Vergessenheit zu geraten droht, ist jedoch der eigentliche Skandal. Wulff war für den Posten des Bundespräsidenten nie geeignet. Er war zu jung, er war zu hungrig und politisch nicht überparteilich genug. Das wusste jeder, weshalb die Wahl Wulffs dann auch zur Zitterpartie geriet. Es war Angela Merkel, die Wulff unbedingt im Schloss Bellevue haben wollte - vermutlich um der SPD nicht den Triumph zu gönnen, ihren, den besseren Kandidaten, ins Amt zu bringen - und um einen weiteren innerparteilichen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Das war ein großer politischer Fehler, der der Bundeskanzerin merkwürdigerweise nie zum Schaden gereichte.
Wulff will jetzt angeblich wieder als Anwalt arbeiten. Das ist gut so, denn einen Ruf hat er dort nicht mehr zu verlieren.
Freitag, 23. August 2013
"Except in Nebraska"
Übrigens: Wenn ihr wissen wollt, warum der gute Mann am Ende sagt "Except in Nebraska", dann müsst ihr hier klicken: Klick
Mittwoch, 7. August 2013
Gejammer ohne Folgen
Was denkt man sich bei der NSA eigentlich dabei, das Internet einfach so total zu überwachen? Vermutlich nichts, denn schließlich ist das Internet Eigentum der USA. Es wurde von der US-Armee – damals noch als Arpanet – initiiert. Der Sitz der Internet-Verwaltungsorganisation ICANN ist in Los Angeles, die ICANN selbst unterliegt kalifornischem Recht und operiert auf Basis eines Vertrags mit dem US-Wirtschaftsministerium. Die größten Internet-Unternehmen der Welt sitzen in den USA: Google, Amazon, eBay und Facebook haben global wenig Konkurrenz zu fürchten. Das mobile Web ist fest im Griff der US-Konzerne: Fast 100 Prozent aller aktuellen Smartphones laufen mit Betriebssystemen aus Amerika. Natürlich können wir in unseren Facebook Timelines von Angela Merkel fordern, dass sie die NSA in ihre Schranken weist und auf die Einhaltung deutschen Rechts pocht. Allein: Es wird nichts nützen. Wir haben uns viel zu bereitwillig in die Abhängigkeit von einer Technologie begeben, die in beispiellosem Umfang von den USA dominiert wird.
Welche Alternativen gibt es? Bei Licht betrachtet wenige. Es wäre theoretisch denkbar, dass wir ein europäisches Internet-Pendant aufbauen. Doch könnte das genauso attraktiv für die Nutzer und unbürokratisch für die Anbieter ausfallen, wenn es von einer EU-Arbeitsgruppe erdacht würde? Wir könnten darauf verzichten, Angebote von US-Diensten zu nutzen – also Ixquick statt Google, Otto statt Amazon, Quoka statt eBay, Symbian statt iOS. Würde das die NSA daran hindern, weiter das Internet auszuspionieren? Vermutlich nicht. Aber es könnte der erste Schritt sein zu einer europäischen Internet-Kultur, die sich an unseren Bedürfnissen orientiert – und an unserem Rechtsrahmen.
Diesen Beitrag habe ich in der Ausgabe 15/2013 der Fachzeitschrift INTERNET WORLD Business veröffentlicht
Montag, 21. Januar 2013
Red-Bullet.net - Das Blog zum Buch
Freitag, 2. November 2012
Von Telefonen und Halloween
Was hat das alles mit einem Sprachstreit zu tun? Nun, das Philipps Porty war damals weder das erste noch das einzige Mobiltelefon, das man an einem Griff tragen konnte. AEG hatte zum Beispiel ein Gerät namens Telecar im Programm, welches für den Einbau in Autos konzipiert war und ähnliche Abmessungen besaß. Wer ein Telecar zum Tragen haben wollte, nahm das AEG Teleport. Doch "Porty" war einfach griffiger als "Teleport". Recht bald entwickelte sich die Verkaufsbezeichnung Porty zu einem generischen Begriff für ein Funktelefon in Kofferformat mit separatem Hörer und Tragegriff - genau wie heute "Tempo" für ein Papiertaschentuch, "Pritt" für einen Klebestift und "Uhu" für einen flüssigen Alleskleber - obwohl auch Uhu Klebestifte herstellt.
Viel Zeit, sich in das Sprachgedächnis einer Nation einzuprägen, hatte der Begriff "Porty" jedoch nicht, denn während Deutschland noch darüber stritt, wer so wichtig war, dass er ein paar tausend Mark für ein Telefon zu zahlen bereit war, schritt die Technik unaufhaltsam fort. Schon bald beherrschten Mobiltelefone den Markt, die keinen separaten Hörer mehr brauchten, sondern selbst der Hörer waren. Diese Technik faszinierte die massen - und überforderte die eine oder andere Marketing-Abteilung. So vermarktete die frisch gegründete Deutsche Telekom eins der ersten dieser neuen, kompakten Telefone unter dem Namen "Pocky". Die Assoziation ist klar: Der Hauptunterschied des Pocky zu einem Porty war seine Größe - man konnte es buchstäblich in die Tasche stecken. Nur klingt "Pocky" halt wie "Pocken", ein Krankheitsbild, das im deutschen Sprachraum eher schlecht beleumundet ist.
Also ist jemand auf den lautmalerischen Begriff "Handy" für ein Funktelefon gekommen, das so klein ist, dass man es problemlos in der Hand halten kann. Ein sehr guter Begriff, der in anderen Ländern seine Entsprechung sucht. So ist die im angloamerikanischen Sprachraum weit verbreitete Bezeichnung Cell-Phone nur ein Hinweis auf die Mobilfunktechnik, ähnlich wie das Schweizerische Natel, welches auf das Mobilfunknetz Natel-D Bezug nimmt. Immerhin, in Italien hat sich für das Handy die Bezeichnung "Telefonino" eingebürgert, also "Telefonchen". Dieser schön klingende Begriff hat allerdings fünf Silben, "Handy" hat nur zwei. Das passt gut zu den Sprachen: Man lasse einen Italiener und einen Deutschen ein und denselben Sachverhalt in ihrer Muttersprache vermitteln - und stellt fest, dass der Italiener sich schöner anhört, aber länger braucht. Deutsch und Englisch gehören eben zu den eher kurzen Sprachen - Italienisch und Griechisch zu den längeren.
Allerdings hat es "Handy" als Wort in Deutschland schwer. Auch 20 Jahre nach seinem Auftauchen im hiesigen Sprachraum nehmen es selbst ernannte Sprachpfleger als Beleg für die angloamerikanische Verschmutzung unserer Muttersprache - ohne wirklich begründen zu können, wo eigentlich genau ihr Problem ist. Zu diesen Leuten gehört Walter Krämer, Vorsitzender des Vereines für deutsche Sprache. Krämer ist offensichtlich grundsätzlich gegen ausländische Einflüsse auf unsere Kultur - und wird dafür in meinen Augen viel zu selten öffentlich abgewatscht. Deshalb kann ich den Artikel meines Kollegen Stefan Niggemeier nur zum Lesen empfehlen, auch wenn es dort nicht primär um Handys geht, sondern um Halloween.
Samstag, 13. Oktober 2012
Warum ich gegen den Nobelpreis für die EU bin
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| Das EU-Parlament in Strasbourg an einem Montag im Juli |
Was den Grad der grundsätzlichen Europa-Begeisterung angeht, so bin ich mit großer Sicherheit im oberen Drittel zu finden. Als jemand, der im Kalten Krieg seinen Wehrdienst abgeleistet und zur Zeiten der Mauer in Westberlin studiert hat, weiß ich sehr wohl, wie schrecklich es ist, wenn jenseits der (nahen) Grenze Staaten liegen, die einem feindlich gesonnen sind. Und noch heute fühle ich eine tiefe innere Befriedigung, wenn ich über eine Grenze fahre, an der man vor 20 Jahren noch seinen Pass vorzeigen musste - und je nach Laune des Grenzbeamten auch den Inhalt seines Kofferraums. Dasselbe gilt für den Euro: Er ist nicht nur ein enorm praktisches Zahlungsmittel, das übrigens gemessen am Dollar heute nicht schlechter dasteht als zu seiner Einführung. Er ist auch Ausdruck einer Gemeinschaft. Zum ersten Mal seit 60 Jahren ist Deutschland an all seinen Grenzen umgeben von Staaten, die ihm nicht feindlich gesonnen sind. Wer das nicht zu schätzen weiß, ist entweder dämlich oder hat einfach keine harten Zeiten erlebt.
Was mich stört, das ist die Anmaßung des kleinen Nobelpreis-Komitees aus dem kleinen Land Norwegen, einen gigantischen Staatenbund mit 500 Millionen Einwohnern für seine Friedensliebe auszuzeichnen - mit einem in diesem Maßstab albernen Preisgeld von weniger als einer Million Euro. Die Idee Alfred Nobels war es, nicht Organisationen, Länder oder gar Kontinente auszuzeichnen, sondern Einzelpersonen für ihr Lebenswerk zu würdigen. Das zeigte sich beim ersten Preisträger Henri (auch Henry geschrieben) Dunant. Er war der Initiator des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes. Nicht das IKRK bekam den Preis, sondern der Mensch Dunant - obwohl er allein natürlich nicht die ganze Arbeit geleistet hat. Mich hat auch schon die Vergabe des Friedensnobelpreises an Barack Obama gestört, denn seine persönliche Lebensleistung rechtertigt diese Auszeichnung nicht, und die juristische Person des Präsidenten der USA auszuzeichnen, das ist ebenso anmaßend wie jetzt die Verleiung an die EU.
Es gibt Menschen, die die Idee der Europäischen Union entscheidend vorangetrieben haben, mir fallen da als erstes der ehemalige EU-Kommissionspräsident Jacques Delors und natürlich Helmut Kohl ein. Ich war und bin kein Parteigänger Kohls, und ich fand vieles, was er in seiner politischen Laufbahn gemacht hat, falsch. Aber wenn Kohl eins in seinem Leben auf die Reihe gekriegt hat, dann war das die Wiedervereinigung Deutschlands, eingebettet in einem gesamteuropäischen Kontext, der nicht nur Deutschland genützt hat, sondern der ganzen Welt. Und ohne Jacques Delors hätten wir heute nicht den EU-Binnenmarkt, uns allen ginge es mit großer Sicherheit wirtschaftlich schlechter - und ob der Frieden innerhalb Europas ohne das weit gespannte Netz der gegenseitigen wirtschaftlichen Interessen heute genauso sicher wäre, das ist eine Frage, die man durchaus einmal stellen sollte.
Wie fehlerhaft die Entscheidung Oslos war, den Nobelpreis nicht einem Menschen, sondern einem Apparat zu verleihen, zeigt sich bereits an einem Detail: Niemand weiß bisher, wer die Urkunde entgegennehmen soll. Die EU ist eben nicht ein Mensch, sondern eine Idee - wenn auch eine gute.
Donnerstag, 17. Mai 2012
R.I.P. Donna Summer (31. 12. 1948 - 17. 5. 2012)
Man muss kein Disco-Fan sein, um mir zuzustimmen: Donna Summer war eine ganz Große.
Sonntag, 12. Februar 2012
R.I.P. Whitney Elizabeth Houston (9. August 1963 - 11. Februar 2012)
Ihr Tod ist wirklich tragisch.
Freitag, 20. Januar 2012
Wofür das ZDF mein Geld rausschmeißt
Heute am Münchner Hauptbahnhof: Seit Tagen zeigen im gesamten Bahnhof die neuen, großen, beleuchteten Außen-Werbekästen von Ströer Out of Home Media neben der Werbung für den neuen, missratenen Media Markt Online Shop vor allem Werbung für eins: Für den aufwändig mit GEZ-Gebühren produzierten, allwöchentlichen "Fernsehfilm der Woche" des ZDF. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Ich bin ein großer Freund des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und zahle bereitwillig jeden Monat meine Gebühren. Wer wissen will, wie eine Fernsehlandschaft ohne starke, unabhängige, von der Öffentlichkeit finanzierte Radio- und Fernsehsender aussieht, der möge einfach einmal in die USA fahren und dort in einem Motel den Fernseher einschalten, dann weiß er, wovon ich spreche. Donnerstag, 1. Dezember 2011
R.I.P. Zdeněk Miler (21. 02. 1921 - 30. 11. 2011)
Der Schöpfer der tschechischen Kinderfilme um den kleinen Maulwurf ist gestern gestorben. Mehr über das Leben dieses wunderbaren Künstlers kann man hier erfahren.
Mittwoch, 26. Oktober 2011
"Das ist ein absoluter Super-GAU"

Ich weiß nicht, wo der Glücksstadter Stadtrat John Witt am 10. November 1982 war -am Tag, als Leonid Iljitsch Breschnjew starb. Ich hatte an diesem Tag Wachdienst in der Freiherr-von-Boeselager-Kaserne in Munster in der Lüneburger Heide. Ich war Angehöriger der Bundeswehr, einer Armee von 495.000 Mann, die bis an die Zähne hochgerüstet darauf wartete, dass aus dem Kalten Krieg ein heißer wurde. Die meisten von uns gingen davon aus, dass wir einen solchen Krieg nicht gewinnen konnten - und überleben auch nicht.
Montag, 30. Mai 2011
Achtung: Terror!
Dienstag, 22. Februar 2011
Guttenberg ist untragbar
Dienstag, 17. August 2010
Street View: Das wird lustig
Gerade eben hatte ich ein interessantes Gespräch mit A&O, der PR-Agentur von Google über das neue Online-Formular zum Widersprechen gegen eine Abbildung des eigenen Grundstücks auf Street View. Und ich glaube, da werden ein paar lustige juristische Auseinandersetzungen auf die Zunft zukommen.Das Procedere ist so: Man widerspricht online unter Angabe seiner Postadresse. Man muss keinen "Titel" beifügen, dass man überhaupt zu einem solchen Widerspruch berechtigt ist. Daraufhin schickt Google eine Bestätigung per Post mit einem Bestätigungscode. Damit soll sichergestellt sein, dass derjenige den Widerspruch eingelegt hat, der da auch tatsächlich wohnt.
Sobald der Widerspruch bestätigt wurde, löscht Google die entsprechenden Bilddaten in den Rohdaten. Dieser Vorgang ist nicht rückgängig zu machen, es sei denn, durch erneute Aufnahmen mit einem Google-Auto.
Grundsätzlich gilt die Regel: Provatsphäre geht vor. Das bedeutet, wenn einer aus dem Haus widerspricht, wird das ganze Haus gelöscht, selbst wenn andere gern ihre Wohnung auf StreetView haben würden.
So weit die Fakten.
Jetzt kommen wir zu den Widersprüchlichkeiten: Was ist, wenn ich ein Gebäude besitze, dies nicht auf StreetView haben möchte, dort aber nicht postalisch erreichbar bin, weil ich dort nicht wohne? Was ist, wenn ein Mieter die Wohnung hat löschen lassen, und dann zieht er um? Was ist, wenn eine Wohnung verkauft wird?
Und vermutlich könnte man auch fremde Häuser löschen lassen: Bei der Post online einen Nachsendeantrag stellen, in dem man sich als Bewohner einer bestimmten Adresse ausgibt und sich die Post an eine andere Adresse zustellen lässt. Dann den Bestätigungsbrief abgreifen, Code bestätigen und schon sind die Rohdaten Geschichte. Wenn ich sehe, mit welch krimineller Energie sich zum Beispiel Spammer überall reindrängeln, bin ich mal gespannt, was übelmeinenden Gesellen zu StreetView einfällt. Der Wettbewerber hat ein Ladengeschäft? Raus damit!
So wie ich das verstanden habe, hat sich Google verpflichtet, nach der Löschung der beanstandeten Abbildungen aus den Rohdaten auch die Daten der Einspruchsgeber zu löschen. Wie will Google dann Upgrades fahren? Schließlich verändern sich ja Innenstädte schon einmal.
Montag, 16. August 2010
Motorradfahren ist gefährlich!
Wer Motorrad fährt, stellt mit Verwunderung fest: Für viele seiner Mitbürger ist er schon so gut wie tot. Offenbar wird das Gefahrenpotenzial auf einem motorisierten Zweirad irgendwo zwischen Basejumping und Russisch Roulette eingestuft. So sehr ich es zu schätzen weiß, wenn sich andere Leute meinen Kopf zerbrechen (obwohl ich selbst lieber einen Helm trage, um ebendies zu verhindern): Die Wirklichkeit sieht etwas anderes aus. Dass die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel in München nicht ohne Risiken ist, weiß man nicht erst seit dem Fall Dominik Brunner. Aber die wirkliche Gefahr lauert am Bordstein. Laut einem Bericht in der "Süddeutschen Zeitung" wurden im Jahr 2007 in München 24 Menschen bei Verkehrsunfällen getötet. Davon waren 16, also zwei Drittel, Fußgänger. Von diesen 16 Getöteten waren wiederum 12 Senioren im Rentenalter. Um in München im Straßenverkehr zu überleben, sollte man also besser nicht alt und nicht zu Fuß unterwegs sein. Die öffentlichen Verkehrsmittel sollte man meiden, denn nicht nur die Insassen sind brandgefährlich, sondern auch die Vehikel selbst (siehe Foto).- Jung sein
- nicht zu Fuß unterwegs sein
- öffentliche Verkehrsmittel meiden
Donnerstag, 17. Juni 2010
Wer ist eigentlich dieser Joachim Gauck?
Ich kann mich an keinen Bundespräsidenten seit Karl Carstens erinnern, der bei seiner Wahl im Volk so umstritten war wie Christian Wulff. Bei Carstens lagen die Gründe auf der Hand: Er war Mitglied in der NSDAP gewesen, außerdem bei der SA - es erschien damals für Viele in Deutschland undenkbar, einem Menschen mit einer solchen Nazi-Karriere das höchste Staatsamt zu geben. Allerdings erfüllte Carstens mehrere Voraussetzungen, die Wulff nicht erfüllt: Carstens war am Ende seiner (partei-) politischen Karriere angekommen, außerdem hatte er als Bundestagspräsident seine Eignung für das Ausfüllen überparteilicher politischer Ämter bewiesen.
Als Carstens schließlich im Amt war, erfüllte er die in ihn gesetzten Erwartungen im besten Sinne - indem er im Wesentlichen gar nichts tat. Er ist nicht für seine aufrüttelnden Reden bekannt geworden, wie etwa ein Richard von Weizsäcker oder ein Roman Herzog. Er ist in Erinnerung geblieben, weil er die Republik durchwandert hatte. Kein schlimmer Fauxpas ist bekannt geworden - aber auch kein politischer Impuls ist hängen geblieben.
Auch von Wulff werden wir wahrscheinlich im besten Falle erwarten können, dass er keinen Ärger macht. Aber erwartet ernsthaft jemand, dass Wulff als Bundespräsident dieses Land nach vorne bringt? Er ist ja schon als Ministerpräsident kaum durch herausragende politische Ideen aufgefallen. Er hat einfach so lange kandidiert, bis sich die Niedersachsen an ihn gewöhnt hatten und die SPD schließlich keinen echten Widersacher mehr im Köcher hatte - dann ist er Ministerpräsident geworden. Mit gerade einmal 50 Jahren ist Wulff auch nicht am Ende seiner politischen Karriere. Selbst wenn - was die politischen Begleitumstände verhindern mögen - Wulff zwei Amtszeiten als Bundespräsident hinter sich bringt, ist er immer noch erst 60 Jahre alt, zu jung, um von der politischen Bühne abzutreten. Dazu ist Wulff ein aktiver Landespolitiker und CDU-Präsidiumsmitglied - Überparteilichkeit ist da kaum zu erwarten. Es keimt der unangenehme Verdacht auf, dass Angela Merkel ihrer Partei mit der Kandidatur Wulffs eine Machtbasis sichern will, solange sie noch die Macht dazu hat. So, Frau Merkel, ist dieses Amt aber eigentlich nicht gemeint.
Das Volk hat sich eine klare Meinung zu Christian Wulff gebildet: Das Magazin "Stern" zitierte eine Meinungsumfrage des Forsa-Institutes, wonach 32 Prozent der Bundesbürger Christian Wulff zum Bundespräsidenten wählen würden - das ist etwa soviel, wie die CDU im Moment bei Wahlen erreichen kann. Joachim Gauck, der Kandidat, den SPD und Grüne ins Spiel gebracht haben, erfüllt alle Kriterien, die ein guter, ein richtungsweisender Bundespräsident erfüllen muss. Er ist (obwohl der CDU zugetan) überparteilich und muss sich politisch niemandem mehr beweisen. Er ist für jeden aufrechten Demokraten ohne Probleme wählbar - und dass die Linke ihn nicht unterstützt, fällt eher auf die Linke zurück als auf Gauck.
Angela Merkel muss sich ernsthaft fragen, was sie eigentlich geritten hat, einen Parteisoldaten für das Amt vorzuschlagen, wenn sie doch gestandene Persönlichkeiten wie Gauck hätte fragen können.
Ich würde mich freuen, wenn Joachim Gauck unser nächster Bundespräsident würde. Auch Tschechien hatte die Größe, einen Dissidenten zum Staatspräsidenten zu machen.
Um zu sehen, wie dieser Joachim Gauck tickt, hier eine Rede, die er aus Anlass des 20. Jahrestages des Mauerfalls gehalten hat. Die Rede ist leider über eine Stunde lang, und die Synchronisation ist etwas aus dem Tritt. Dennoch: Man stelle sich mal vor, was Christian Wulff zu diesem Thema gesagt hätte.
Dienstag, 2. Februar 2010
Stuttgart rund um die Uhr
stuttgart24h from stuttgart24h on Vimeo.
Der besonderen Aufnahmetechnik ist auch die überragende Bildqualität zu verdanken. Sie kommt am besten auf einem großen Widescreen-Monitor mit entsprechender Auflösung zur Geltung. Die Musik zum Film hilft (ist aber in meinen Augen Geschmackssache). So habt Ihr Schtuagard noch nie gesehen;-)
Dienstag, 26. Januar 2010
"My English makes me nobody after"
Aber der ist dann auch nicht EU-Kommissar geworden.
(Ton zwingend erforderlich. Beißholz auch.)
Montag, 11. Januar 2010
Bye Bye, AOL Deutschland
Es war im Sommer 1995. Ich war als Redakteur bei der Consumer-Electronics-Zeitschrift HiFi Vision zuständig für Computer und Neue Medien. Wer damals online gehen wollte, hatte mehr oder weniger zwei (halbwegs bezahlbare) Optionen: CompuServe oder T-Online. Dann kam der Paukenschlag: America Online, der damals größte und modernste Onlinedienst der Welt, wollte sich mit Bertelsmann zusammentun, dem damals größten Medienhaus Europas - und die Konkurrenz wegfegen.
AOL sollte das neue Kind heißen - und ich gehörte zu dem kleinen Kreis der Privilegierten, die zum Beta-Test eingeladen wurden. Die Diskette, die man mir damals zuschickte, habe ich heute noch. Und als ich im Oktober 2009 Marianne Stroehmann traf, damals seit einem knappen Jahr Chefin der AOL-Werbetochter AOL Advertising, erzählte ich ihr davon. Eine solche Diskette, mutmaßte Stroehmann, sei heute bestimmt einiges wert.
Zwei Monate später - kurz vor Weihnachten, wurde Stroehmann Geschäftsführerin von AOL Deutschland. Ich schrieb ihr eine Glückwunsch-Mail und bat sie um ein Interview nach den Weihnachtsfeiertagen. Sie bedankte sich und sagte zu.
Heute morgen um zehn war unser Interview-Termin. Ich wartete vor meinem Computer auf den Anruf aus der AOL-Zentrale - er kam nicht. Am Nachmittag erreichte mich eine anonyme Mail: Bei AOL würden die Lichter ausgehen, ein Drittel der Gesamtbelegschaft müsse gehen, in Europa gar jeder Zweite. Ein Nachbohren beim Pressesprecher brachte die Gewissheit: AOL Deutschland wird dicht gemacht, alle Büros geschlossen, 140 Mitarbeiter gekündigt.
So schade es ist, diesen großen Namen aus der deutschen Internet-Szene verschwinden zu sehen - es war vorhersehbar: Seit der DSL-Revolution von T-Online im Jahr 2000 war AOL auf dem absteigenden Ast. Das Konzept eines geschlossenen Portals hatte sich überlebt, damit auch das Alleinstellungesmerkmal von AOL. 2006 gab man das Zugangsgeschäft auf, noch ein Grund weniger für ehemalige AOL-Kunden, ausgerechnet die AOL-Seiten anzusurfen.
Dass Stroehmanns neuer Bürostuhl ein heißer sein würde, hatte ich geahnt. Innerhalb von nur zwei jahren war sie die dritte Deutschland-Statthalterin. Dass der Stuhl so heiß sein würde, wusste ich freilich nicht.
Meine AOL-Mailadresse habe ich noch. Mal sehen, wie lange sie noch funktionieren wird.





