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Dienstag, 19. November 2013

Premiere: Lieblingskatze.net ist online


Heute ist ein großartiger Tag: Lieblingskatze, das neue Online-Magazin für Katzenfreunde, geht an den Start. Schaut es euch einmal an, der Besuch lohnt sich: www.lieblingskatze.net

Mittwoch, 7. August 2013

Gejammer ohne Folgen


Was denkt man sich bei der NSA eigentlich dabei, das Internet einfach so total zu überwachen? Vermutlich nichts, denn schließlich ist das Internet Eigentum der USA. Es wurde von der US-­Armee – damals noch als Arpanet – initiiert. Der Sitz der Internet-Verwaltungsorganisation ICANN ist in Los Angeles, die ICANN selbst unterliegt kalifornischem Recht und operiert auf Basis eines Vertrags mit dem US-Wirtschaftsministerium.  Die größten Internet-Unternehmen der Welt sitzen in den USA: Google, Amazon, eBay und Facebook haben global wenig Konkurrenz zu fürchten. Das mobile Web ist fest im Griff der US-Konzerne: Fast 100 Prozent aller aktuellen Smartphones laufen mit Betriebssystemen aus Amerika. Natürlich können wir in unseren Facebook Timelines von Angela Merkel fordern, dass sie die NSA in ihre Schranken weist und auf die Einhaltung deutschen Rechts pocht. Allein: Es wird nichts nützen. Wir haben uns viel zu bereitwillig in die Abhängigkeit von einer Technologie begeben, die in beispiellosem Umfang von den USA dominiert wird.
Welche Alternativen gibt es? Bei Licht betrachtet wenige. Es wäre theoretisch denkbar, dass wir ein europäisches Internet-Pendant aufbauen. Doch könnte das genauso attraktiv für die Nutzer und unbürokratisch für die Anbieter ausfallen, wenn es von einer EU-Arbeitsgruppe erdacht würde? Wir könnten darauf verzichten, Angebote von US-Diensten zu nutzen – also ­Ixquick statt Google, Otto statt Amazon, Quoka statt eBay, Symbian statt iOS. Würde das die NSA daran hindern, weiter das Internet auszuspionieren? Vermutlich nicht. Aber es könnte der erste Schritt sein zu einer europäischen Internet-Kultur, die sich an unseren Bedürfnissen orientiert – und an unserem Rechtsrahmen.

Diesen Beitrag habe ich in der Ausgabe 15/2013 der Fachzeitschrift INTERNET WORLD Business veröffentlicht

Montag, 21. Januar 2013

Red-Bullet.net - Das Blog zum Buch

Kleiner Hinweis in eigener Sache: Unter www.red-bullet.net ist ab sofort das Blog zum Roman Red Bullet erreichbar. Dort werde ich Geschichten aufgreifen, die thematisch zum Buch passen. Aktuell online: Bilder von der Mondsonde Grail kurz vor ihrem Absturz. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen.

Montag, 14. Januar 2013

Kampagnenjournalismus

"Focus Online" nennt sie nur noch die "Zwangsgebühr" und stachelt seine Leser zu immer neuen Hasstiraden gegen eine Säule der Demokratie an: Den offentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖRR) und die Gebührenfinanzierung.

Damit befindet sich der Onlinedienst aus dem Hause Burda in bester Gesellschaft: Auch "Bild" lässt nichts unversucht, die Rundfunkgebührenreform als asozial und ungerecht darzustellen.

Hinter diesem Kampagnenjournalismus steckt Methode. Es geht gar nicht um die längst überfällige Umstellung der Gebührenfinanzierung von einer Geräte- auf eine Haushaltsbasis, es geht um die Gebührenfinanzierung an sich. Sie erlaubt es nämlich ARD und ZDF, ein qualitativ unerreicht gutes Programm zu machen, ohne sich den Gesetzen des Boulevard zu unterwerfen. Und das stinkt den privaten Medienunternehmern in diesem Land, seitdem es den ÖRR gibt.

Mich erstaunt in der ganzen Debatte, wie schwach das Wissen um die historischen Gründe für die Einführung des ÖRR-Systems ausgeprägt sind. Die Schöpfer unseres Grundgesetzes hatten vor Augen, welch unheilvolle Wirkung die Kombination aus einem politisch einseitigen Mediengiganten wie Alfred Hugenberg und der staatlichen Propagandakontrolle über den Rundfunksektor entfaltet hat. Deshalb beschlossen sie, dass der Rundfunk in der Bundesrepublik Deutschland föderal organisiert und staatsfern zu sein hat. Staatsfern, das bedeutet auch: Nicht staatlich finanziert, deshalb dürfen ARD und ZDF nicht aus Steuermitteln finanziert werden, sondern müssen eine eigene Gebühr erheben.

Seitdem es diese Gebühr gibt, wollen sich immer wieder Schlauberger darum drücken mit der Begründung. "Wieso, ich gucke doch nur Private!". Doch die Schöpfer des Grundgesetzes haben den ÖRR als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe definiert, die nicht nur von denen bezahlt wird, denen der ÖRR etwas wert ist, sondern von allen. Es ist wie mit U-Bahnen, öffentlichen Schwimmbädern und Stadtbüchereien: Man muss auch für ihren Betrieb und Ausbau zahlen, selbst wenn man sie nicht nutzt. Und das ist auch gut so. Müssten nämlich U-Bahnen sich aus ihren eigenen Einnahmen decken, dann gäbe es weniger davon - und das würden auch die Nicht-U-Bahnfahrer merken, es wären dann nämlich mehr Menschen auf der Straße unterwegs.

Es gibt auch in manchen Ländern, in denen es keine Bestandsgarantie für öffentlichen Rundfunk gibt, nichtkommerzielles Radio und Fernsehen. Doch dort hat es keine Chance, im Konzert der kommerziellen Stationen Gehör zu finden, denn guter Journalismus kostet Geld, viel Geld. Anders in Großbritannien (BBC) und in Deutschland (ARD/ZDF): Hier ist der ÖRR so ausgestattet, dass er eine Programmgüte abliefern kann, die den ÖRR im Relevant Set der Zuschauer verankern, denn der beste Informationsrundfunk ist nichts wert, wenn ihn keiner sieht.

Für den privaten Rundfunk ist der ÖRR eine lästige Konkurrenz, deshalb agitiert er unablässig gegen den ÖRR - unterstützt von Politikern vor allem als dem konservativen Lager. Das verwundert nicht, denn einen ernst zu nehmenden investigativen TV-Journalismus haben die Privaten in Deutschland noch nie hinbekommen, schon ein Polit-Magazin wie "Monitor" sucht bei Pro7 & Co. seine Entsprechung vergeblich.

Es mag sein, dass es Leute stört, dass sie Volksmusik im Ersten vorgesetzt bekommen, aber Arte, 3sat und ZDF Neo einmal einberechnet, gibt es zu jeder Zeit genügend Alternativen. Dazu die Möglichkeit, auf dem PC, dem Smartphone oder dem Tablet diverse Mediatheken zu nutzen. So was ließe sich durch Werbeeinnahmen allein schwerlich finanzieren, deshalb würde es das auch nicht geben, selbst wenn der ÖRR einfach abgeschafft würde. Und ehrlich: Wann hat das Privatfernsehen in Deutschland das letzte Mal einen bedeutenden Politikskandal aufgedeckt?  

Samstag, 12. Januar 2013

Ich hab's getan: Red Bullet


Seit einer Woche ist es jetzt auf dem Markt: Mein erstes Buch. Es ist als Kindle-eBook bei Amazon erhältlich, hat inzwischen schon einige Abnehmer gefunden, und eine erste Rezension gibt es auch schon.

Das ist alles ganz schön aufregend.

Red Bullet ist ein Verschwörungsroman. Die Story: Ein finnisches Fischerboot findet im Nordatlantik eine mysteriöse, sowjetische Raumkapsel, die dort offensichtlich schon seit Jahrzehnten im Wasser treibt. Die Kapsel wird geborgen und zur weiteren Untersuchung nach Helsinki gebracht. Ray Higgins, Pressesprecher des NASA, wird von seinem Chef nach Finnland geschickt, um dort gemeinsam mit der ebenso schönen wie ehrgeizigen Fernsehjournalistin Fiona Mulholland eine Reportage über die Untersuchung der Kapsel zu drehen. Was als reiner PR-Einsatz beginnt, gerät bald aus den Fugen, denn eine geheimnisvolle Macht versucht alles, um zu verhindern, dass das Geheimnis der Kapsel gelüftet wird. Und schreckt dabei auch vor Mord und Zerstörung nicht zurück.

Warum habe ich dieses Buch geschrieben? Die Geschichte der bemannten Raumfahrt - und besonders das Rennen zum Mond - ist für mich eine der faszinierendsten Abschnitte des 20. Jahrhunderts. Wer einmal im Kennedy Space Center in Florida vor einer Apollo-Kapsel gestanden und sich vorgestellt hat, dass mit einer solchen Keksdose Menschen zum Mond und zurück geflogen sind, der kommt nicht umhin, den Beteiligten größten Respekt zu zollen. Gleichzeitig fand das wohl größte Abenteuer der Menschheit mitten im Kalten Krieg statt - ohne den Kalten Krieg hätte es womöglich gar nicht stattgefunden. Noch heute sind die Amerikaner - und auch die Russen - unermesslich stolz auf ihre Erfolge im Weltraum. Ein ideales Feld, um einen Verschwörungsroman anzusiedeln.

Für mich war die Arbeit am Roman eine sehr intensive Zeit. Als Journalist bin ich es gewohnt, mich erstens an die Fakten zu halten und zweitens mit allem, was ich schreibe, nach wenigen tausend Zeichen fertig zu sein, schließlich haben wir ja nicht unendlich viel Platz im Heft. Aus Dichtung und Wahrheit eigene Fakten zu schaffen, das war eine ganz neue Erfahrung. Obwohl Handlung und Personen natürlich frei erfunden sind, wollte ich ein möglichst realistisches Buch schreiben, alles, was in "Red Bullet" passiert, sollte auch möglich erscheinen. Am Ende habe ich - obwohl die ganze Handlung in meinem Kopf entstanden ist - doch erstaunlich viel recherchieren müssen. Aber es hat mir großen Spaß gemacht.

Warum gibt es Red Bullet nicht auf Papier? Es war schon immer schwer, einen Verlag davon zu überzeugen, das Buch eines unbekannten Autors zu verlegen. Inzwischen, so haben mir Kollegen versichert, ist es fast aussichtslos. Anstatt deutsche Autoren aufzubauen, kaufen die Verlage lieber Lizenzen von Romanen, die im Ausland bereits gelaufen sind. Ich habe das Manuskript einer Reihe von Verlagen angeboten, die eine Hälfte hat mit einem nichtssagenden Formschreiben abgesagt, die andere noch nicht einmal das. Vom Lektor eines großen deutschen Verlages habe ich gehört, dass dieser Verlag in den fünf Jahren, in denen dieser Mann dort arbeitet, noch kein Manuskript verlegt hat, das ihnen unaufgefordert angeboten wurde. Zum Glück gibt es inzwischen Alternativen: Man kann sein Buch selbst verlegen oder als eBook herausbringen. Bei den üblichen Print-on-Demand-Plattformen gibt es allerdings ein kleines Problem: Der Roman ist recht umfangreich - als Paperback-Ausgabe würde er auf über 500 Seiten kommen. Damit sind die meisten PoD-Plattformen überfordert - und jedes einzelne Buch würde auch sehr teuer.

Warum Amazon Kindle, warum nicht ein offenes Format? Wenn ich jemanden in der U-Bahn sehe, der auf einem eBook-Reader liest, dann ist es in acht von zehn Fällen ein Kindle. Die Amazon Self-Publishing-Plattform funktioniert für den Autor schnell und einfach. Außerdem bietet Amazon Kindle-Software für alle möglichen Plattformen an: PC, Mac, iOS (iPhone und iPad) und Android. Über den Kindle Cloud Reader kann man Kindle-Bücher sogar auf Linux-Systemen lesen. Ich finde, das ist ganz schön offen.

Ich würde mich freuen, wenn ich euch auch bald zu meinen Lesern zählen dürfte - nicht nur in diesem Blog.

Freitag, 2. November 2012

Von Telefonen und Halloween

Links im Bild ist ein Gerät zu sehen, welchem die zweifelhafte Ehre zukommt, eine der schlimmsten Sprachstreitigkeiten in Deutschland in den letzten 30 Jahren losgetreten zu haben. Es handelt sich um ein tragbares Mobiltelefon für das C-Netz, welches ab Ende der 1980er Jahre vom niederländischen Hersteller Philipps als Philipps Porty verkauft wurde. Der Name Porty verwies auf eine einzigartige Eigenschaft dieses Gerätes, denn es war portabel, also tragbar. Die Einführung von Telefonen, die man einfach so herumtragen und überall benutzen konnte, war damals eine unerhörte technische Sensation. Mobil telefonieren konnte man schon vorher, Funktelefone gab es bereits in den 60er Jahren. Nur waren diese so groß und schwer, dass sie leicht einen halben Pkw-Kofferraum füllten. Portabel waren sie beim besten Willen nicht.

Was hat das alles mit einem Sprachstreit zu tun? Nun, das Philipps Porty war damals weder das erste noch das einzige Mobiltelefon, das man an einem Griff tragen konnte. AEG hatte zum Beispiel ein Gerät namens Telecar im Programm, welches für den Einbau in Autos konzipiert war und ähnliche Abmessungen besaß. Wer ein Telecar zum Tragen haben wollte, nahm das AEG Teleport. Doch "Porty" war einfach griffiger als "Teleport". Recht bald entwickelte sich die Verkaufsbezeichnung Porty zu einem generischen Begriff für ein Funktelefon in Kofferformat mit separatem Hörer und Tragegriff - genau wie heute "Tempo" für ein Papiertaschentuch, "Pritt" für einen Klebestift und "Uhu" für einen flüssigen Alleskleber - obwohl auch Uhu Klebestifte herstellt.

Viel Zeit, sich in das Sprachgedächnis einer Nation einzuprägen, hatte der Begriff "Porty" jedoch nicht, denn während Deutschland noch darüber stritt, wer so wichtig war, dass er ein paar tausend Mark für ein Telefon zu zahlen bereit war, schritt die Technik unaufhaltsam fort. Schon bald beherrschten Mobiltelefone den Markt, die keinen separaten Hörer mehr brauchten, sondern selbst der Hörer waren. Diese Technik faszinierte die massen - und überforderte die eine oder andere Marketing-Abteilung. So vermarktete die frisch gegründete Deutsche Telekom eins der ersten dieser neuen, kompakten Telefone unter dem Namen "Pocky". Die Assoziation ist klar: Der Hauptunterschied des Pocky zu einem Porty war seine Größe - man konnte es buchstäblich in die Tasche stecken. Nur klingt "Pocky" halt wie "Pocken", ein Krankheitsbild, das im deutschen Sprachraum eher schlecht beleumundet ist.

Also ist jemand auf den lautmalerischen Begriff "Handy" für ein Funktelefon gekommen, das so klein ist, dass man es problemlos in der Hand halten kann. Ein sehr guter Begriff, der in anderen Ländern seine Entsprechung sucht. So ist die im angloamerikanischen Sprachraum weit verbreitete Bezeichnung Cell-Phone nur ein Hinweis auf die Mobilfunktechnik, ähnlich wie das Schweizerische Natel, welches auf das Mobilfunknetz Natel-D Bezug nimmt. Immerhin, in Italien hat sich für das Handy die Bezeichnung "Telefonino" eingebürgert, also "Telefonchen". Dieser schön klingende Begriff hat allerdings fünf Silben, "Handy" hat nur zwei. Das passt gut zu den Sprachen: Man lasse einen Italiener und einen Deutschen ein und denselben Sachverhalt in ihrer Muttersprache vermitteln - und stellt fest, dass der Italiener sich schöner anhört, aber länger braucht. Deutsch und Englisch gehören eben zu den eher kurzen Sprachen - Italienisch und Griechisch zu den längeren.

Allerdings hat es "Handy" als Wort in Deutschland schwer. Auch 20 Jahre nach seinem Auftauchen im hiesigen Sprachraum nehmen es selbst ernannte Sprachpfleger als Beleg für die angloamerikanische Verschmutzung unserer Muttersprache - ohne wirklich begründen zu können, wo eigentlich genau ihr Problem ist. Zu diesen Leuten gehört Walter Krämer, Vorsitzender des Vereines für deutsche Sprache. Krämer ist offensichtlich grundsätzlich gegen ausländische Einflüsse auf unsere Kultur - und wird dafür in meinen Augen viel zu selten öffentlich abgewatscht. Deshalb kann ich den Artikel meines Kollegen Stefan Niggemeier nur zum Lesen empfehlen, auch wenn es dort nicht primär um Handys geht, sondern um Halloween. 

Samstag, 25. August 2012

WDTV Live: Die kleine Digital-Wunderkiste

Seit einigen Monaten steht sie rechts unter unserem HD-Fernseher und fällt kaum auf: Die kleine Digital-Wunderkiste. Die Rede ist vom WDTV Live, ein Produkt des US-amerikanischen Festplatten-Pioniers Western Digital. Eine Festplatte ist in der kleinen Kiste nicht verbaut, dafür ein RJ45-Netzkabelanschluss, ein WiFi-Modul und zwei USB-Schnittstellen. Sie hat 79 Euro gekostet und wurde gekauft, um aus unserem Fernseher eine interaktive Multimedia-Zentrale zu machen. Nein, eigentlich stimmt das nicht. Sie wurde vor allem gekauft, weil ich mit meinem alten DLink-Mediastreamer DSM 320 nicht mehr zufrieden war.
Exkurs für alle Nicht-Techies: Was zur Hölle ist ein Mediastreamer?
Ich besitze eine Musiksammlung, die etwa 12.000 Titel umfasst. Diese Sammlung besteht aus etwa 500 CDs, die ich seit 1985 gekauft habe. Seit einigen Jahren kaufe ich meine Musik nicht mehr auf CD, sondern als Download, zum Beispiel bei Amazon. Statt einer Silberscheibe bekomme ich anderthalb Dutzend MP3-Dateien, dazu meistens das Cover als Grafik-Datei. Meine ganzen CDs habe ich vor ein paar Jahren in einer mehrwöchigen Aktion gerippt, also in MP3-Dateien verwandelt. Diese gesamte Musiksammlung umfasst derzeit rund 45 Gigabyte und lagert auf einem Netzwerklaufwerk (NAS). Dieses NAS fungiert in meinem Heim-Netzwerk als Mediaserver. Jeder PC in unserem Haushalt kann darauf zugreifen, so kann man zum Beispiel über den Windows Media Player die Musik abspielen, und zwar ganz nach Wunsch. Ein bestimmtes Genre gewünscht? Ein Interpret? Ein Album? Um die Musik, die auf dem Mediaserver in Form von MP3-Dateien gespeichert ist, abzuspielen, braucht es also ein Gerät, das per Netzwerk auf diesen Server zugreifen, die Daten lesen und in hörbare Musik verwandeln kann. Ein solches Gerät nennt man Mediastreamer (oder auch Media Renderer). Der erwähnte DLink DSM 320 machte genau das: Er konnte auf mein Heim-Netzwerk zugreifen, im Netzwerk einen betriebsbereiten Mediaserver finden und auf dessen Daten zugreifen. Zur Bedienung des DSM 320 gab es eine IR-Fernbedienung, als Anzeigedisplay diente der Fernseher, zur Wiedergabe der Musik die Stereoanlage, an die er angeschlossen war. Ende des Exkurses.
Wie der WDTV Live lässt sich auch der DSM 320 auf zwei Arten ans LAN anschließen, entweder per Kabel oder wireless. Der Haken: Da, wo mein Fernseher steht, habe ich kein LAN-Kabel. Und WLAN funktionierte beim DSM 320 immer nicht so recht, weil offenbar der Röhrenfernseher das Funksignal störte. Also behalf ich mir mehr schlecht als recht mit einer PowerLan-Brücke -also Netzwerk über die Stromleitung -  zwischen Arbeitszimmer (wo die NAS steht) und Wohnzimmer (wo der Fernseher steht). Das klappte oft ganz prima, oft aber auch nicht. Als mein Röhrenfernseher eines Tages einen unerwarteten Tod starb, wurde er durch einen 32-Zoll-HD-LCD-Fernseher ersetzt - und der brachte weitere Schwächen des DLink-Gerätes zum Vorschein: Der Fernseher ist HD-fähig, der DLink war es nicht, was sich in einem grobschlächtigen Screen Design äußerte. Dann brach irgendwann die PowerLan-Verbindung zusammen, und ich startete den Versuch, den Dlink doch via WLAN ans Netz zu bringen. Leider erfolglos, er beherrscht die aktuelle WPA2-PSK-Verschlüsselung nicht, die ich zuhause verwende. Genug ist genug...
Also wurde der WDTV gekauft. Der Anschluss geht simpel: Steckernetzteil an den Strom, HDMI-Kabel an den Fernseher, fertig. Danach ist der Setup dran. Nicht ganz einfach, denn Passwörter, WiFi-Netznamen und so weiter müssen auf einer wabbeligen Gummitasten-Fernbedienung eingegeben werden. Oder man liest die Bedienungsanleitung erst ganz durch und erfährt, dass man an die USB-Schnittstelle in der gerätefront auch einfach eine PC-Tastatur anschließen kann. König ist, wer eine Tastatur mit US-Layout hat, denn der WDTV hat zwar eine deutsche Benutzerführung, aber keinen deutschen Tastaturtreiber.
Dennoch: Wer sich ein wenig mit Netzwerktechnik auskennt (wirklich, ein wenig reicht völlig), hat die Kiste in zehn Minuten am Start. Danach weiß das Gerät durch ein angenehmes On-Screen-Menü zu gefallen, durch das man mit wenigen Befehlen auf der Fernbedienung durchzappen kann. Und schnell merkt man, dass die Kiste erheblich mehr kann als Musik spielen:
  • MPEG4- und AVI-Videos lassen sich in HD-Qualität abspielen
  • Fotos auf dem Mediaserver lassen sich auf dem Fernseher betrachten, auch als Diashow
  • Dazu kommt eine Reihe von vorinstallierten Softwarepaketen, mit denen man zum Beispiel Youtube-Videos betrachten, sich auf Maxdome ein Video ausleihen oder seinen Facebook-Status auffrischen kann. 
  • Es gibt ein paar Spiele
  • Es gibt Webradio-Stationen ohne Ende
  • Man kann Musikdienste wie Spotify nutzen (allerdings nur mit kostenpflichtigem Premium-Account)
und noch einiges mehr.
Inzwischen hat das Gerät ein paar Monate auf dem Buckel - und Licht und Schatten liegen dicht beieinander.
Erst einmal zum Licht:
Die Funktion, wegen der ich den WDTV eigentlich gekauft hatte, beherrscht er einwandfrei. Er kann mit meinem Mediaserver (Software von Twonkymedia) kommunizieren, spielt die Musik einwandfrei ab und klingt dabei spürbar besser als der DLink. Das ist eigentlich erstaunlich, denn der DLink war über ein Cinch-Kabel direkt an den Audio-Eingang des Verstärkers angeschlossen. Der WDTV hingegen liefert ein digitales HDMI-Signal an den Fernseher, und der ist dann über ein Cinch-Kabel an der Stereoanlage angeschlossen. Nachteil dieser Anschlussmethode: Der WDTV braucht einen laufenden Fernseher. Ohne gibt es weder Bild noch Ton. Dazu später mehr.
Der WDTV spielt auch sehr gekonnt Videos ab, allerdings kann es bei HD-Videos, die über WLAN gestreamt werden, zu Aussetzern kommmen. Wer in der Sache sicher gehen will, schließt eine USB-Festplatte an den WDTV an, dann klappt es garantiert ohne Aussetzer.
Videos leihen und sofort ansehen. Online-Videotheken wie Maxdome funktionieren auf dem HDTV. Man muss sich nur vor HD-Videos fernhalten, da kann er ruckeln. Aber die normale Qualität ist ebenfalls einwandfrei.
Zugriff auf alle meine Digitalfotos. Früher habe ich meine Dias an die Wand geworfen, jetzt kann ich sie auf dem HD-Fernseher ansehen. Nicht schlecht!
Ganz groß: Youtube auf dem Fernseher! Die Original-Nasa-Videos zur Curiosity-Mission, werbefrei und in HD - und so unendlich viel mehr. Wer ein Android-Tablet hat, kann sich sogar YouTube Remote installieren: Das Tablet wird mit dem WDTV verknüpft, man kann bequem auf dem Tablet Videos aussuchen, und nach einem kurzen Tipp werden sie auf dem Fernseher abgespielt.
Kurz: Wenn man eine Vorstellung von der Konvergenz zwischen TV und Internet bekommen will - der WDTV legt da schon sehr eindrucksvoll vor.
Und jetzt zum Schatten:
Der DLink Mediastreamer beherrschte das UPNP-Protokoll. Und dafür gibt es eine App. Das bedeutet: Man konnte den Dlink über ein Smartphone fernsteuern: Musik auswählen, Playlisten erstellen, Start, Stopp. Und dazu brauchte man keinen Fernseher, deshalb hatte ich den Dlink audio-seitig auch direkt an die Stereoanlage angeschlossen.
Der WDTV ist nicht wirklich UPNP-kompatibel. Manchmal funktioniert es, meistens nicht. Vielleicht kommt noch einmal ein Update, wer weiß. Aber viel schlimmer: Bei meinem WDTV funktioniert der (vorhandene) analoge Ausgang nicht. Statt Musik kommt nur ein schrilles Brummen in der Stereoanlage an. Deshalb hängt der WDTV an einem digitalen HDMI-Eingang am Fernseher. Und deshalb kann ich nur dann Musik hören, wenn der Fernseher läuft. Das ist selbst beim geringen Stromverbrauch eines LCD-Fernsehers eigentlich nicht akzeptabel. Dazu kommt, dass man natürlich nicht stunden- und tagelang auf das (ästhetisch steigerungsfähige) Desugn des Musikplayer-Menüs blicken möchte. Western Digital hat einen Screensaver vorgesehen: Ein ruckhaft und nervös auf dem Schirm hin- und herspringendes, hellblau leuchtendes WD-Logo. Wer das gesehen hat, der weiß, warum die wertvollste Firma der Welt Apple heißt und nicht Western Digital. Glücklicherweise habe ich zumindest für dieses Problem eine Lösung gefunden: Man kann statt des WD-Logos auch eine Diashow aus eigenen Bildern in einem Verzeichnis auf einer angeschlossenen USB-Festplatte als Screensaver verwenden. Also habe ich zwei schwarze Bilder angefertigt, diese auf einen USB-Stick gespielt, und jetzt tut der Bildschirm nach fünf Minuten ohne Eingabe, das, was er soll: Er wird dunkel.
Der WDTV ist ein amerikanisches Produkt. Die deutsche Benutzerführung ist bisweilen lausig, im Softwareangebot dominieren amerikanische Anbieter, die dann etwa Videos über College-Sport bringen. Erst langsam ändert sich das etwas: Vor ein paar Wochen erweiterte Western Digital das Softwareangebot um einige deutsche Angebote, zum Beispiel Bild TV (okay...), Maxdome und Acetrax, dort kann man sich sogar deutschsprachige Videos ausleihen. Aber ARD- oder ZDF-Mediathek? Fehlanzeige.
Der WDTV ist nicht offen. Es gibt im Internet Anleitungen, wie man die Kiste hacken kann, aber eigentlich ist es nicht vorgesehen, und es ist auch nichts für Leute, die sich damit nicht auskennen. Es ist auch nicht vorgesehen, selbst Software zu installieren. Dabei gäbe es eine Menge Dinge, die eine aktive Software-Community vielleicht besser machen könnte als das, was Western Digital vorgibt. So kann man den WDTV prinzipiell über das LAN steuern, aber das WD-Webinterface ist ein schlechter Witz.Inzwischen bietet WD auch eine Smartphone-App an, die aber auf Android auch nicht wirklich mehr kann als die Fernbedienung. Da ist noch viel Luft nach oben.
Der WDTV ist schlecht in den Fernseher integriert. Zum Betrieb benötigt man eine zusätzliche Fernbedienung. Der Fernseher (also zumindest mein Grundig) bemerkt auch nicht, wenn der WDTV eingeschaltet wurde und schaltet dann auf den entsprechenden Signaleingang um. Bei meinem alten DVD-Player, der über Scart am Fernseher hängt, ist zum Beispiel das kein Problem.
Bin ich mit dem WDTV zufrieden? 
Eigentlich schon. Er hat nicht viel Geld gekostet und macht das, was er soll, recht gut. Gerade höre ich k.d. lang, klingt gut.
Würde ich ihn anderen Leuten zum Kauf empfehlen?
Ich weiß nicht. Wer etwa Apple-Geräte zuhause hat, sollte sich vielleicht ein Apple TV holen, das kostet 100 Euo und ist nahtlos in die iTunes-Welt integriert. Ich werde mal versuchen, einen auf Android basierenden Mediastreamer auszuprobieren. Der könnte einige Probleme lösen, die der WDTV heute noch hat, zum Beispiel die unzureichende Versorgung mit interessanten Anwendungen. Generell ist das Konzept einer solchen Multimediabox bestechend: Videos ausleihen, Musik-Streamingdienste nutzen, auf Wikipedia Sachen nachsehen, auf die man im Fernsehen gerade gestoßen ist - die Möglichkeiten sind toll. Man stelle sich nur mal ein Angebot wie tagesschau.de vor, komfortabel auf einem TV-Bildschirm zum sofortigen Abruf.
Es muss nur noch jemand umsetzen - und dabei ganze Arbeit leisten.    


  



Donnerstag, 16. Februar 2012

Red Bullet

Ray Higgins, Pressesprecher der NASA, wird von seinem Chef nach Helsinki beordert, wo die finnische Regierung vor einem Rätsel steht: Ein finnisches Fischerboot hat im Nordatlantik eine sowjetische Sojus-Raumkapsel aus den 60er Jahren geborgen – doch die Russen schwören hoch und heilig, dass diese Kapsel nicht von ihnen stammt. Aber wer hat sie dann gebaut und ins All geschossen? Aus Moskau sind zwei Fachleute für Sojus-Kapseln angereist, um den Finnen bei der Wahrheitssuche zur Seite zu stehen – und um einen Image-Schaden für die russische Weltraumindustrie zu verhindern.

Ray wird von der ebenso schönen wie erfolgreichen TV-Journalistin Fiona Mulholland begleitet und soll ihr dabei helfen, eine Dokumentation über die Spurensuche zu drehen. Was sich für Ray zunächst wie ein reiner PR-Einsatz anlässt, entwickelt sich zum Alptraum. Denn eine geheimnisvolle Macht setzt alles daran, um die Untersuchung der geheimnisvollen Raumkapsel zu verhindern. Sie schreckt dabei nicht vor Sabotage, Terrorismus und Mord zurück. Und Ray muss erfahren, dass nichts so ist, wie es scheint...

In Kürze erscheint mein neuer Roman "Red Bullet" exklusiv bei Amazon als Kindle eBook. Stay Tuned


Freitag, 20. Januar 2012

Wofür das ZDF mein Geld rausschmeißt

Heute am Münchner Hauptbahnhof: Seit Tagen zeigen im gesamten Bahnhof die neuen, großen, beleuchteten Außen-Werbekästen von Ströer Out of Home Media neben der Werbung für den neuen, missratenen Media Markt Online Shop vor allem Werbung für eins: Für den aufwändig mit GEZ-Gebühren produzierten, allwöchentlichen "Fernsehfilm der Woche" des ZDF. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Ich bin ein großer Freund des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und zahle bereitwillig jeden Monat meine Gebühren. Wer wissen will, wie eine Fernsehlandschaft ohne starke, unabhängige, von der Öffentlichkeit finanzierte Radio- und Fernsehsender aussieht, der möge einfach einmal in die USA fahren und dort in einem Motel den Fernseher einschalten, dann weiß er, wovon ich spreche.
Ich bin auch keiner, der ARD und ZDF verbieten will, ihre von meinem Geld produzierten Inhalte via Internet, Handy oder Mediathek zweit- und drittzuverwerten. Selbst wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk damit den Privaten Konkurrenz macht - je nun, da müssen sie eben durch, hat sie ja keiner gezwungen, sich mit solchen Schandtaten wie "Bauer sucht Frau" oder "Messie-Alarm" auf den Markt zu wagen.
Was ich aber nicht verstehe - und was mich zunehmend ärgert - das sind die ausufernden Außenwerbekampagnen öffentlich-rechtlicher Fernsehsender für ihre Produktionen, die in der werbefreien Zeit laufen. Warum wirbt das ZDF für seine Abendunterhaltung, warum das - grundsätzlich werbefreie - Bayerische Fernsehen für seine Abendschau? Was konkret haben sie davon, mehr Zuschauer zu bekommen? Wo liegt der Return on Investment? Es ist ja nichts dagegen zu wissen, dass man seinen Zuschauern in Form von Programmvorschauen mitteilt, was auf sie zu kommt. Aber statt der großflächigen Werbe-Bebrüllung im öffentlichen Raum möchte ich mein Geld lieber in besserem Fernsehen angelegt wissen. Dann kommen die Zuschauer schon von ganz allein.

Dienstag, 22. März 2011

Go viral!

Der Herr Mittermeier macht Werbung für ein schweizerisches Kaltgetränk, und zwar viral:




Sehenswert. Ton ist Pflicht.

Dienstag, 6. Juli 2010

Re-Targeting: Die Methode Paranoid

"Wenn Du paranoid bist, dann heißt das noch lange nicht, dass sie nicht hinter dir her sind" lautet ein alter Spruch aus Soziopathen-Kreisen. Leute mit Anfälligkeit für Verfolgungswahn brauchen in diesen Tagen auf jeden Fall ein dickes Fell, wenn sie im Netz unterwegs sind. In einem Forum an einer Diskussion über ein Produkt teilgenommen, einer der Mit-Diskutanten postet einen Link auf einem Web-Shop, in dem das fragliche Produkt beworben wird, man klickt drauf - und schon verfolgt einen der Anbieter des Produktes mit Werbebannern, egal ob man jetzt Spiegel Online aufruft oder Motor-Talk.de. Und zwar wochenlang.

Praxis-Beispiel gefällig? Vor einiger Zeit nahm ich im Usenet an einer Diskussion teil, in der es darum ging, ein Mobiltelefon so umzubauen, dass man es als ferngesteuerten Schalter benutzen kann. Ich schlug vor, man könne alternativ auch eine IP-Steckdosenleiste verwenden, die man via Unternet ansteuert. Ein anderer Diskussionsteilnehmer war sich nicht sicher, ob er verstanden hatte, was ich meine. Er suchte im Netz nach IP-Steckdoesenleisten und wurde bei der Firma Conrad Electronic fündig. Er schrieb ein Posting, platzierte dort den Link zum verkaufsangebot hinein und fragte: "Meinst du so was in der Art?" Ich öffnete den Link, sah das Produkt, schloss die Website wieder und antwortete, ja, ein solches Produkt hätte ich gemeint.

Danach traf ich auf allen möglichen Websites auf Werbebanner von Conrad Electronic, die ich sonst eher selten sehe. Und aus dem überbordend großen Sortiment dieses Elektronik-Versenders wurden mir immer ausschließlich IP-Steckdosen angeboten. Mindestens zwei Wochen ging das so. Ich empfand das als ärgerlich. Sollte ich - was ich im Moment eher nicht glaube - jemals in meinem Leben eine IP-Steckdosenleiste kaufen, werde ich sorgfältig darauf achten, dies nicht bei Conrad zu tun.

Das Prinzip nennt sich Re-Targeting. Ein Internet-Nutzer ruft in einem Shop ein Produkt auf und verlässt dann den Shop wieder unverrichteter Dinge. Beim Aufruf des Produktes wird der Rechner des Nutzers identifiziert (vermutlich über ein Cookie), und in der Folgezeit wird auf diesen Rechner Werbung gespielt, die Produkte der Art bewirbt, die der Nutzer sich im Shop angesehen hat. Die Denke dahinter: "Er hat sich ja schonmal für das Produkt interessiert. Vielleicht überlegt er es sich ja noch einmal?" Auf viele Internet-Nutzer wirkt dieses einseitige Ad-Bombing lächerlich, ärgerlich oder gar verstörend. Und die Firma Neckermann.de beweist, dass man das an sich schon grenzwertige Tool Re-Targeting auch komplett bescheuert einsetzen kann.

Noch dümmer? Wie soll das gehen? Es geht so: Heute habe ich bei Neckermann.de ein Navigationsgerät für Motorräder bestellt. Ich hab's gekauft, jetzt baruche ich kein zweites mehr. Dennoch nimmt mich Neckermann.de seitdem via Re-Targeting unter Beschuss. Egal ob Spiegel online oder Motor-Talk.de (siehe Beweisfoto oben links), plötzlich hängen überall Neckermann-Banner herum, in dem mir Navigationsgeräte zum Kauf angeboten werden. Interessanterweise übrigens auch das, was ich schon gekauft habe. Was soll das?

Wenn Neckermann clever wäre, dann würden sie mir jetzt Zubehör zu meinem neuen Navi anbieten, sie würden glauben, dass ich gern durch die Gegend fahre - und mir entsprechende Angebote machen. Aber statt dessen meine Aufmerksamkeit mit Werbung für ein Produkt zukleistern, das ich gerade gekauft habe? Wie blöd ist das denn?

Mittwoch, 2. Juni 2010

Braucht man ein iPad?

Matthias Döpfner sagt bisweilen merkwürdige Dinge. Neulich sagte der Vorstands-vorsitzende der Axel Springer AG in einer US-Talkshow, dass sich jeder Verleger zweimal am Tag hinsetzen und Steve Jobs aus vollem Herzen dafür danken solle, "dass er die Verlagsbranche gerettet hat".

Gerettet hat der Chef von Apple - so sieht es zumindest Döpfner - dadurch, dass er der Welt das iPad brachte, einen etwa DIN A4 großen Tablettcomputer. Auf dem, so stellt sich das Döpfner zumindest vor, sollen die Menschen in Zukunft etwas tun, was sie bislang zum Beispiel auf dem Amazon Kindle nicht in nennenswertem Ausmaß tun: Zeitungen lesen. Deutsche Zeitungen. Die sie zuvor gegen Geld aus dem Internet heruntergeladen haben.

Damit will Döpfner einen großen Teil der Einnahmen wieder holen, die den Zeitungen in den letzten Jahren durch Auflagen- und Anzeigenschwund verloren gegangen sind. Nun muss vermutlich schon mehr passieren, als dass eine Computerfirma aus Kalifornien einen neuen Kleincomputer auf den Markt bringt, bevor ich anfange, für Geld die "Bild"-Zeitung auf einem Computer zu lesen, zumal das Core Asset einer jeden Bild-Zeitung, nämlich das barbusige Mädchen auf dem Titel, auf Apple Geräten nur mit weggeblitzten Brustwarzen erscheinen muss, aber dazu später.

Ich arbeite ja in einem Verlag, der nicht nur Neue Mediengesellschaft heißt, sondern sich seit 30 Jahren um Neue Medien kümmert. Deshalb ist es für Redakteure dieses Verlages sozusagen erste Bürgerpflicht, bei neuen Medien immer ganz vorn mit dabei zu sein. Dabei setzt der Verlag - das ist nicht nur üblich, sondern auch sinnvoll - durchaus auf die Eigeninitiative seiner Mitarbeiter. Mein erstes GPRS-Smartphone hatte ich 2001 in der Tasche, geliehen von einem Hersteller, um herauszufinden, was das so kann. Wir probieren viel aus in dem Haus - und machen dann nicht alles weiter, weil nicht alles einen Sinn ergibt.

Jetzt gab es aber ein Dilemma: Viele Medien-Auguren sind sich ganz sicher, dass das iPad von Apple unsere Medienwelt verändern wird. Also sollten wir von der Neuen Mediengesellschaft möglichst bald bescheid wissen, was es kann. Anders als andere Hersteller leiht Apple aber keine Testgeräte her, zumindest nicht an Hinz, Kunz und Fachjournalist mit einem Popularitätsgrad unterhalb von Michael Arrington. Deshalb beschritt mein schwäbisches Verlagshaus einen ungewöhnlichen Weg, es schickte einen Mitarbeiter los, um sechs iPads zu kaufen, die dann im Verlag an die Abteilungen verteilt wurden. Und auch beim Kauf sparte das Haus nicht am falschen Ende: Es wurden Geräte mit UMTS-Schnittstelle und 64 GB Speicherplatz bestellt.

Gestern habe ich eins davon mal mit nach Hause genommen.

Auspacken

Das iPad wird mit einem USB-Kabel und einem USB-Ladegerät geliefert. Sonst ist kein Zubehör dabei. Das Auspacken geht deshalb schnell. In "meinem" iPad steckte bereits eine UMTS-SIM-Karte (wobei iPad und das neueste iPhone spezielle, kleinere Karten benutzen. Sie sind aber technisch baugleich mit den alten SIMs), die Karte war aber noch nicht freigeschaltet - vornehmlich aus Kostengründen, hörte ich.

Einschalten

Das iPad hat - wie auch das iPhone - nur ganz wenige Tasten: Einen Wippschalter für die Lautstärke, einen Hauptschalter, einen Knopf am Rand des Displays und noch einen Schalter, um die anderen Schalter zu sperren. Ein Druck auf den Hauptschalter erweckt das Gerät zum Leben, dann muss es noch durch einen Wisch über das Display entsperrt werden. Ein iPad ist also - anders als zum Beispiel ein Laptop - spätestens drei Sekunden nach dem Einschalten einsatzbereit. Es muss nicht hochgefahren werden. Es wird an- und ausgeschaltet wie ein Taschenrechner. Fein.

Ansehen

Auf dem Startbildschirm sieht man Symbole für verschiedene Anwendungen, so genannte Apps. Es gibt eine App für den Kalender, eine für das Fotoalbum, eine für Youtube, eine für Musik, für E-Mails, für den Webbrowser, für die iPad-Version des "Spiegel" oder der "Welt". Von diesen Apps gibt es mittlerweile über 300.000, hörte ich, bei Auslieferung des Gerätes wird das wichtigste Dutzend mitgeliefert. Ein Fingertipp auf eins dieser Bildschirmsymbole startet die App, ein Druck auf die Mehrzwecktaste am Bildschirmrand führt wieder zurück zum Startbildschirm. Die Bedienung ist wirklich sehr einfach - das macht auch einen großen Teil des Charmes dieses Gerätes aus.

Anfassen

Wenn es erforderlich ist, blendet das iPad eine Tastatur ein, man tippt dann Text und Zahlen auf dem Bildschirm ein. Wenn man Komfort und Treffsicherheit dieser Tastatur auf einer Skala zwischen einer T9-Handytastatur und einem DIN-Keyboard eines PCs bewerten will, dann liegt sie so irgendwo in der Mitte. Das Tippen größerer Textmengen - womöglich auch noch blind und im 10-Finger-System - ist damit ziemlich ätzend, aber um einen Suchbegriff einzugeben oder mal eine kurze E-Mail oder einen Twitter-Tweet zu schreiben, geht sie ganz manierlich. Dummerweise zeigt die Tastatur nicht - wie viele andere Bildschirmtastaturen - an, ob gerade ein großer oder kleiner Buchstabe geschrieben wird. Shift-Lock gibt es nicht, das Schreiben eines Wortes wie BMW wird also erstaunlich mühsam. Will man einen Umlaut schreiben, dann muss man einfach den Finger einen Moment auf der Taste des Grundbuchstabens lassen und bekommt dann Optionen angezeigt. Wer breits ein iPhone oder ein vergleichbares Smartphone (zum Beispiel HTC Touch Pro oder Google Nexus 1) hat, der kennt viele der Tricks dieser Soft-Tastaturen schon und freut sich über die großen Tastenflächen des iPad. Allerdings: In der Regel schreibt man dann einfach mit einem Finger.

Das iPad ist mit über 300 Gramm überraschend schwer, dafür, dass es so flach ist. Es fühlt sich solide und wertig an, wozu auch die Display-Oberfläche beiträgt, die aus Glas gefertigt ist und nicht auf Druck, sondern auf Berührung reagiert. Das iPad hat einen Lagesensor eingebaut, es reagiert darauf, ob man es hochkant oder quer hält - und dreht den Bildschirm entsprechend. Alles läuft schnell und flüssig ab. Das iPod ist ein richtiges kleines Schmuckstück.

Nach den ersten paar Minuten ist es allerdings ein versautes Schmuckstück, denn die Finger hinterlassen auf dem hochauflösenden Display Schmierflecken. Ja, auch dann, wenn man sich die Finger gewaschen hat.

Surfen

Eine der Tätigkeiten, für die das iPad prädestiniert ist, ist das Surfen im Internet. Dafür ist der Safari-Browser an Bord, allerdings in einer abgespeckten Version für iPads. Außerdem verfügen alle iPads über eine eingebaute WLAN-Schnittstelle. Wer die Zugangsdaten seines WLAN kennt und eingibt, ist nach einer Minute online. Surfen mit dem iPad hat Charme: Alles geht sehr leicht, wenn man in irgendein Feld Text eingeben muss, blendet automatisch die Tastatur ein, die Webseiten werden so angezeigt, wie sie erscheinen sollen. Allerdings vermissen engagierte Websurfer schnell viele Techniken, wie sie bei anderen Internet-Computert heute Standard sind. So unterstützt das iPad kein Flash, deshalb laufen viele Animationen oder Videos nicht. Auch bei dem Versuch, auf Last.fm oder b5aktuell.de Webradio zu hören, bin ich gescheitert. Es ist auch höchst ungewöhnlich, dass der Safari-Browser weder eine Startseite, noch Tabbed Browsing oder Bookmarks kennt. Wer ein Bookmark anlegen will, bekommt statt dessen für jede angelegte Seite einen weiteren Button auf den Startbildschirm. Das kann dann bald sehr voll und unübersichtlich werden.

Gemessen an dem Funktionsumfang, den ein Browser auf einem Netbook der 250-Euro-Klasse bietet, ist der Safari auf dem iPad lausig - aber Apple möchte ja auch, dass wir Apps nutzen statt des universellen Browsers.

Doch je länger man mit dem iPad arbeitet, desto häufiger fallen einem Funktionsbeschränkungen auf, die man von anderen Computern gar nicht mehr gewöhnt ist. Das Markieren und Kopieren eines Textes ist zum Beispiel zwischen Applikationen häufig nicht möglich - bei Windows ist das bereits seit 15 Jahren Standard. Man kann auch nicht mehrere Anwendungen gleichzeitig laufen lassen. Wer etwa auf einer Website eine Adresse gefunden hat und sie auf Google Maps nachschlagen möchte, der muss erst den Browser verlassen und dann im Kartenprogramm die gemerkte Adresse eintippen. Was dem unerfahrenen Computerbenutzer hilft, das nervt den, der sich bereits an Hilfestellungen wie Multitasking, Copy & Paste oder Drag & Drop gewöhnt hat.

Bilder und Musik

Wer keinen PC oder Apple-Computer und keinen iTunes-Account hat, der bekommt so ohne weiteres weder seine Fotos noch seine Musik auf das iPad. Wer also seiner alten Mutter ein iPad kaufen will, weil sie keinen PC hat, der sollte das wissen.

Zeitung lesen - auf dem Balkon

Das iPad läuft mit einer Akkuladung angeblich bis zu zehn Stunden. Nach meinen ersten Eindrücken könnte das hinkommen. Insofern eignet sich das Gerät tatsächlich ganz gut, um darauf in aller Ruhe zu lesen, auch wenn es auf die Dauer zu schwer ist, um es die ganze Zeit in der Hand zu halten. Durch einfaches Auseinanderziehen des Bildes mit zwei Fingern lässt sich die Größe ändern. Viele Zeitungs-Apps bieten auch unterschiedliche Buchstabengrößen an. Dennoch: Eine Zeitung ist insgesamt praktischer als ein iPad. Und sobald man seine Wohnung verlässt, hat das iPad sowieso verloren. In der Sonne spiegelt das Display wie ein Rasierspiegel, und es ist auf die Dauer zu dunkel. Außerdem ist ein iPad natürlich weder wasserfest, noch sollte man es hinfallen lassen - und zum Reservieren einer Liege am Hotelpool taugt eine Zeitung auch besser. Herr Döpfner mag zwar mehr von Zeitungen verstehen als ich, aber ob das iPad wirklich die gesamte Medienlandschaft verändern wird, das werden wir dann noch sehen. Ich glaube noch nicht so recht daran.

Zu den Kosten

Apple bietet das iPad mit drei Speichergrößen und als Version mit und ohne UMTS an. Die billigste Version hat 16 GB Speicherplatz und kein UMTS, sie kostet 499 Euro. Die teuerste Version hat 64 GB Speicherplatz und UMTS, sie kommt auf fast das Doppelte, nämlich 899 Euro. Dazu kommen dann noch Kosten für den UMTS-Datenvertrag, sie rangieren zwischen 15 und 35 Euro im Monat, je nachdem, wieviele Daten man per UMTS überträgt. Dazu kommen noch die Kosten für kostenpflichtige Apps, ein Spiel hier, eine Fachzeitschrift da, ein Gadget dort. Wenn man die Möglichkeiten des Gerätes ausloten will, aber kein allzu großer Freak ist, sollte man sich vielleicht mal 100 Euro für die erste Sturm- und Drang-Zeit einkalkulieren.

Damit folgt das iPad der Apple-Tradition, innerhalb des Wettbewerbsumfeldes doch ziemlich teuer zu sein. Also, 500 bis 900 Euro knalle ich nicht einfach mal so für einen Computer raus, der nicht Fisch und nicht Fleisch ist. Andererseits: Wer auf einer schönen Designer-Couch sitzt und in einen sündenteuren Flachschirm-Fernseher von Loewe blickt, der sucht vielleicht nach einem kleinen Handschmeichler, mit dem er zwischendurch mal eben etwas im Internet nachsehen oder seine Mails checken will. Und dafür ist das iPad wirklich keine schlechte Lösung. Ob es dafür das große UMTS-Modell sein muss? Ich weiß nicht, die meisten von uns haben doch ohnehin WLAN im Haus.

Dienstag, 2. Februar 2010

Stuttgart rund um die Uhr

Mal wieder ein Augenschmaus: Zwei Studenten der Hochschule der Medien haben diesen Film über 24 Stunden im Leben der Stadt Stuttgart gemacht. Die Besonderheit dabei: der Film wurde in der so genannten Stop-Motion-Technik mit einer digitalen Vollformat-Spiegelreflexkamera aufgenommen, also Bild für Bild in Zeitraffer

stuttgart24h from stuttgart24h on Vimeo.


Der besonderen Aufnahmetechnik ist auch die überragende Bildqualität zu verdanken. Sie kommt am besten auf einem großen Widescreen-Monitor mit entsprechender Auflösung zur Geltung. Die Musik zum Film hilft (ist aber in meinen Augen Geschmackssache). So habt Ihr Schtuagard noch nie gesehen;-)

Montag, 1. Februar 2010

News machen wie die Profis

Die BBC gilt unter Kennern als der professionellste Nachrichtensender der Welt - und für viele Kollegen als der Standard, an dem man sich journalistisch orientieren muss. Da die BBC darüber hinaus noch eine öffentlich-rechtliche Anstalt mit Bildungsauftrag ist, hat der bekannte britische Fernsehjournalist Charlie Brooker einen kurzen Video-Beitrag gedreht, in dem er erklärt, wie man gute Nachrichtenbeiträge produziert, die dann in der BBC laufen können - oder in jedem anderen Fernsehsender von Format.



Danke Charlie! Könnte bitte Tom Buhrow eine deutsche Version nachreichen?

Freitag, 8. Januar 2010

Man glaubt seinen Augen nicht

Glücklich, wer einen Computer mit HD-Videoausgabe und einen großen Bildschirm hat. Denn der kann sich diese schönen Bilder formatfüllend anschauen und die angenehme Musik dazu genießen.

The Third & The Seventh from Alex Roman on Vimeo.

Und dann kann er versuchen, sich den Aufwand vorzustellen, den es bedeutet hat, diesen Film zu produzieren. Kein einziges Stück Film wurde belichtet, keine Kamera war beteiligt. Alles nur am Computer gerendert.

Unglaublich, nicht?

Montag, 7. September 2009

Bitte loggen Sie sich ein

15 Tage noch, sagt die Website. dann geht sie los, die dmexco. dmexco, das steht nicht etwa für eine mexikanische Airline, die im Auftrag der CIA Drogen transportiert, sondern für Digital Marketing Exposition and Conference, die Leitmesse für Online-Marketing, die in diesem Jahr in Köln Premiere feiert. Zuerst hieß das gute Stück Dmex, dann wurde das "co" noch drangehängt, offiziell um das feine Kongressprogramm zu betonen. Böse Zungen behaupten: Der Männersender Dmax hatte was dagegen.

Die Website zur Dmexco macht mächtig Eindruck, coole Grafik, viele Mouse-Over-Effekte, tolles Online-Ticketing (Jedes Ticket trägt einen QR-Code, Schäuble hätte seine Freude dran).

Allerdings, der Teufel steckt im Detail: Zwar bietet die Seite die Möglichkeit, sich einen Messeplaner zusammenzustellen, um aus den 270 Ausstellern diejenigen herauszusuchen, die man besuchen will. Und es gibt auch ein Modul namens Matchmaking, das haben die Dmexco-Macher von der OMD 2009 geklaut übernommen. Un diese Funktionen zu nutzen muss man sich jedoch vorher einloggen.

Die Frage stellt sich bloß: Wo?

Ich habe keinen Login gefunden, meine Frau auch nicht. Wenn Ihr einen findet, lasst es mich wissen. Andererseits: Kann ja nicht so schwer sein, so einen Login-Button da irgendwo reinzufrickeln, und noch sind ja zwei Wochen Zeit;-)

Ach, übrigens: Das hier war der einhundertste Beitrag in diesem Blog. Ich danke für die Aufmerksamkeit

Sonntag, 15. März 2009

Neues vom Küchenchef

Noch sechs Tage, dann startet der neue Jahrgang der Studenten im Studiengang Online-Marketing (BVDW). Mit dabei: Bärbel Edel. Ihre Eindrücke und Erfahrungen hält Bärbel in ihrem Blog Marketing-Kitchen fest. Soeben hat sie den Blog ins Netz gestellt und die Domain konnektiert. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich als erster auf den Blog verweisen darf - und ich wünsche Bärbel bei ihrer Ausbildung alles erdenklich Gute. PS: Sieht cool aus, dein Blog!

Samstag, 7. März 2009

Endlich: Sie haben verstanden


Heute habe ich etwas Tolles gemacht: Ich habe mit der Telekom, Warner Music und dem Musiker Sasha ein legales Geschäft gemacht. Ich bin zufrieden, sie hoffentlich auch. Das kann der Beginn einer großen Freundschaft werden.

Was ist geschehen?
Heute habe ich auf Musicload.de, dem Musik-Downloadportal der Telekom, ein Musikalbum gekauft, und zwar "Good News On A Bad Day" von Sasha, erschienen vor ein paar Wochen auf Warner Music. Das Besondere daran: Musicload hat mir die Titel im MP3-Format ausgeliefert, hoch auflösend mit 256 kbit/s codiert - und ohne Digital Rights Management (DRM).

Ohne DRM, das bedeutet: Ohne Kopierschutz. Ich kann die Musik, die ich gekauft habe, auf jedem Computer abspielen, auf dem ich es möchte, nicht nur auf dem, mit dem ich die Daten bei Musicload heruntergeladen habe. Ich kann die Musik auf jedem portablen Musikplayer spielen, weil so ziemlich jeder portable Musikplayer mit MP3 klar kommt. Ich kann die Musik auf CD brennen, zum Beispiel für's Auto, denn das hat einen CD-Wechsler, aber kein MP3-Radio.

Kurz: ich kann mit der Musik, die ich gekauft habe, machen, was ich will. Ich könnte die Daten sogar bei einer illegalen Musiktauschbörse einstellen und anderen Leuten unentgeltlich weitergeben, aber was hätte ich davon. Warner Music hat mich nicht betrogen, ich werde Warner Music nicht betrügen.

Diese Entscheidung ist mir nicht immer leicht gefallen, denn in den letzten Jahren hat mich die Musikindustrie wie einen gemeinen Dieb und Betrüger behandelt. Es ging los vor ein paar Jahren, als die großen Labels plötzlich anfingen, ihre CDs mit einem Kopierschutz zu versehen. Dieser Kopierschutz war eigentlich gar keiner, es war ein Abspielschutz. Er sollte dafür sorgen, dass eine CD nur in einem CD-Audioplayer abgespielt werden kann, nicht aber in einem CD-ROM-Laufwerk eines Computers. Denn, so die Logik der Plattenlabels: Wer eine CD in einen Computer steckt, der tut dies nur, um davon Raubkopien zu machen. Dass man sich vielleicht eine CD fürs Auto brennt, in dem man die teuren Originale nicht herumfahren will, dass man vielleicht die CD im Computer hört, während man irgendwelche Texte schreibt - egal. Seit 1975 kaufe ich Schallplatten, seit 1985 kaufe ich CDs. ich habe schon tausende von Euros für Alben ausgegeben, und nicht immer waren sie ihr Geld wert. Und jetzt wollte mir die Musikindustrie vorschreiben, mit welchem Gerät ich meine Platten abspiele? Als ich einen CD-Portable fürs Auto anschaffte, der auch MP3s konnte, verschärfte sich das Problem: Dieses Gerät hatte regelmäßig Schwierigkeiten mit kopiergeschützten Audio-CDs, da diese die Audio-CD-Normen nicht einhielten (bei Heise online bürgerte sich dafür die Bezeichnung Un-CD ein). Meine Verunsicherung wuchs: Bei jeder CD, die ich kaufte, kam die nagende Frage: Wird sie auch auf allen Playern laufen, auf denen sie laufen soll?

Offenbar war ich nicht der Einzige, dem der Spaß am Plattenkaufen vergangen war, denn seit Ende der 90er Jahre sind die CD-Verkäufe rückläufig. Ich habe dann eine ganze Weile meine musikalischen Bedürfnisse auf Tauschbörsen wie Audio Galaxy oder Napster gestillt. Immerhin hat die Telekom damals gut an mir verdient: So manche Nacht lief der Download via ISDN-Kanalbündelung nonstop durch. Dann mussten Napster & Co. schließen, von der Musikindustrie mit horrenden Schadensersatzklagen überzogen. Meine Neigung, im Plattenladen CDs zu kaufen erlahmte fast völlig.

Vor ein paar Jahren habe ich das erste Mal ein Album online gekauft. Grundsätzlich eine feine Sache: Man ist an keine Ladenöffnungszeiten gebunden, und wenn man irgendwo ein interessantes Lied hört, kann man sofort im Netz nach der Platte fahnden. Man kann die Stücke vorher probehören, anschließend werden sie auf den eigenen Rechner geladen, was dank DSL sogar recht schnell geht. Alle Titel sind korrekt getaggt, so dass der Musikplayer auch Tiel und Interpret richtig zuordnen kann. Allerdings hat die Musikindustrie ihre Online-Kunden immer noch wie Betrüger behandelt: Die Musik kam im wenig beliebten Windows-WMA-Format und war kopiergeschützt. Wer wie ich einen Mediastreamer an der Stereoanlage hängen hat, ist dabei eigentlich gekniffen, denn die DRM-geschützten WMA-Songs laufen nur auf dem PC, auf dem sie heruntergeladen wurden, nicht jedoch auf dem Mediastreamer. Immerhin darf man von den teuer bezahlten Stücken eine Audio-CD brennen. Diese CD ist dann nicht mehr kopiergeschützt, also rippte ich die frischgebrannte CD mit einem MP3-Encoder und verwandelte so die WMV-Files in MP3-Songs, die überall liefen wo ich wollte. Zeitaufwand: ein bis zwei Stunden pro gekauftem Album.

Jetzt mal ehrlich: Behandelt man so seine Kunden?

Offenbar lieber nicht. Die Verluste der Musikindustrie hielten an, die Zahl der illegal heruntergeladenen Musikstücke wuchs. Kein Wunder, denn das, was die Labels einem legal anboten, war ja nun eher eine Provokation als ein Geschäftsmodell.

Vor etwa zwei Jahren kamen die ersten Vorstöße in Richtung Angebote, die den zahlenden Kunden nicht kriminalisiseren und ihm das geben, was er eigetlicch will: Musik, die er überall dort abspielen kann, wo er das für richtig hält. Zuerst in den USA. Warum nicht bei uns?

Anfang des Jahres 2009 kam dann der Paukenschlag: Nahezu zeitgleich kündigten Apple und die Telekom an, in ihren Musikbörsen künftig fast nur noch Musik im offenen MP3-Format zu verkaufen. Anfang März legte Musicload nach und kündigte an, entgegen seiner Planung schon jetzt mit dem MP3-Verkauf zu beginnen. Offenbar hatten sich die Majors noch einmal ihre desaströsen Zahlen angesehen und dabei deutlichen Handlungsbedarf verspürt.

Heute habe ich Musicload das erste Mal ausprobiert. Der Download des Albums von Sasha hat gute zehn Minuten gedauert, schließlich mussten 87,6 MB an Daten durch die DSL-Leitung wandern. Doch die paar Minuten warte ich gern, wenn ich dafür eine so hohe Bitrate bekomme: 256 kbit/s sind schon verdammt nah an der CD.

Ein paar Verbesserungsvorschläge hätte ich noch: Wenn jemand, so wie ich, das ganze Album kauft, sollte eigentlich ein PDF vom Booklet dabeisein, eine Playlist im m3u-Format wäre auch sehr hilfreich. Und über den Preis könnte man durchaus auch noch einmal reden: 13,95 Euro habe ich bezahlt - die CD im Jewel Case mit Booklet kostet im Handel gerade mal einen Euro mehr. Aber, liebe Jungs von Warner Music, grundsätzlich ist das schon mal ein ganz, ganz großer Schritt in die richtige Richtung - auch wenn das Album vermutlich nicht Sashas bestes war. Und den Rest kriegt Ihr auch noch hin...


Dienstag, 17. Februar 2009

Das billige Geschäft der Panikmacher


Glaubt man den Scharfmachern von Spiegel Online, dann geht demnächst die Welt unter. "Wirtschaftskrise: Exporteure erwarten schlimmstes Jahr seit 1949" titelt der Online-Ableger des eigentlich mit einer halbwegs intakten journalistischen Reputation gesegneten Wochenmagazins. Ohmygod, 1949, das war kurz nach dem Krieg, überall Trümmer, Mercedes dengelte - in Ermangelung moderneren Materials - weiterhin in bescheidenem Maßstab Vorkriegslimousinen zusammen, und die Mercedes-Arbeiter waren froh, wenn sie zuhause ein warmes Essen und einen warmen Ofen vorfanden. Das war damals nämlich nicht so selbstverständlich, wie es heute scheinen mag. Westberlin wurde von den Sowjets blockiert, und dort war die Lage so schlecht, dass die US-Hilfsorganisation Care Pakete verteilte, wie das Bild oben rechts zeigt.

Auf dieses Niveau wird uns die Wirtschaftskrise also zurückwerfen? Bullshit, natürlich nicht. Das Deutsche Insitiut für Wirtschaftsforschung (DIW) schätzt, dass die deutsche Wirtschaftsleistung 2009 gegenüber dem Vorjahr um über 3% zurückgehen könnte. Damit wären die Zuwächse der letzten beiden Jahre wieder zunichte gemacht.

Das ist unschön, aber das DIW - und am besten auch der verantwortliche Redakteur bei Spiegel Online - sollte doch einfach mal einen beliebigen Bewohner einer Mietwohnung fragen, wie sich in den vergangenen zehn Jahren die Miete seiner Wohnung entwickelt hat, und zwar im Vergleich mit seinem Nettogehalt. Dass normale Arbeitnehmer heute viel weniger Geld in der Tasche haben, das ist die eigentliche Krise.

Vor ein paar Monaten hat ein Wirtschaftsweiser, ich glaube es war Bert Rürup, vorgeschlagen, sämtliche Wirtschaftsforschungsinstitute sollten einfach einmal eine Weile darauf verzichten, Prognosen zu veröffentlichen. Es bestünde nämlich die Gefahr, dass die Institute in ihrem Drang, sich zu profilieren, die Situation viel schlechter redeten als sie in Wirklichkeit sei.

Leider hat sich an diese Empfehlung kein namhaftes Institut gehalten. Und die Schlagzeilendrescher von SpOn & Co. machen dieses billige Geschäft nur allzugern mit.

Donnerstag, 12. Februar 2009

Die Wolke

Zu den revolutionären Design-Elementen des Web 2.0 gehört unzweifelhaft eine Tagcloud. Die hier links ist zusammengesetzt aus den Stichworten, die das Online-Tagcloud-Berechnungstool Wordle auf Basis der Texte auf der ersten Seite meines Blogs berechnet hat. Wordle ist ein Projekt des IBM Research Visual Communication Lab. Chic, oder? Leider hat Wordle ein paar Haken. Sie ist, anders als andere Tagcloud-Lösungen, nicht dynamisch und nicht interaktiv. Das heißt, die Geröße und Position der Tags ändert sich nicht automatisch, wenn sich die Themen ändern. Und klickbar ist das ganze auch nicht. Wenn jemand eine Tagcloud-Lösung weiß, die ich elegant in dieses Blog einbauen kann, dann will ich das gern ausprobieren.