Samstag, 7. März 2009

Endlich: Sie haben verstanden


Heute habe ich etwas Tolles gemacht: Ich habe mit der Telekom, Warner Music und dem Musiker Sasha ein legales Geschäft gemacht. Ich bin zufrieden, sie hoffentlich auch. Das kann der Beginn einer großen Freundschaft werden.

Was ist geschehen?
Heute habe ich auf Musicload.de, dem Musik-Downloadportal der Telekom, ein Musikalbum gekauft, und zwar "Good News On A Bad Day" von Sasha, erschienen vor ein paar Wochen auf Warner Music. Das Besondere daran: Musicload hat mir die Titel im MP3-Format ausgeliefert, hoch auflösend mit 256 kbit/s codiert - und ohne Digital Rights Management (DRM).

Ohne DRM, das bedeutet: Ohne Kopierschutz. Ich kann die Musik, die ich gekauft habe, auf jedem Computer abspielen, auf dem ich es möchte, nicht nur auf dem, mit dem ich die Daten bei Musicload heruntergeladen habe. Ich kann die Musik auf jedem portablen Musikplayer spielen, weil so ziemlich jeder portable Musikplayer mit MP3 klar kommt. Ich kann die Musik auf CD brennen, zum Beispiel für's Auto, denn das hat einen CD-Wechsler, aber kein MP3-Radio.

Kurz: ich kann mit der Musik, die ich gekauft habe, machen, was ich will. Ich könnte die Daten sogar bei einer illegalen Musiktauschbörse einstellen und anderen Leuten unentgeltlich weitergeben, aber was hätte ich davon. Warner Music hat mich nicht betrogen, ich werde Warner Music nicht betrügen.

Diese Entscheidung ist mir nicht immer leicht gefallen, denn in den letzten Jahren hat mich die Musikindustrie wie einen gemeinen Dieb und Betrüger behandelt. Es ging los vor ein paar Jahren, als die großen Labels plötzlich anfingen, ihre CDs mit einem Kopierschutz zu versehen. Dieser Kopierschutz war eigentlich gar keiner, es war ein Abspielschutz. Er sollte dafür sorgen, dass eine CD nur in einem CD-Audioplayer abgespielt werden kann, nicht aber in einem CD-ROM-Laufwerk eines Computers. Denn, so die Logik der Plattenlabels: Wer eine CD in einen Computer steckt, der tut dies nur, um davon Raubkopien zu machen. Dass man sich vielleicht eine CD fürs Auto brennt, in dem man die teuren Originale nicht herumfahren will, dass man vielleicht die CD im Computer hört, während man irgendwelche Texte schreibt - egal. Seit 1975 kaufe ich Schallplatten, seit 1985 kaufe ich CDs. ich habe schon tausende von Euros für Alben ausgegeben, und nicht immer waren sie ihr Geld wert. Und jetzt wollte mir die Musikindustrie vorschreiben, mit welchem Gerät ich meine Platten abspiele? Als ich einen CD-Portable fürs Auto anschaffte, der auch MP3s konnte, verschärfte sich das Problem: Dieses Gerät hatte regelmäßig Schwierigkeiten mit kopiergeschützten Audio-CDs, da diese die Audio-CD-Normen nicht einhielten (bei Heise online bürgerte sich dafür die Bezeichnung Un-CD ein). Meine Verunsicherung wuchs: Bei jeder CD, die ich kaufte, kam die nagende Frage: Wird sie auch auf allen Playern laufen, auf denen sie laufen soll?

Offenbar war ich nicht der Einzige, dem der Spaß am Plattenkaufen vergangen war, denn seit Ende der 90er Jahre sind die CD-Verkäufe rückläufig. Ich habe dann eine ganze Weile meine musikalischen Bedürfnisse auf Tauschbörsen wie Audio Galaxy oder Napster gestillt. Immerhin hat die Telekom damals gut an mir verdient: So manche Nacht lief der Download via ISDN-Kanalbündelung nonstop durch. Dann mussten Napster & Co. schließen, von der Musikindustrie mit horrenden Schadensersatzklagen überzogen. Meine Neigung, im Plattenladen CDs zu kaufen erlahmte fast völlig.

Vor ein paar Jahren habe ich das erste Mal ein Album online gekauft. Grundsätzlich eine feine Sache: Man ist an keine Ladenöffnungszeiten gebunden, und wenn man irgendwo ein interessantes Lied hört, kann man sofort im Netz nach der Platte fahnden. Man kann die Stücke vorher probehören, anschließend werden sie auf den eigenen Rechner geladen, was dank DSL sogar recht schnell geht. Alle Titel sind korrekt getaggt, so dass der Musikplayer auch Tiel und Interpret richtig zuordnen kann. Allerdings hat die Musikindustrie ihre Online-Kunden immer noch wie Betrüger behandelt: Die Musik kam im wenig beliebten Windows-WMA-Format und war kopiergeschützt. Wer wie ich einen Mediastreamer an der Stereoanlage hängen hat, ist dabei eigentlich gekniffen, denn die DRM-geschützten WMA-Songs laufen nur auf dem PC, auf dem sie heruntergeladen wurden, nicht jedoch auf dem Mediastreamer. Immerhin darf man von den teuer bezahlten Stücken eine Audio-CD brennen. Diese CD ist dann nicht mehr kopiergeschützt, also rippte ich die frischgebrannte CD mit einem MP3-Encoder und verwandelte so die WMV-Files in MP3-Songs, die überall liefen wo ich wollte. Zeitaufwand: ein bis zwei Stunden pro gekauftem Album.

Jetzt mal ehrlich: Behandelt man so seine Kunden?

Offenbar lieber nicht. Die Verluste der Musikindustrie hielten an, die Zahl der illegal heruntergeladenen Musikstücke wuchs. Kein Wunder, denn das, was die Labels einem legal anboten, war ja nun eher eine Provokation als ein Geschäftsmodell.

Vor etwa zwei Jahren kamen die ersten Vorstöße in Richtung Angebote, die den zahlenden Kunden nicht kriminalisiseren und ihm das geben, was er eigetlicch will: Musik, die er überall dort abspielen kann, wo er das für richtig hält. Zuerst in den USA. Warum nicht bei uns?

Anfang des Jahres 2009 kam dann der Paukenschlag: Nahezu zeitgleich kündigten Apple und die Telekom an, in ihren Musikbörsen künftig fast nur noch Musik im offenen MP3-Format zu verkaufen. Anfang März legte Musicload nach und kündigte an, entgegen seiner Planung schon jetzt mit dem MP3-Verkauf zu beginnen. Offenbar hatten sich die Majors noch einmal ihre desaströsen Zahlen angesehen und dabei deutlichen Handlungsbedarf verspürt.

Heute habe ich Musicload das erste Mal ausprobiert. Der Download des Albums von Sasha hat gute zehn Minuten gedauert, schließlich mussten 87,6 MB an Daten durch die DSL-Leitung wandern. Doch die paar Minuten warte ich gern, wenn ich dafür eine so hohe Bitrate bekomme: 256 kbit/s sind schon verdammt nah an der CD.

Ein paar Verbesserungsvorschläge hätte ich noch: Wenn jemand, so wie ich, das ganze Album kauft, sollte eigentlich ein PDF vom Booklet dabeisein, eine Playlist im m3u-Format wäre auch sehr hilfreich. Und über den Preis könnte man durchaus auch noch einmal reden: 13,95 Euro habe ich bezahlt - die CD im Jewel Case mit Booklet kostet im Handel gerade mal einen Euro mehr. Aber, liebe Jungs von Warner Music, grundsätzlich ist das schon mal ein ganz, ganz großer Schritt in die richtige Richtung - auch wenn das Album vermutlich nicht Sashas bestes war. Und den Rest kriegt Ihr auch noch hin...


Montag, 2. März 2009

Abenteuer ICE

Als die Bahn in den 80er Jahren den ICE in Dienst stellte, bewarb sie den neuen Hochgeschwindigkeitszug mit einem einprägsamen Slogan: "Vor 160 Jahren war Bahnfahren noch ein Abenteuer. Jetzt ist es wieder soweit." 20 Jahre später hat sich an dieser Aussage wenig geändert. Während ich diese Zeilen schreibe, quält sich "mein" ICE von München nach Hannover kurz vor Würzburg mit ca. 60 km/h durch eine Kurve - Hochgeschwindigkeit sieht anders aus. Auch die Zugangsmöglichkeiten ins Internet sind eng begrenzt. Meine Mobilfunkverbindung bricht immer wieder ab, und selbst wenn die Signalanzeige am Handy vertrauenserweckende Werte anzeigt, wandern die Bits so langsam durch den Äther, dass man mitzählen kann. Es soll Züge mit eingebauter WLAN-Abdeckung geben, berichten mir Bahn-Kenner, aber die fahren nur auf der Strecke nach Frankfurt - und stehen im moment vermutlich ohnehin mit defekten Radachsen im Instandsetzungswerk. Dennoch will ich an meinem abenteuerlichen Plan festhalten - und einen Blog-Beitrag während meiner Zugfahrt ins Netz stellen. Wenn er hier zu lesen ist, habe ich es geschafft. Ein Foto dazu? Nein, wir wollen mal nicht übertreiben, oder?

 

Donnerstag, 26. Februar 2009

Smartphone-Tuning für 3,98 Euro?

Mein Smartphone hat eine eingebaute Kamera. Die hat ein Objektiv, und das taugt nix. Zumindest nicht, wenn das Fotomotiv näher als einen Meter dran ist. Also muss eine Nahlinse her. Gibt es sowas für Smartphones, die kein Filtergewinde haben? Yup, gibt es - bei eBay! Im coolen Dreierset, zusammen mit einem Weitwinkel und einem Telekonverter, für schlanke 1,99 Euro. Kommen noch mal 1,99 für den Versand drauf, macht 3,98 Euro. Okay, gekauft. Carl-Zeiss-Niveau werden die Teile wohl nicht haben, aber Versuch macht kluch.

Heute kam ein ziemlich großer Umschlag, der eine ziemlich kleine Pappschachtel enthielt. Darin drei Ringe mit eingebauten Plastiklinsen: Ein Telekonverter (rot), ein Weitwinkel-Konverter (silber) und ein Makro-Vorsatz (grün). Sie haben hinten einen Ring aus Doppelklebeband, damit werden sie einfach vor das Objektiv geklebt. Hält vermutlich von zwölf bis mittag, aber mal sehen.



Die Montage der Ringe an der Kamera ist ein Klacks: Schutzstreifen vom Klebestreifen abziehen und dann den Vorsatz mit dem Klebestreifen auf das Handy pappen. Die Verarbeitung der Teile ist unterirdisch schlecht. Am Makrokonverter stehen vier Plastikstifte nach vorn aus der Fassung, wozu soll das gut sein? Die vielsprachige Bedienungsanleitung schweigt sich aus, sie spricht davon, dass das Set noch viel mehr Effektvorsätze enthält.
Ein erster Test: Durch die Fensterscheibe im Büro nehme ich die gegenüberliegende Häuserzeile auf. Die Handykamera stelle ich dazu auf die höchste Qualitätsstufe, also 2 Megapixel Auflösung. (Übrigens: Alle Bilder in diesem Blog werden größer, wenn man sie anklickt.)

Das "Referenzfoto": Vodafone VPA Compact GPS ohne Aufsätze










Aufnahme mit dem Weitwinkel-Konverter: Man beachte die heftigen Randunschärfen und den Reflex in der Mitte, er rührt vom silbernen Adapterring her, der sich in der Fensterscheibe spiegelt. Also, Leica-Qualität ist das noch nicht wirklich;-)
Aufnahme mit dem Tele-Konverter: Verglichen mit dem Weitwinkel-Konverter sieht man hier sowas ähnliches wie Bildqualität, zumindest beim ersten Hinsehen. Beim zweiten Hinsehen sieht die Auffassung, dass der eingebaute Digitalzoom der Kamera vermutlich bessere Ergebnisse gebracht hätte.
Aufnahme mit dem Makro-Vorsatz: Erst nach etwas Probieren wird klar, wofür die Plastikstifte gedacht sind, die nach vorn aus der Fassung ragen: Sie halten das Aufnahmemotiv auf Abstand, und zwar auf dem einzig möglichen. So kann man mit dem Konverter Gegenstände fotografieren, die etwa 5x5 Millimeter groß sind. Größere Objekte, oder solche, die weiter weg sind, werden nicht scharf. Im Bild: Ein Detail der Rückseite meiner EC-Karte.
Mein Fazit: Das war's irgendwie noch nicht richtig. Hat noch jemand einen Tipp wegen einer Nahlinse? Sie braucht auch nur ein oder zwei Dioptrien haben.

Freitag, 20. Februar 2009

Combat-Fasching reloaded

Heute beim Bäcker Rischart am Hauptbahnhof. Wer die allgemein akzeptieren Faschingskrapfen 1.) mit Puderzucker drauf oder 2.) mit Schokoguss drüber als oldschool empfindet, dem wird bestimmt die neueste Creation der Fasching-Industrie munden: Der Himbörger. Zusammensetzung unbekannt.Kaloriengehalt in der thermonuklearen Megatonnenklasse. Kommt bestimmt richtig gut nach dem vierten Bier.

Ich bin ja spaßbefreiter Niedersachse, ich muss ja nicht;-)
PS: Für meine nichtbayerischen Leser: Krapfen heißen eigentlich überall sonst in Deutschland "Berliner". Nur in Berlin heißen sie "Berliner Pfannkuchen". Das sollte man wissen, wenn man bei einem Berliner Bäcker einen Berliner bestellt.

Dienstag, 17. Februar 2009

Das billige Geschäft der Panikmacher


Glaubt man den Scharfmachern von Spiegel Online, dann geht demnächst die Welt unter. "Wirtschaftskrise: Exporteure erwarten schlimmstes Jahr seit 1949" titelt der Online-Ableger des eigentlich mit einer halbwegs intakten journalistischen Reputation gesegneten Wochenmagazins. Ohmygod, 1949, das war kurz nach dem Krieg, überall Trümmer, Mercedes dengelte - in Ermangelung moderneren Materials - weiterhin in bescheidenem Maßstab Vorkriegslimousinen zusammen, und die Mercedes-Arbeiter waren froh, wenn sie zuhause ein warmes Essen und einen warmen Ofen vorfanden. Das war damals nämlich nicht so selbstverständlich, wie es heute scheinen mag. Westberlin wurde von den Sowjets blockiert, und dort war die Lage so schlecht, dass die US-Hilfsorganisation Care Pakete verteilte, wie das Bild oben rechts zeigt.

Auf dieses Niveau wird uns die Wirtschaftskrise also zurückwerfen? Bullshit, natürlich nicht. Das Deutsche Insitiut für Wirtschaftsforschung (DIW) schätzt, dass die deutsche Wirtschaftsleistung 2009 gegenüber dem Vorjahr um über 3% zurückgehen könnte. Damit wären die Zuwächse der letzten beiden Jahre wieder zunichte gemacht.

Das ist unschön, aber das DIW - und am besten auch der verantwortliche Redakteur bei Spiegel Online - sollte doch einfach mal einen beliebigen Bewohner einer Mietwohnung fragen, wie sich in den vergangenen zehn Jahren die Miete seiner Wohnung entwickelt hat, und zwar im Vergleich mit seinem Nettogehalt. Dass normale Arbeitnehmer heute viel weniger Geld in der Tasche haben, das ist die eigentliche Krise.

Vor ein paar Monaten hat ein Wirtschaftsweiser, ich glaube es war Bert Rürup, vorgeschlagen, sämtliche Wirtschaftsforschungsinstitute sollten einfach einmal eine Weile darauf verzichten, Prognosen zu veröffentlichen. Es bestünde nämlich die Gefahr, dass die Institute in ihrem Drang, sich zu profilieren, die Situation viel schlechter redeten als sie in Wirklichkeit sei.

Leider hat sich an diese Empfehlung kein namhaftes Institut gehalten. Und die Schlagzeilendrescher von SpOn & Co. machen dieses billige Geschäft nur allzugern mit.

Sonntag, 15. Februar 2009

Multimedia!

Okay, ein Versuch: Wie lange dauert es, ein Video aufzunehmen, zu schneiden, im Internet auf eine Video-Plattform zu spielen und hier einzustellen? Ich hab's versucht: Zwei Stunden. Beteiligt waren:


Und natürlich - der Hauptdarsteller: Eine chinesische Mini-Schreibtischlampe, gekauft in einem 1-Euro-Shop in der Goethestraße in München.





Steven Spielberg hat auch klein angefangen;-)

Donnerstag, 12. Februar 2009

Die Wolke

Zu den revolutionären Design-Elementen des Web 2.0 gehört unzweifelhaft eine Tagcloud. Die hier links ist zusammengesetzt aus den Stichworten, die das Online-Tagcloud-Berechnungstool Wordle auf Basis der Texte auf der ersten Seite meines Blogs berechnet hat. Wordle ist ein Projekt des IBM Research Visual Communication Lab. Chic, oder? Leider hat Wordle ein paar Haken. Sie ist, anders als andere Tagcloud-Lösungen, nicht dynamisch und nicht interaktiv. Das heißt, die Geröße und Position der Tags ändert sich nicht automatisch, wenn sich die Themen ändern. Und klickbar ist das ganze auch nicht. Wenn jemand eine Tagcloud-Lösung weiß, die ich elegant in dieses Blog einbauen kann, dann will ich das gern ausprobieren.